Zum Inhalt springen
logo Das Do-it-yourself-Portal für Haus und Garten
Reinigen Alle Themen
Laut Studie

Achtung, Keimschleuder! Toilette auf keinen Fall so spülen

Vor dem Spülen sollte man unbedingt den Toilettendeckel schließen
Vor dem Spülen sollte man unbedingt den Toilettendeckel schließen Foto: Getty Images
Artikel teilen
Christian Glass
Lena Hackauf
Christian Glass,

23. September 2025, 10:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Für viele gilt das Badezimmer als der sauberste Ort im Haushalt. Schließlich handelt es sich um den Raum, in dem sich täglich frisch gemacht wird. Doch genau dort, wo die Hygiene eigentlich an oberster Stelle steht, lauern unsichtbare Gefahren: Bakterien und Keime. Ein besonders häufiger Hygienefehler, der Keime im Bad verteilt, entsteht durch falsches Spülen der Toilette.

Eigentlich ist es ein einfacher Handgriff, doch er kann entscheiden, ob man beim Spülen der Toilette Keime im Badezimmer verteilt oder nicht. Die Rede ist vom Schließen des Toilettendeckels. „Es gibt Studien, die klar zeigen, dass Mikroorganismen aus der Toilette über die Aerosole, die sich beim Spülen bilden, hinterher auf anderen Oberflächen im Bad zu finden sind“, bestätigt Mikrobiologe Prof. Dr. Dirk Bockmühl auf Nachfrage von myHOMEBOOK. Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigt, wie schnell und weit Keime aus der Toilette in die Luft geschleudert werden.

Folgen Sie jetzt myHOMEBOOK bei WhatsApp 

Studie belegt: So unhygienisch ist das Spülen mit offenem Deckel wirklich

Obwohl bekannt ist, dass Aerosole Krankheitserreger wie beispielsweise E. coli und Noroviren transportieren, wird die davon ausgehende Gefahr dennoch unterschätzt. Und zwar nicht nur beim Husten in die eigene Hand, sondern auch beim Spülen der Toilette, bei dem man ebenfalls Aerosole – und damit Keime – im Badezimmer verteilt. Verhindern lässt sich das, indem man den Toilettendeckel schließt. Dennoch lassen viele den Deckel oben, denn so schlimm kann es doch nicht sein, oder? Falsch gedacht!

„Wenn es etwas ist, das man nicht sehen kann, kann man leicht so tun, als würde es nicht existierten“, meint John Crimaldi, Professor für Bau-, Umwelt- und Architekturingenieurwesen an der University of Coloado Boulder. Ebendarum hat Crimaldi und sein Forscherteam in einer Studie die Aerosole, die beim Spülgang einer Toilette in die Luft geschleudert werden, mittels eines Laserlichts sichtbar gemacht.

Mithilfe eines Laserlichtes kann man gut sehen, wie weit Aerosole aus der Toilette geschleudert werden
Mithilfe eines Laserlichtes kann man gut sehen, wie weit Aerosole aus der Toilette geschleudert werden Foto: John P. Crimaldi et al/Scientific Reports/Springer Nature/CC BY 4.0 DEED

Die Ergebnisse zeigen eindrucksstark, wie schnell und weit die Partikel aus der Toilette spritzen. Beim Spülen erreichen die Tröpfchen eine Geschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde und innerhalb von acht Sekunden eine Höhe von anderthalb Metern über der Toilette. Aber das ist noch nicht alles. Wie die Studie beschreibt, setzen sich die größeren Tröpfchen innerhalb kürzester Zeit auf den Oberflächen im Badezimmer ab. Anders ist es mit den Aerosolen, also den kleineren Partikeln. Diese schweben auch noch mehrere Minuten nach dem Spülgang in der Luft.

Youtube Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Krankheitserreger auch auf Zahnbürsten?

Die Aerosole, also die winzigen Tröpfchen, sinken mit der Zeit auf Oberflächen und Gegenstände. Im Bad kann das übrigens ganz schnell die Zahnbürste sein. Mikrobiologe Bockmühl warnt: „Im Prinzip finden sich natürlich überall Keime, besonders dort, wo es feucht ist. Neben Abflüssen ist das zum Beispiel auch auf Zahnbürsten der Fall. Da von dort eine direkte Aufnahme von Krankheitserregern möglich ist, ist es besonders wichtig, die Zahnbürste möglichst schnell und gründlich trocknen zu lassen und regelmäßig zu wechseln, besonders nach Infektionsereignissen.“

Auch interessant: Kann eine Toilette eigentlich abbrechen?

Wie kann man das Verteilen der Keime beim Spülen der Toilette verhindern?

Damit sich beim Spülen der Toilette keine Keime verteilen können, ganz klar: Den Toiletten-Deckel schließen, bevor man spült. Das raten auch chinesische Virologen in einer Hygiene-Studie. Auch Dirk Bockmühl erklärt im Gespräch mit myHOMEBOOK, dass das die beste Lösung sei, um eine Verbreitung von Keimen aus der Toilette zu verhindern. Er wendet jedoch ein: „Auch wenn das natürlich nicht die Verteilung komplett unterbindet, gelangen gerade bei Infektionen in der Familie deutlich weniger Krankheitserreger an andere Stellen im Bad.“

tracdelight GmbH Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Auch interessant: Die Spülmaschine stinkt – was tun?

Mehr zum Thema

Experten-Tipp: Frische Luft im Bad

Nicht nur das Verteilen von Keimen beim Spülen der Toilette ist ein Problem. Bakterien und Viren haben in einer warmen Umgebung leichtes Spiel. Nach dem Duschen ist das Badezimmer in der Regel feucht. In einem feuchten Bad ist jedoch Schimmel ein Problem. Deswegen sollten auch die Fliesen nach dem Duschen gut trocken gewischt werden, wie Bockmühl erklärt.

Wie kann man die Krankheitserreger im Bad sonst noch loswerden? Durch Frischluft. Bockmühl sagt: „Worauf man auf jeden Fall achten sollte, ist eine ausreichende Belüftung. Das sorgt für einen Luftaustausch und bringt vor allem die Feuchtigkeit aus dem Bad, die Keimwachstum, aber auch die Überlebensdauer von Mikroorganismen entscheidend beeinflusst.“

Ist Desinfizieren von Oberflächen im Bad sinnvoll?

Oberflächen im Bad desinfizieren – das kann man machen, muss man aber nicht unbedingt. Die Krankheitserreger unter den Keimen gelangen nach dem Spülen nur geringfügig aus der Toilette, erklärt Bockmühl. Und gibt Entwarnung: 99 Prozent der Keime werden seiner Meinung nach durch herkömmliche WC-Reiniger gekillt: „Da droht keine Gefahr.“

Mikrobiologe Bockmühl ergänzt: „Eine Ausnahme besteht vielleicht bei einer akuten Magen-Darm-Infektion in der Familie. Hier kann unter Umständen eine zusätzliche Desinfektion helfen, das Ansteckungsrisiko für die anderen Familienmitglieder zu reduzieren.“

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.