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Politik diskutiert über Verbot

Warum man keine Blumenerde mit Torf kaufen sollte

torfhaltige Blumenerde
In vielen Blumenerden ist Torf enthalten. Doch das ist nicht besonders umweltfreundlich. Aus diesem Grund soll torfhaltige Blumenerde bis 2026 verboten werdenFoto: Getty Images

Blumenerde mit Torf ist in vielerlei Hinsicht super für das Gartenbeet und für Kübelpflanzen. Das Substrat enthält wenig Nährstoffe, hat einen niedrigen pH-Wert und speichert viel Wasser. Brauchen Pflanzen mehr Nährstoffe, gibt man gezielt Dünger und stellt den pH-Wert ein. Torf ist zudem preisgünstig und wird großflächig abgebaut. Eigentlich ist das Wundersubstrat ideal für den Garten. Es gibt jedoch einen Haken.

Oft ist in Blumenerde Torf enthalten, das aus Mooren gewonnen wird. Durch den Abbau werden wichtige Lebensräume vieler Pflanzen und Tiere zerstört, wie die Experten vom Umweltbundesamt berichten. Moore sind zudem effektive Kohlenstoff-Speicher und binden darüber hinaus das noch klimaschädlichere Lachgas.

Gärtnern ohne Torf-Blumenerde

Eine gute Alternative zu Blumenerde mit Torf ist Kompost. Im Handel gibt es zudem Substrate mit Kokos- oder Holzfasern. Auch Rindenmulch bietet sich als Alternative an. Die gehäckselten Baumrinden machen jedoch Bienen mitunter schwer zu schaffen.

Verbot von Blumenerde mit Torf

Die Politik versucht, gegenzusteuern. Bereits 2020 nahm sich die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vor, Blumenerde mit Torf bis Ende 2026 aus dem Sortiment von Bau- und Supermärkten zu verbannen. Bis 2026 will auch der derzeitige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) Torf im Hobbyanbau verbieten. 2030 soll dann zudem Schluss sein mit der Verwendung von Torf für wirtschaftliche Zwecke.

Torf auch im Öko-Anbau unverzichtbar

Trotzdem steigt die Nachfrage nach dem nährstoffreichen Torf, da in Deutschland nur noch wenige Lizenzen zum Torfabbau vergeben werden. Denn was viele nicht wissen: Nicht nur für den industriellen Gartenbau, sondern auch für Öko-Betriebe ist Torf nach wie vor unverzichtbar. Sei es für die Anzucht von Jungpflanzen oder für den Anbau von Obst und Gemüse. Bedeutet: In fast jeder Supermarkt- oder Bio-Tomate steckt ein bisschen Torf!

Urzustand der Moore zurückzugewinnen, ist fast unmöglich

Im Glauben, damit den Boden zu verbessern, bringen Hobby-Gärtner Unmengen an Torf aus. Nicola Uhde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagt: „Jedes Jahr verbrauchen wir Deutschen rund zweieinhalb Millionen Kubikmeter Torf aus Mooren als Pflanzenerde in privaten Haushalten.“ Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Eine Torfschicht im Moor wächst jährlich nur um rund einen Millimeter.

Bedeutet: Eine ein Meter dicke Schicht an Torf ist rund tausend Jahre alt. Es würde eine Ewigkeit brauchen, bis wieder eine intakte Torfschicht entstanden ist. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, die letzten Moore zu erhalten und das Klima zu schützen. Das Umweltbundesamt rät deswegen, nur Blumenerde ohne Torf zu verwenden.

Vorsicht vor „torfreduzierter“ Erde

Blumenerde, die überwiegend aus Torf besteht, gibt es nach wie vor im Handel. Ob und wie viel Torf enthalten ist, wird oftmals nur im Kleingedruckten auf der Rückseite angegeben. Und das können locker 90 oder gar 100 Prozent sein. „Diese Produkte enthalten in der Regel Hochmoortorf“, erklärt Moor-Expertin Nicola Uhde vom BUND. Und fügt an: „Gleiches gilt für „torfreduzierte“ oder „torfarme“ Erden, diese können bis zu 80 Prozent aus Torf bestehen.“ Das gilt übrigens auch für manche Bio-Erde. Denn „Bio“ ist in diesem Bereich kein geschützter Begriff.

Zum Glück gibt es mittlerweile aber auch haufenweise Blumenerde ohne Torf im Handel zu kaufen. Darin enthalten sind Kompost, Rindenhumus und Holzfasern, zum Beispiel aus Kokos. Und, je nach Produkt, können pflanzenfreundliche Minerale und Lavagranulate zur Speicherung von Wasser und Nährstoffen beigemischt sein. Der BUND hat einen informativen Einkaufsführer zum Thema herausgegeben. Darin enthalten ist auch eine Liste mit Anbietern von torffreier Erde.

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Wo kann man Erde ohne Torf verwenden?

Nahezu überall! Moor-Expertin Uhde vom BUND zählt auf: „Torffreie Erde eignet sich sowohl für Topfpflanzen im Zimmer, Kübelpflanzen auf der Terrasse, Balkonbepflanzung im Balkonkasten, Beete im Garten als auch bei neuen Anpflanzungen oder beim Umtopfen und beim Selberziehen von Pflanzen.“

Kompost kann man übrigens auch bei einem Kompostwerk oder Recyclinghof bekommen. Doch auch hier gilt: Augen auf! Uhde: „Bei den Kompostwerken gilt es, genau auf die Schilder zu achten! Sie verkaufen neben torffreier Erden auch Kompost, dem Torf beigemischt wurde.“

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