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Was dahintersteckt und wie es geht

Gärtnern nach dem Mondkalender

Der Vollmond leuchtet über dem Garten
Der Vollmond leuchtet über dem GartenFoto: dpa picture alliance

Um in den Genuss besonders knackiger Radieschen, großer Kartoffeln, dickerer Kohlköpfe und saftigen Salates zu kommen, schwören manche Gärtner auf die Kraft des Mondes. Die Mondphasen sollen die Entwicklung und das Wachstum von Pflanzen beeinflussen. Was sich hinter dem Mondgärtnern verbirgt und wie es funktioniert.

Seit Jahrtausenden übt der Mond einen ganz besonderen Zauber auf uns Menschen aus. Wenig verwunderlich also, dass dem Himmelskörper so allerhand Eigenschaften nachgesagt werden. Das um ihn und seine Kräfte kursierende Wissen wird von Generation zu Generation weitervererbt. Uralt und nie in Vergessenheit geraten sind im Besonderen die Kräfte des Mondes auf das Pflanzenwachstum. So erfreut sich das Gärtnern nach dem Mondkalender wachsender Beliebtheit. Die „Mond-Power“ können indes nicht nur Gartenbesitzer für sich nutzen. Auch für das Gärtnern auf Balkon und Terrasse lassen sich die Regeln anwenden.

Was ist Mondgärtnern?

Für die einen ist es Hokuspokus, für die anderen wertvolle Orientierungshilfe: Wer nach dem Mond gärtnert, richtet sich beim Pflanzen, Düngen, Pflegen und Ernten nach den unterschiedlichen Mondphasen, die der Himmelskörper im Laufe des Jahres durchläuft. Orientierung schenkt dabei ein Blick in den Mondkalender. Allerdings wartet hier schon die erste Hürde des komplexen Themas auf Unkundige: Es gibt nicht nur einen, sondern verschiedene Mondkalender. Grundsätzlich kann man sich beim Gärtnern allerdings an zwei Methoden orientieren: den Mondphasen und damit dem Wechsel von Neu- und Vollmond oder dem Mondstand in Kombination mit den Tierkreiszeichen.

Eine der wohl bekanntesten Mondgärtnerinnen ist Maria Thun. Seit Jahrzehnten widmet sie sich den Einflüssen des Mondes auf die Pflanzenwelt. Hobbygärtnern offenbart sie ihr Wissen Jahr für Jahr in ihren populären Aussaatkalendern, die in 21 Sprachen übersetzt werden und weltweit gefragt sind. Viele ihrer Erkenntnisse basieren auf den anthroposophischen Lehren Rudolf Steiners von 1924. Diese bilden auch die Basis der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, nach deren Prinzipien Demeter-Betriebe arbeiten. Die Kernaussage der Steiner-Prinzipien: Dadurch, dass die Landwirtschaft als eine wiederkehrende Abfolge mit natürlichen Rhythmen betrachtet wird, lassen sich vollwertige Nahrungsmittel herstellen. Der Mond ist dabei ein Element dieser natürlichen Rhythmen. Auch er spielt deshalb eine wichtige Rolle.

Die Kräfte der Tierkreiszeichen

Nicht nur der unterschiedliche Mondstand soll sich auf das Gedeihen von Pflanzen auswirken. Auch den zwölf Tierkreisbildern am Himmel wird eine Bedeutung nachgesagt. So sollen sie unterschiedliche Impulse senden. Der Mond „spiegelt“ diese wiederum auf die Erde, während er sie beim Auf- und Absteigen durchwandert. Bereits Gelehrte der Antike wie Aristoteles ordneten dabei den vier Elementen Erde, Wasser, Luft/Licht und Wärme/Feuer die zwölf Tierkreisbilder zu. Die daraus entstandenen vier Trigonen (Dreiecke) sind auch heute noch gebräuchlich:

  • Erd-Trigon: Tierkreisbilder Stier, Jungfrau, Steinbock
  • Wasser-Trigon: Krebs, Fische, Skorpion
  • Luft-Trogon: Zwillinge, Waage, Wassermann
  • Feuer-Trigon: Widder, Löwe, Schütze

Maria Thuns Betrachtungen und Feldversuche zum Wachstum und Gedeihen von Pflanzen in Abhängigkeit des Mondes ergaben, dass diese Elemente wiederum mit bestimmten Pflanzenteilen korrespondieren. Ihre Überlegungen mündeten in einem Ordnungsprinzip. Bei diesem werden Wurzeln zum Element Erde, Blattwerk zum Wasser, Blüten zur Luft und Früchte zum Feuer gezählt. Darauf aufbauend klassifizierte sie anschließend alle Gewächse in Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchtpflanzen. Der jeweilige Mondstand vor den Tierkreisbildern bestimme dann die sogenannten Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage.

Die wichtigsten Mondregeln im Überblick

Marianne Breschke, gelernte Gärtnerin, erfahrene Mondgärtnerin und Autorin des Buches „Mondgarten – Gärtnern mit dem Mond auf Balkon, Terrasse und im Garten“ gibt allen Neulingen wertvolle Tipps zum Gärtnern mit dem Mond an die Hand. Welche gärtnerischen Tätigkeiten wann anstehen, entscheidet der Mondstand:

Gärtnern bei Neumond

Ist Neumond, sucht man den Mond am Nachthimmel vergeblich. In Neumondnächten gilt die Kraft des Mondes als gering. Analog dazu soll auch das Pflanzenwachstum in dieser Zeit pausieren. Hobbygärtner können sich entspannt zurücklehnen. Neumond ist jedoch auch ein guter Zeitpunkt, um kranke, von Schädlingen befallene Pflanzen zu pflegen und beschädigte Pflanzenteile abzuschneiden.

Säen und pflanzen bei zunehmenden Mond

Der zunehmende Mond soll das oberirdische Pflanzenwachstum positiv fördern. Ideal also, um Pflanzen zu säen oder zu pflanzen, die Blüten oder Früchte tragen sollen, wie beispielsweise Obst, Gemüse und Blattgemüse. Der Zeitpunkt ist ebenso günstig, um Rasen zu säen.

Düngen bei Vollmond

Zeigt sich der Mond in seiner ganzen Pracht, ist sein Einfluss für Mondgärtner am größten. Er sendet nun starke Impulse, wodurch Gewächse aufnahmefähiger für Nährstoffe sein sollen. Bei Vollmond darf demnach gern gedüngt werden. Dagegen sollte man die Garten- und Astscheren ruhen lassen, denn bei Vollmond gilt: Sträucher und Bäume keineswegs verschneiden!

Säen, schneiden und mähen bei abnehmenden Mond

Den Mondregeln nach fließt die Energie bei abnehmendem Mond ins Erdreich. Daher ist diese Mondphase ideal, um Wurzelgemüse, Zwiebel-, aber auch Knollenpflanzen zu säen oder zu setzen. Jetzt dürfen auch gern Bäume und Sträucher verschnitten werden. Auch Rasen mähen ist bei abnehmendem Mond sinnvoll, da er anschließend langsamer wieder nachwachsen soll. Düngen und gießen können Hobbygärtner in dieser Mondphase auch, da Nährstoffe sehr gut aufgenommen werden sollen.

Ernten bei aufsteigenden Mond

Steigt der Mond auf, werden ihm, ähnlich wie beim zunehmendem Mond, starke Kräfte nachgesagt. Nun können Hobbygärtner Rasen mähen und Pflanzen verschneiden, da sie viel Energie bekommen, um kräftig nachzuwachsen. Mondgärtner schwören auch darauf, in dieser Phase oberirdische Gewächse zu ernten. Werden Obst, Blumen oder Gemüse und vor allem Salate in dieser Mondphase geerntet, sollen sie länger frisch und knackig bleiben.

Aussäen und pflanzen bei absteigenden Mond

Der absteigende Mond ähnelt in seinen Kräften dem abnehmenden Mond. Die Säfte der Pflanzen wandern in die Wurzeln. Steigt der Mond ab, können Pflanzen ausgesät und gepflanzt werden. Die Mondphase eignet sich auch zum Schneiden von Hecken, Bäumen und Sträuchern, zum Rasenmähen, dem Vermehren von Stecklingen und Ernten von Wurzelgemüse. Mondgärtner sind übrigens auch davon überzeugt, dass bei absteigenden Mond Unkraut langsamer wächst.

Auch interessant: Mondwinde – eine Gartenpflanze, die nur nachts ihre Blüten öffnet

Mondgärtnern: Was sagt die Forschung?

Dass sich der Mond auf die Gezeiten, also Ebbe und Flut auswirkt, ist wissenschaftlich belegt und unbestritten. Für seine Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum gibt es allerdings bisher keine belegten wissenschaftlichen Beweise. Vielmehr stützen sich die Theorien des Mondgärtnerns auf vielfältige Beobachtungen und überlieferte Erfahrungen.

Einer, der sich sehr ausgiebig mit dieser Thematik beschäftigte und dazu sogar habilitierte, ist der Agrarwissenschaftler Hartmut Spieß. Über mehrere Jahre forschte er am Institut für Biologisch-Dynamische Forschung in Bad Vilbel, wie sich der Mondeinfluss auf verschiedene Kulturpflanzen auswirkt. Hierzu untersuchte er Gelbsenf, Buschbohnen, Roggen, Kartoffeln, Möhren und Radieschen. Sein Fazit: Grundsätzlich könne man dem Mond eine große Bedeutung für das Leben auf der Erde zuschreiben. Auch konnte er nachweisen, dass alle Kulturen durchaus auf die verschiedenen Mondphasen reagierten. Dabei ließen sich auch Unterschiede hinsichtlich Mondphase und Kultur feststellen. Während Möhren, wenn sie beispielsweise vor Vollmond gesät wurden, einen maximalen Ertrag erbrachten, verzeichnete der Wissenschaftler bei zu diesem Zeitpunkt gesetzten Kartoffeln die geringsten Ernten. Allerdings fand der Forscher keinerlei Hinweise, inwiefern sich die Trigonstellung des Mondes auf das Pflanzenwachstum auswirkte. Auch wichen seine Forschungsergebnisse von den Empfehlungen der Aussaatkalender ab. Mit diesen fand er nämlich nur wenig Übereinstimmungen.

Zweifellos konnte Hartmut Spieß jedoch belegen, dass Pflanzen stark auf Faktoren wie Lichtintensität, Wärme, Feuchte, Tageslänge, Fruchtbarkeitszustand des Bodens sowie Nährstoff- und Wasserversorgung reagieren. Seine Empfehlung: Nicht stur nach dem Mondkalender gärtnern, sondern lieber „das kosmisch-rhythmische Geschehen mit den irdischen Erscheinungen von Klima, Witterung, Bodenzustand und Pflanzenart wie Pflanzensorte in Einklang bringen.“