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Hybride Frucht-Züchtung

Bapfel – eine Kreuzung aus Apfel und Birne, die resistenter ist

Birpfel: Eine Obstschale mit Äpfel und Birnen
Wie wohl eine Züchtung aus Birnen und Äpfeln schmeckt?Foto: Getty Images

Die Liaison aus Apfel und Birne trägt womöglich bald ganz neue Früchte. Gestatten: Hier kommt der Bapfel. Die hybride Fruchtzüchtung könnte für Allergiker interessant sein. Und sie soll noch weitere Vorteile bieten.

Birpfel, Bapfel und Apfirne – diese Wortschöpfungen bezeichnen alle eine Kreuzung aus Apfel und Birne, denn aus diesen beiden Obstsorten wollen Wissenschaftler ein neues Früchtchen züchten. Bekanntlich kann man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Braucht man womöglich in Zukunft auch nicht, die Hybridfrucht vereint beides.

Warum will man Äpfel und Birnen kreuzen?

Saftige Birnen und knackige Äpfel schmecken an sich schon köstlich. Was könnte das noch toppen? Beides zusammen. Für Werner Dierend ist klar: Die Kreuzung aus beiden Obstsorten kann geschmacklich eine Bereicherung darstellen. Dierend ist Professor für Obstanbau an der Hochschule Osnabrück. Sein Ziel: Eine Obstsorte für den Markt entwickeln, die es so noch nicht gibt.

Die hybride Züchtung soll zudem unempfindlicher gegen Krankheiten und Schädlinge sein. Ein klarer Pluspunkt für den ökologischen Anbau, denn damit müssen weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Sollte die Züchtung trotz weniger Einsatz von Chemie mehr Ertrag abwerfen, profitieren dadurch letztlich auch die Obstanbauer.

Auch interessant: Was sind eigentlich Hybriden?

Eher Birne, eher Apfel – wie sieht die Kreuzung aus?

In der ersten Generation glich die Züchtung in Aussehen und Geschmack einer Birne. In den zwei darauffolgenden Generationen kam der Apfel zum Vorschein. Geschmacklich ist nun alles drin: Eine Mischung aus Apfel und Birne oder jeweils mehr die eine oder die andere Frucht.

Dierend erklärt, dass Äpfel und Birnen zum Teil gemeinsame Aromastoffe besitzen, aber auch ganz unterschiedliche. Und all die finden sich in unterschiedlichen Zusammensetzungen in den Hybriden wieder. Äußerlich überrascht der Birpfel bislang nicht sonderlich. Das kann sich aber ändern. Werner Dierend auf Nachfrage von myHOMEBOOK: „Ich hoffe, dass es auch im Aussehen noch Nachkommen gibt, die etwas ganz Neues darstellen.“

Wie kam es zu der Züchtung?

Ganz neu ist die Züchtung aus Äpfeln und Birnen nicht. Schon in den 80er Jahren war es gelungen, Äpfel und Birnen zu kreuzen. Geboren war die „Zwintscher-Hybride“, benannt nach dem Züchter Max Zwintscher vom Max-Planck-Institut in Köln-Vogelsang (NRW). Aussehen soll die Frucht dieser ersten Generation wie eine Birne, die laut Dierend allerdings nur selten blüht und daher selten Früchte trägt. Nach einem Zwischenstopp an der Technischen Universität München landete das weiterentwickelte Zuchtmaterial schließlich an der Hochschule Osnabrück, wo es nach allen Tricks der Selektion äußerlich mittlerweile einem Apfel ähnelt.

Kann man schon in den Birpfel beißen?

Nein. Im Handel ist die neue Züchtung noch nicht erhältlich. Professor Dierend: „Es wird sicherlich noch einige Jahre dauern, bis wir ein Produkt haben, das wir auf dem Markt anbieten können.“ Ob dann auch Hobbygärtner den Birpfel anbauen können? „Das könnte sein, wenn sich bestimmte Hybride nicht für den Anbau in Obstbaubetrieben eignen“, erklärt Dierend. Denn das Pflanzenmaterial sei momentan extrem wertvoll und weltweit einzigartig.

Schadet die neue Kreuzung der Umwelt?

„Risiken bestehen nicht“, sagt Werner Dierend. Denn die Kreuzungen erfolgten nach klassischen Methoden. Bedeutet: Der Pollen wird von den Wissenschaftlern in der Forschung kontrolliert übertragen, nicht von Insekten. „Es befinden sich in den Hybriden auch keine fremden Gene, sondern die von Apfel und Birne. Und die gibt es ja schon lange bei uns.“

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Wird der Mix aus Äpfeln und Birnen wirklich Bapfel heißen?

So schön die Bezeichnung „Bapfel“ ist, offiziell heißt die hybride Frucht nicht so. Birpfel, Bapfel oder Apfirne sind kreative Wortschöpfungen der Medien. Welchen Namen die Fruchtsorte letztlich tragen wird, entscheiden laut Dierend Wissenschaftler, Obstbauern und Verbraucher gemeinsam in einem Kreativ-Workshop.