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Alltagsfrage

Was „Game of Thrones“-Star Kit Harington mit der Erfindung des Klodeckels zu tun hat

Toilette mit offenem Deckel in der Natur
Nur fernab der Zivilisation darf der Deckel offenbleiben. Ansonsten wird der Klodeckel gefälligst geschlossenFoto: Getty Images

Die Geschichte der modernen Toilette ist gar nicht so alt, wie viele denken. Auch wenn wir sie tagtäglich verwenden – haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, warum sie einen Deckel hat? Tatsächlich sprechen einige Gründe dafür – auch wenn sie teils nicht ganz logisch sind.

Es sind die kleinen Handgriffe des Alltags, über die wir uns nur selten Gedanken machen, weil sie uns allzu natürlich erscheinen. Das Öffnen und auch Schließen des Klodeckels gehört dazu. Allerdings führt eben dieses Thema auch zu hitzigen Diskussionen, etwa in der eigenen Familie oder auch im Netz. Dort gibt es energische Befürworter des Schließens, wohingegen andere keinen Sinn darin sehen. Hier spielt neben der Ästhetik und Hygiene auch die Gewohnheit eine wichtige Rolle. Um zu verstehen, warum wir üblicherweise den Klodeckel schließen, muss man sich zunächst mit der Geschichte des WCs beschäftigen.

Die Toilette – ein kulturhistorischer Überblick

Die Geschichte der Toilette ist eng mit der Entwicklung der Zivilisation verbunden. Vom steinzeitlichen Erdloch bis zu seiner Weiterentwicklung – dem „Donnerbalken“ – vergingen Jahrtausende. In der Antike verrichteten Griechen und Römer ihre Notdurft in teils öffentlichen Latrinen, die bereits Ähnlichkeit mit unseren heutigen Toilettensitzen aufweisen. Die Latrinen waren offen zugänglich, die alten Römer kamen dabei auch untereinander ins Gespräch und haben „ihr Geschäft verrichtet“ – daher rührt auch die Redewendung.

Im dunklen Mittelalter nahm die bereits fortgeschrittene Toilettenkultur jedoch eine traurige Wendung – es gab sie schlichtweg nicht mehr. Stattdessen suchte man etwa ein Gebüsch in der Nähe auf, in der Renaissance verwendete man Nachttöpfe, der Inhalt landete auf der Straße. Die Folge: Seuchen und Rattenplagen breiteten sich aufgrund der hygienischen Situation rapide aus, vor allem in den Städten.

Das WC, wie wir es heute kennen, geht auf einen englischen Dichter namens John Harington zurück – ein Vorfahre des Schauspielers Kit Harington. Für die Königin Elisabeth I. hat er 1596 eine rudimentäre Toilette erfunden, allerdings wurde er dafür von seinen Landsleuten belächelt. Obwohl er eine detaillierte Anleitung anfertigte, interessierte sich niemand für seine Erfindung. Erst 1775, also 200 Jahre später, griff der Schotte Alexander Cumming den Bauplan auf, verfeinerte das Konzept und bekam das Patent. Er erfand auch gleich noch den Siphon als Geruchsverschluss, den wir auch heute noch verwenden.

Bis die Toilette jedoch auch Einzug in die Häuser und Wohnungen hielt, dauerte es noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde auch erstmals Ab- und Trinkwasser voneinander getrennt, Kanalisationen und Wasseranschlüsse in den Städten eingeführt, auch in Deutschland. Allerdings verwendete man auf dem Land noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein sogenannte Plumpsklos ohne Wasseranschluss. Die meisten hatten keinen Deckel.

Warum schließen wir nun den Toilettendeckel?

In anderen Kulturkreisen, beispielsweise im Nahen Osten oder auch im benachbarten Frankreich, gibt es meist gar keinen Klodeckel. Oft genug wurde bereits ein Urlauber mit der gähnenden Leeren einer Toilette konfrontiert, die aus nicht viel mehr als aus einem Loch im Boden besteht. Deckel? Fehlanzeige!

Passend dazu: Darum fällt der Toilettengang im Urlaub oft so schwer (TRAVELBOOK)

Hierzulande sieht man keine Toilette ohne entsprechenden Deckel. Vielleicht entspricht es eher der deutschen Mentalität, Unschönes zu verbergen? Oder steckt dahinter die eher unbegründete Angst, es könnten Ratten oder gar Schlangen aus der Öffnung kriechen? Oder noch schlimmer – dass man selbst hineinfällt?

Fakt ist: Eine wirklich sinnvolle Begründung gibt es nicht, warum wir den Klodeckel schließen. Für viele muss es einfach so sein. Eigentlich gibt es nur zwei gute Gründe, den Deckel zu schließen: um sich beim Zähneputzen bequem hinzusetzen und um beim Spülen keine Keime im Badezimmer zu verteilen. Vielleicht reicht das auch schon als Begründung.

Übrigens: Am 19. November ist Toilettentag. Dieser Tag soll darauf aufmerksam machen, dass es immer noch Länder gibt, in denen es weder eine funktionierende Kanalisation, noch sanitäre Einrichtung, geschweige denn Toilettendeckel gibt. Allerdings haben Menschen in diesen Ländern auch anderen Probleme, als sich zu fragen, ob sie nun den Klodeckel offen lassen oder schließen.

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