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Ohne Gift und Chemie

Marder vom Dachboden vertreiben – diese Methoden helfen

Marder auf einem verschneiten Hausdach
Nerviger Mitbewohner: Marder lassen sich nur schwer vertreibenFoto: Getty Images

Marder im Haus – der schiere Horror! Die räuberischen Tiere können unheimlich Radau machen und teure Schäden verursachen. myHOMEBOOK sprach mit zwei Marder-Experten, die erklären, wie man die ungebetenen Gäste los wird!

Eigenurin, Klo-Steine, Plärr-Radio – es kursieren viele, teilweise bizarr anmutende Tipps, wie man Marder aus dem Haus vertreiben kann. Fakt ist: Sind die ungebetenen Gäste erstmal da, besteht dringender Handlungsbedarf. Denn die nachtaktiven Tiere können richtig nerven. Und heftige Schäden anrichten – Stichwort: Marderbiss. Davon können viele Autobesitzer ein Leid klagen.

Warum ist es so schwierig, Marder aus dem Haus zu vertreiben?

Im Haus ist es gerne mal die Wärmedämmung, vor der die Tiere nicht halt machen. Dazu dann der nächtliche Krach, der den gequälten Hausbewohnern den letzten Schlaf raubt. Zudem kommt noch der verkotete Dachstuhl und der unerträgliche Verwesungsgeruch, der durchs Haus zieht, wenn das erlegte Beutetier im Marderversteck gebunkert wird. Alles in allem können Schäden, die durch Marder entstehen, teuer werden: Rund 140 Millionen Euro Versicherungsschäden an Haus und Auto verursachen die Tiere jährlich.

Fakt ist aber auch: Sind Marder erstmal im Haus, wird es schwierig, sie wieder loszuwerden. Es gibt gequälte Hausbesitzer, die von mehrjährigen Marder-Martyrien zu berichten wissen. Ein nächtlicher Besuch von einem Marder, der übrigens zur Gruppe der hundeartigen Raubtiere gezählt wird, klingt nämlich durchaus furchteinflößend.

Dr. Hans-Heinrich Krüger hat das Verhalten von Steinmardern lange erforscht. Der Wildbiologe erklärt: „Marder sind sehr empfindliche Tiere, die sich nur sehr schwer fangen lassen. In der Regel meiden sie alles Neue, ziehen sich dann erstmal zurück.“ Das Problem: Die Tiere seien auch ausgesprochen neugierig. „Nach einiger Zeit kommen Marder wieder zurück“, weiß der Marder-Experte.

Was bringt das Vertreiben von Mardern mit Urin?

Ob das Auslegen von Duftstoffen, wie beispielsweise übel riechenden Klo-Steinen, tatsächlich die geruchsempfindlichen Tiere vertreibt – daran scheiden sich die Geister. Stark diskutiert wird im Internet auch die Empfehlung, den Dachboden mit Eigenurin zu markieren. Wenn die Tiere sich daran gewöhnen, sind solche Methoden, Marder aus dem Haus zu vertreiben, dann nicht wirkungslos?

Nicht ganz. Auch Julian Heiermann vom Naturschutzbund (Nabu) ist Marder-Experte. Er erklärt: „Ob man die Tiere anhand von starken Düften und Geräuschen vertreiben kann, liegt an der Beharrlichkeit der Anwendung und auch von den für Marder alternativ vorhandenen Versteckmöglichkeiten in der Umgebung. Menschlicher Urin könnte hier durchaus ein wirksames Mittel zum Vertreiben von ungebetenen Untermietern sein, doch aus hygienischer Sicht ist das sicherlich auch zu hinterfragen.“

Der Radio-Trick kann helfen, Marder aus dem Haus zu vertreiben

Heiermann verrät denn auch einen weitaus hygienischeren Trick, um die Tiere zum Umzug zu bewegen: „Da Marder sehr geräuschempfindlich sind, kann man es mit einem kleinen Radio versuchen, dass Lärm macht und mittels einer Zeitschaltuhr gesteuert wird. Marder sind nachtaktiv und suchen sich für den Tag ruhige Verstecke. Ein nerviger Radiosender kann da schnell zum Ruhekiller werden und die Tiere vertreiben.“

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Was tun, damit der Marder nicht wiederkommt?

Marder aus dem Haus zu vertreiben ist das eine. Sie am Wiederkehren zu hindern, stellt Hausbesitzer vor geradezu detektivische Herausforderungen. Hier hilft nur der ärgerliche, mühselige und nicht zuletzt kostspielige Weg: Alle Löcher und Ritzen am Gebäude suchen und stopfen. Für Hans-Heinrich Krüger ist klar, wer Verursacher all der Probleme ist: „Nicht der Steinmarder! Es sind die Dachdecker, die Häuser nicht marderdicht bauen."

Dass am Stopfen kein Weg vorbei führt, sieht auch Nabu-Experte Heiermann – allerdings sollte das mit Umsicht geschehen. „Um Marder dauerhaft als Untermieter ausschließen zu können, sollte man tatsächlich versuchen, potentielle Zugänge zu verschließen oder unerreichbar zu machen. Wichtig ist dabei, keine Tiere versehentlich einzuschließen.“

Wer alle möglichen Einstiegshilfen am Haus abklopfen will, sollte den Experten-Tipp von Hans-Heinrich Krüger berücksichtigen: „Im Winter können Spuren im Schnee – so er denn liegt – verraten, wie der Marder ins Hausdach kommt. Im Sommer kann ein Sandbeet auf dem Dachboden Hinweise zum Einstieg geben.“

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Bäume sollten nicht zu dicht am Haus stehen

Einfallstor Nummer eins: Bäume, die zu nahe am Haus stehen. Wildbiologe Krüger erklärt, dass Marder ziemlich hoch springen können. „Locker bis zu 1,5 Meter! Deswegen sollten Bäume auch so weit vom Haus weg stehen.“ Bei Bäumen, die näher am Haus wachsen, muss man wohl oder übel einige Äste absägen.

Sieht zwar nicht schön aus, kann aber hilfreich sein: Eine Baummanschette aus Hartplastik oder Blech. „Damit der Marder die Manschette nicht überwinden kann, muss diese eine ausreichende Breite von mindestens 60 Zentimetern haben“, sagt Krüger.

Regenrinne und Carport nicht vergessen

Schwieriger wird es bei einem niedrigeren Anbau am Haus, wie zum Beispiel einem Carport. Krüger schwört zudem auf Strom: „Das Top-Mittel gegen Marderbesuch ist ein Weidezaungerät. Das gibt es für rund 200 Euro im Handel und ist, richtig installiert, hochwirksam.“ Kommen die Tiere mit dem unter Strom stehenden Zaun in Kontakt, kriegen sie einen Schlag, erschrecken sich und suchen das Weite.

Darf man Marder eigentlich fangen oder töten?

Vertreiben ist erlaubt – einfangen und töten nur bedingt. Julian Heiermann erklärt, dass man beim Umgang mit Mardern das Tierschutz- und Jagdgesetz beachten sollte. „Nur Jäger dürfen Marder fangen oder auch töten. Auch schon der Versuch, die Tiere mit einer Lebendfalle zu fangen, muss einem Jäger überlassen werden. Laut Tierschutzgesetz darf man den Tieren kein Leid zufügen, die ordnungsgemäße Jagd ist hierbei ausgenommen.“

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Gibt es eine Schonzeit für das Vertreiben von Mardern?

Bezüglich des Einsatzes von schonenden Vertreibungs- oder Vergrämungsmethoden wie Düften oder Lärm, gibt es laut Gesetz keine jahreszeitliche Einschränkung. Julian Heiermann vom Nabu erklärt, dass Marder ihre Jungen auch in ein neues Versteck umquartieren können. „Um es den Wildtieren aber nicht zu schwer zu machen, sollte man in der Hauptaufzuchtszeit, etwa April bis Ende Juni, wenn möglich auf Vergrämungsmaßnahmen vorerst verzichten.“

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Darf ein Kammerjäger Marder töten?

Auch wenn man es vermuten könnte, selbst der Kammerjäger darf die Marder nicht töten. „Kammerjäger dürfen zwar keine Fallen aufstellen oder gar Gift gegen Marder einsetzen, doch wenn diese zulässige Vergrämungsmethoden anbieten, dann kann man auch deren Hilfe in Anspruch nehmen“, sagt Heiermann.