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Mailänder Messe „Salone del Mobile“

Die Saison-Trends für Möbel

Bei der Mailänder Möbelmesse wurden Saison-Trends für Möbel vorgestellt
Bei der Mailänder Möbelmesse dominierte ein Saison-Trend für Möbel: MinimalismusFoto: dpa picture alliance

Bei der Gestaltung von Möbeln lautet das Motto in dieser Saison: Weniger ist mehr. Es dominieren einfache Formen und Materialien und Minimalismus statt opulentem Design.

Auf dem Salone del Mobile in Mailand (9. bis 14. April), der Mailänder Möbelmesse, wurden die Möbel-Trends 2019 vorgestellt. Dabei wurde deutlich: Alle pochen auf neue Designs und Looks, die es so noch nie gab.

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Reduzierte Formen und Materialien

Denn gerade sehen viele neue Stühle eben aus wie Stühle in ihrer einfachsten Form – keine sichtbaren Extras, kein Chichi. Und noch mehr: Das Material wird an vielen Möbeln drastisch reduziert.

Sofas, Sessel und Betten stehen auf dünnen, sogar dürren Beinen. Regale setzen sich aus hauchdünnen Platten zusammen. Und sogar wenn Sofas noch Rundungen gegönnt werden, fehlen schon mal die Armlehnen, auf denen sich auch mal der Kopf ablegen ließe. Der Designer Naoto Fukasawa, der sich sowieso der Einfachheit von Produkten widmet, verschmälert die Taille des eleganten Longchairs Land für Plank so weit, dass man sich unweigerlich fragt: Fehlt da nicht etwas?

Die Möbel-Trends der Mailänder Möbelmesse „Salone del Mobile“
Die Form des Longchairs Land von Naoto Fukasawa für Plank ist auf das Nötigste reduziertFoto: Plank

Minimalistisch und dennoch komfortabel

Und genauso ist es der Fall bei vielen anderen Produkten, bei denen man sich beim ersten Anblick unweigerlich fragt: Ist das bequem? Oder gar: Ist das stabil? Die Unternehmen gehen bei ihren Präsentationen diese Fragen an, denn genau das ist das Neue: Sie setzen ihre Möbel bewusst auf Radikaldiät, bieten dabei aber großen Komfort und Praktikabilität.

Und in manchen Möbeln steckt mehr als auf den ersten Blick ersichtlich. Weit mehr.

Gefräst statt gegossen

Zum Beispiel im hauchdünnen Tisch Fila von Konstantin Grcic für Plank, der auf geradezu dürren Beinen stehen kann, ist es ein Rahmen mit vier massiven Aluminium-Winkeln. Sie verbinden die Beine und Traversen miteinander und sorgen so für Stabilität. Damit das nicht auffällt und die Elemente scheinbar keine Nähte haben, sind die Winkelverbinder akkurat gefräst statt gegossen.

Für Moroso hat Stardesignerin Patricia Urquiola übertragen gesprochen mit Steinen gespielt – die man vorsichtig ausbalanciert stapeln kann. Ergibt sich eine Balance zwischen den ungleichen Elementen, könnten normale kräftige Formen ganz leicht wirken, erklärt das Unternehmen. Herausgekommen ist das Sofa Gogan, das in grauer Farbe auch an die Steinskulptur erinnert. Da die Sitzfläche am Schwerpunkt leicht nach hinten geneigt ist, erhöhe sich außerdem der Komfort beim Sitzen.

Die Möbel-Trends der Mailänder Möbelmesse „Salone del Mobile“
Für Moroso hat Stardesignerin Patricia Urquiola mit Steinen gespielt - herausgekommen ist das Sofa Gogan, das in grauer Farbe an eine Steinskulptur erinnertFoto: Alessandro Paderni/Moroso

Schwebend leicht und schlank

Beim Bett namens Friday Night für Zeitraum hat das Designduo Formstelle zu einem anderen Kniff gegriffen: Die Rückenlehne geht auf halbem Weg in eine Biegung und wird unten zugleich zu den schlanken Hinterfüßen des Bettes. Das verschlankt die Seite optisch. Außerdem sind die vorderen Füße etwas nach hinten versetzt, wodurch das Bett je nach Blickwinkel wirkt, als würde es schweben.

Die Möbel-Trends der Mailänder Möbelmesse „Salone del Mobile“
Die Rückenlehne des Betts Friday Night vom Designduo Formstelle für Zeitraum macht auf halben Weg eine Biegung und wird unten zu den schlanken Hinterfüßen des BettesFoto: Zeitraum

Auch hinter Philippe Starcks Auftritt am Stand des italienischen Möbelproduzenten Kartell in Mailand steht so eine verschlankte Produktentwicklung. Dafür hat er sogar mal kurz seine Rolle als Designer abgegeben. Auf seine Anregung hin erhielt eine künstliche Intelligenz den Auftrag, einen Stuhl zu formen, der mit so wenig Material wie möglich auskommt. Dabei soll er aber komfortabel, stabil und solide sein sowie ästhetische Grundvoraussetzungen erfüllen. Kooperationspartner dabei ist Autodesk, ein US-Unternehmen für 3D-Software.

„A.I.“ ist das Ergebnis - ein Stuhl, der nur zwei übliche gerade Beine vorne hat. Hinten gehen die schrägen Beine bis hoch zur Lehne. Kartell spricht davon, dass dies das „das erste durch künstliche Intelligenz konzipierte Designobjekt“ sei.