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Nachhaltiges Gärtnern

Aus diesen Gründen sollten Sie mit Erde ohne Torf gärtnern

Torffreie Erde: Ein Mann hält in seinen Händen einen Haufen Gartenerde
Gartenglück geht auch ohne TorfFoto: Getty Images

Herkömmliche Blumenerde aus dem Supermarkt besteht aus einer Menge Torf. Das ist schlecht für die Umwelt. myHOMEBOOK erklärt, warum Hobby-Gärtner lieber mit torffreier Erde gärtnern sollten.

Viele Hobby-Gärtner setzen immer noch auf Pflanzenerde mit Torf. Denn die ist meist günstiger als torffreie Erde. Zudem kann das darin enthaltene Torfmoos enorme Mengen an Wasser speichern – bis zum 40-Fachen des Torf-Eigengewichts. Das kann wunderbar für den Ziergarten sein und verspricht hohe Erträge im Gemüseanbau. Für die Umwelt ist das hingegen katastrophal.

Denn für den Abbau von Torf wie auch zur Ackerlandgewinnung werden ganze Moore trockengelegt. Und von denen gibt es nicht mehr viele weltweit. Das tragische: Mit der Vernichtung verlieren viele, teils vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum. Beispielsweise der Sonnentau, das Wollgras und verschiedene Orchideen, wie Nicola Uhde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärt.

Torffreie Erde: Die Pflanze Sonnentau hat grüne Blätter mit roten Knospen
Filigraner Fleischfresser: Der Rundblättrige Sonnentau fühlt sich im Moor wohl, wo er mit seinen Sekret-Tröpchen an den Blättern Fliegen und Mücken fängt
Foto: Getty Images

Klima leidet unter Moorsterben

Trotzdem steigt die Nachfrage nach dem nährstoffreichen Torf, da in Deutschland nur noch wenige Lizenzen zum Torfabbau vergeben werden. Denn was viele nicht wissen: Nicht nur für den industriellen Gartenbau, sondern auch für Öko-Betriebe ist Torf nach wie vor unverzichtbar. Sei es für die Anzucht von Jungpflanzen oder für den Anbau von Obst und Gemüse. Bedeutet: In fast jeder Supermarkt- oder Bio-Tomate steckt ein bisschen Torf!

Urzustand der Moore zurückzugewinnen ist fast unmöglich

Im Glauben, damit den Boden zu verbessern, bringen Hobby-Gärtner Unmengen an Torf aus. Uhde: „Jedes Jahr verbrauchen wir Deutschen rund zweieinhalb Millionen Kubikmeter Torf aus Mooren als Pflanzenerde in privaten Haushalten!“ Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Eine Torfschicht im Moor wächst jährlich nur um rund einen Millimeter.

Torffreie Erde: Ein Bagger trägt eine tiefe Schicht von Torf ab
Es war einmal ein Moor: Um Torf abzubauen, müssen Hochmoore trockengelegt werdenFoto: Getty Images

Bedeutet: Eine ein Meter dicke Schicht an Torf ist rund tausend Jahre alt. Es würde eine Ewigkeit brauchen, bis wieder eine intakte Torfschicht entstanden ist. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, die letzten Moore zu erhalten und das Klima zu schützen. Das Umweltbundesamt rät deswegen, nur torffreie Blumenerde zu verwenden.

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Vorsicht vor „torfreduzierter“ Erde

Pflanzenerde, die überwiegend aus Torf besteht, gibt es im Handel wie Sand am Meer – wobei, Sand gibt es ja immer weniger. Also: Pflanzenerde mit Torf gibt es jede Menge zu kaufen. ob und wie viel Torf drinnen ist, wird oftmals nur im Kleingedruckten auf der Rückseite angegeben. Und das können locker 90 oder gar 100 Prozent sein. „Diese Produkte enthalten in der Regel Hochmoortorf“, erklärt Moor-Expertin Nicola Uhde vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Und fügt an: „Gleiches gilt für „torfreduzierte“ oder „torfarme“ Erden, diese können bis zu 80 Prozent aus Torf bestehen.“ Das gilt übrigens auch für manche Bio-Erde. Denn „Bio“ ist in diesem Bereich kein geschützter Begriff.

Zum Glück gibt es mittlerweile aber auch haufenweise Blumenerde ohne Torf im Handel zu kaufen. Darin enthalten sind Kompost, Rindenhumus und Holzfasern, zum Beispiel aus Kokos. Und, je nach Produkt, können pflanzenfreundliche Minerale und Lavagranulate zur Speicherung von Wasser und Nährstoffen beigemischt sein. Der BUND hat einen informativen Einkaufsführer zum Thema herausgegeben. Darin enthalten ist auch eine Liste mit Anbietern von torffreier Erde.

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Wo kann man Erde ohne Torf verwenden?

Nahezu überall! Moor-Expertin Uhde vom BUND zählt auf: „Torffreie Erde eignet sich sowohl für Topfpflanzen im Zimmer, Kübelpflanzen auf der Terrasse, Balkonbepflanzung im Balkonkasten, Beete im Garten als auch bei neuen Anpflanzungen oder beim Umtopfen und beim Selber Ziehen von Pflanzen.“

Wer Platz im Garten hat, kann auch einen Kompost anlegen und diesen als günstige Alternative zur torffreien Blumenerde nutzen. Ein Power-Booster für jede Blumenerde ist beispielsweise Bokashi. Hier erklärt myHOMEBOOK, wie man den Kompost aus Küchenabfällen ganz leicht selbst herstellen kann.

Kompost kann man übrigens auch bei einem Kompostwerk oder Recyclinghof bekommen. Doch auch hier gilt: Augen auf! Uhde: „Bei den Kompostwerken gilt es, genau auf die Schilder zu achten! Sie verkaufen neben torffreier Erden auch Kompost, dem Torf beigemischt wurde.“