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Tomaten, Rosen, Kräuter

Die richtige Blumenerde für jede Pflanze

Blumenerde Pflanzen
Erde ist nicht gleich Erde. Kräuter haben andere Ansprüche an den Untergrund als beispielsweise Tomaten.Foto: Getty Images

Vor dem Regal mit der Blumenerde breitet sich oft Ratlosigkeit unter den einkaufenden Hobbygärtnern aus. Brauche ich wirklich eine spezielle Erde für den Rhododendron? Reicht die günstige Universalerde für die Tomatenpflanzen? Und warum ist torfhaltige Erde eigentlich nicht gut für die Umwelt?

Ob Gemüsepflanzen im Beet, Blumen im Kübel oder Grünpflanzen auf der Fensterbank – damit sie gut gedeihen, müssen sich die Wurzeln im richtigen Substrat entfalten können. Als Substrat bezeichnet man den Nährboden, den eine Pflanze als Untergrund benötigt. Dies kann sowohl der gewachsene Boden im Garten sein als auch industriell hergestellte Pflanz- oder Blumenerde. Die Grundeigenschaften eines Substrats zeichnen sich einerseits durch eine gute Fähigkeit zur Wasserspeicherung aus, andererseits auch durch die Möglichkeit dieses wieder abzuleiten. Zudem sollte das Substrat ein gewisses Maß an Mineral- und Nährstoffen besitzen.

Fun Fact: Früher benutzte man gerne Maulwurfshügel als Substrat für Topfpflanzen, da die aufgewühlte Erde eine besonders lockere Struktur hat.

Woraus besteht Blumenerde?

Die herkömmliche Blumenerde besteht hauptsächlich aus Torf. Dieser speichert Wasser und bietet den Wurzeln Struktur. Der zweite wichtige Bestandteil ist Ton. Zum einen ist er ein Nährstoffpuffer, das heißt er nimmt Nährstoffe auf und gibt diese auch bei Bedarf wieder an die Pflanze ab, zum anderen erleichtert er die Wiederbefeuchtung einer ausgetrockneten Blumenerde. Gute Blumenerden bestehen zu etwa 20 bis 30 Prozent aus Ton. Des Weiteren werden noch Zuschlagsstoffe zugesetzt: Kalk zur pH-Regulation, Nährstoffe, Kokos- oder Holzfasern um die Struktur zu lockern.

Warum ist die richtige Wahl so wichtig?

Pflanzen haben nicht nur unterschiedliche Bedürfnisse an Temperatur- und Lichtverhältnisse, sondern auch an die Bodenqualität. Deswegen ist es ratsam, von Anfang an für eine gute Basis zu sorgen. Die erste Entscheidung betrifft die Wahl zwischen Blumen- oder Pflanzerde. Zwar werden diese Begriffe meist synonym verwendet, es gibt jedoch markante Unterschiede. Pflanzerde ist oftmals preiswerter als Blumenerde und eignet sich gut für die Gartengestaltung. Sie enthält keine oder nur wenig Nährstoffe. Pflanzerde lässt sich gut als Gartenerde verwenden, um etwa Bäume oder Sträucher anzupflanzen. Für Blumen eignet sie sich aufgrund ihrer Zusammensetzung nur bedingt.

Generell kann man auch Pflanzerde für Topfpflanzen verwenden, sollte dann aber entsprechenden Dünger und Quarzsand für eine feinere Struktur hinzufügen. Umgekehrt funktioniert natürlich auch Blumenerde für die Beete im Garten. Da diese jedoch erheblich teurer ist, lohnt sich das kaum.

Universalerde als Basis

Mit der sogenannten Universalerde kann man nicht viel falsch machen. Sie funktioniert für alle Pflanzen außer Orchideen, Kakteen, Sukkulenten und Moorbeetpflanzen. Dennoch haben sich auf dem Markt verschiedene Spezialerden etabliert, welche passgenau auf die entsprechenden Pflanzen zugeschnitten sind.

Tomaten- und Gemüseerde

Im Gemüsegarten wird ein hoher Düngeranteil benötigt. Tomaten, Kürbispflanzen, viele Kohlsorten und Kartoffeln verbrauchen mehr Nährstoffe als andere Gemüsesorten. Besonders gut tut ihnen Guano – ein Naturdünger, der aus den Ausscheidungen von Seevögeln besteht. Er enthält viele Bakterien, Eiweiße, Spurenelemente und Mineralstoffe. Für gesunde und starke Triebe und Früchte benötigt die Pflanze außerdem Stickstoff. Phosphor wiederum ist wichtig, um den Energietransport in die Zellen der Pflanze zu gewährleisten.

Kräuter- und Anzuchterde

Kräuter und Jungpflanzen benötigen nährstoffarme, sandige Böden. Wenn die Jungpflanzen nur wenig Nährstoffe vorfinden, machen sie sich im Erdreich danach auf die Suche, was bedeutet, dass sie starke Wurzeln ausbilden anstatt zu schnell in die Höhe zu schießen. Durch den Sand ist die Erde schön locker und die Wurzeln kommen leichter hindurch. Auch Kräuter – besonders mediterrane – bevorzugen sandige, nähstoffarme Böden. So gedeihen sie am besten und werden aromatisch.

Rosenerde

Rosen sind besonders anspruchsvoll. Sie benötigen Erde, die ihnen sowohl genügend Halt gibt, als auch luftig ist, damit die Wurzeln atmen können. Dies ermöglichen zum Beispiel Holzfasern in der Erde. Zusätzlich wird so ein natürlicher Drainage-Effekt erzielt, der Staunässe entgegenwirkt. Rosen benötigen neben Substratdünger und Guano die Nährstoffe Stickstoff, Phosphat und Kalium. Besonders Phosphat ist wichtig, denn es sorgt für starke Wurzeln und prachtvolle Blüten.

Hortensie Umtopfen Erde
Die blühfreudigen Hortensien brauchen eine andere Blumenerde als der zarte SauerampferFoto: Getty Images

Rhododendron- und Moorbeeterde

Diese Blumenerde hat einen niedrigen, sauren pH-Wert. Nur dann können die Nährstoffe über die Wurzeln optimal aufgenommen werden. Außerdem ist bei Hortensien – und auch anderen Moorbeetpflanzen, wie Heidelbeeren, Preiselbeeren oder Heidepflanzen – eine kalkarme Erde wichtig, da Pflanzen und Wurzeln Kalk gegenüber sehr empfindlich sind.

Graberde

Graberde wird in einer dünnen Schicht auf das Grab aufgetragen und ist auf ihr Einsatzgebiet optimiert. Sie hat eine sehr dunkle Färbung (oftmals durch zugesetzten Ruß), um sich ästhetisch in das Gesamtbild des Friedhofs einzufügen. Graberde ist feinkrümeliger, dichter und schwerer als herkömmliche Erde und hat so zwei positive Effekte: Feuchtigkeit hält sich länger in den darunter liegenden Erdschichten und das Wachstum von Unkräutern wird eingeschränkt.

Auch interessant: Nicht wegwerfen! Warum Küchenabfälle ideale Pflanzendünger sind

Orchideenerde

Orchideenerde ist gar keine Erde im eigentlichen Sinn. Sie besteht aus vielen kleinen Rindenstücken, oftmals noch versetzt mit Kokosfasern, Tonkügelchen und Dünger. Dieses Substrat simuliert die natürlichen Bedingungen, in denen Orchideen in der Natur wachsen. Als Aufsitzerpflanzen klammern sie sich mit ihren Wurzeln ins Geäst von Regenwaldbäumen.

Kakteen- und Sukkulentenerde

Kakteen gehören zu den Sukkulenten. Das heißt, sie sind an Standorte angepasst, in denen es saisonal kein Wasser gibt. Die Trockenperioden überwinden Kakteen ohne Probleme, indem sie Wasser und Nährstoffe in ihren verdickten Stämmen oder Laubblättern speichern. Auch ihre Wurzeln sind an die heimischen, eher kargen Böden angepasst und breiten sich flächig kurz unter der Erdoberfläche aus. Als Nährstoffquelle sollte Humus enthalten sein. Lehm oder Ton sorgen für einen leicht sauren pH-Wert, mit dem die meisten Kakteenarten glücklich sind. Sand lockert die Struktur der Erde auf und gewährleistet einen guten Wasserabfluss.

Sollte man auf Torf in Blumenerde verzichten?

Torfmoore sind wertvolle Lebensräume, die vielen seltenen Pflanzen und Tieren eine Heimstatt bieten. Zudem speichern diese durch die Zersiedelung der Landschaften und die intensive Landwirtschaft ohnehin selten gewordenen Ökosysteme klimaschädigendes Kohlendioxid. Werden die Moore nun zum Zwecke des Torfabbaus trockengelegt, zerstört man nicht nur ein unschätzbares Ökosystem, sondern setzt zugleich Unmengen an fossilem CO2 frei. Der BUND hat einen Einkaufs-Ratgeber für torffreie Blumenerde erstellt.

Welche Alternativen zu Torf gibt es?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Torf in Blumenerde entweder ganz oder teilweise zu ersetzen. Seit einigen Jahren ist Pflanzsubstrat auf der Basis von Kokosfasern populär. Diese erhält man als ultraleichtes Päckchen im Bau- oder Pflanzenmarkt. Zu Hause fügt man lediglich Wasser hinzu. Nach dem Aufquellen kann das Substrat verwendet werden. Der schnell nachwachsende Rohstoff Kokosnuss ist zwar äußerst anwenderfreundlich, allerdings aus ökologischen Gründen auch nicht unbedenklich.

Im Vergleich zu Kokosfasern verursacht das als Nebenprodukt der Holzkohleherstellung gewonnene Xylit keinerlei zusätzliche Umweltbelastungen. Erst vor kurzem wurde das Material für die Verwendung in Blumenerden entdeckt und zeigt äußerst positive Eigenschaften hinsichtlich dem Wuchs- und Blühverhalten von Kübelpflanzen. Xyliterde ist durch eine hohe Luftdurchlässigkeit gekennzeichnet und enthält ähnlich viel Huminsäure wie Torferde. Diese hält den pH-Wert des Blumensubstrats auf einem gleichmäßig gesunden Level.

Kann man Blumenerde selbst herstellen?

Wer über genügend eigenen Reifkompost verfügt, kann die Erde für Balkonkästen und Töpfe selbst herstellen. Mischen Sie den Kompost mit etwa zwei Dritteln gesiebter Gartenerde. Etwas Rindenhumus (circa 20 Prozent Gesamtanteil) sorgt für Struktur und Gießfestigkeit. Fügen Sie dem Grundsubstrat anschließend einen Dünger zu, der auf die entsprechenden Pflanzen zugeschnitten ist. Durch entsprechende Beimischungen von Sand, Urgestein und Kalk können Sie sich teure Spezialerde sparen.

Achtung: Für den Gebrauch in Innenräumen muss die selbstproduzierte Blumenerde allerdings vorher entkeimt werden. Dazu für 30 Minuten bei 100 Grad im Backofen erhitzen. Alternativ auch in der Mikrowelle.

Wie oft sollte Blumenerde erneuert werden?

Zimmerpfanzen sollten in regelmäßigen Abständen, am besten im Frühjahr oder im Herbst, umgetopft werden und dabei neue Erde bekommen. Wann ein Umtopfen der Pflanze sinnvoll ist, hängt sowohl von ihrem Wachstum ab als auch von der veränderten Qualität. Topferde kann bei zu hoher Feuchtigkeit schimmeln oder Schädlinge anziehen. Alte Blumenerde sollte komplett von den Wurzeln abgeschüttelt werden.

Blumenerde Umtopfen
Beim Umtopfen sollte man möglichst viel der alten Blumenerde vom Wurzelballen entfernenFoto: Getty Images

Wird Blumenerde bei falscher Lagerung schlecht?

War der Sack mit der Erde noch verschlossen und wurde kühl und trocken gelagert, dann kann man die Blumenerde auch noch ein bis mehrere Jahre später verwenden. Wenn der Sack schon einmal geöffnet war, dann kommt es ganz auf die Lagerung an. Prinzipiell kann die Erde bei Durchnässen schimmeln und der Nährstoffgehalt kann sich stark verändern. Zudem kann die Blumenerde von Unkrautsamen und Schädlingen verunreinigt werden. Will man die alte Erde lieber entsorgen, dann darf die Erde auf den Kompost oder in den Biomüll.