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Gardening

Kann man aus jedem Baum einen Bonsai machen?

Kann man aus jedem Baum einen Bonsai machen?
Auch ein Kirschbaum kann zu einem Bonsai gezogen werdenFoto: Getty Images

Bäume zu Bonsais zu ziehen, ist eine asiatische Kunst, die seit vielen Jahrhunderten existiert. Man kann die Miniaturbäume bereits fertig kaufen oder aber selbst züchten. Wie man dabei vorgeht, welche Baumarten sich dafür eignen und was man dafür braucht.

Bevor Hobbygärtner einen Bonsai selbst ziehen, stellt sich die Frage, ob er für den Indoor- oder Outdoor-Bereich gedacht ist. Danach kann man, je nach Belieben und gärtnerischem Geschick, entscheiden, ob man den Baum selbst ziehen oder einen sogenannten Pre-Bonsai kaufen möchte. Wie man dabei genau vorgeht, hat Bonsai-Spezialist Manfred Roth auf Nachfrage von myHOMEBOOK erklärt.

Welche Baumart eignet sich?

„Grundsätzlich kann man aus allen Baumarten, die verholzen, einen Bonsai ziehen. Es gibt die Möglichkeiten, diesen aus Samen, aus Stecklingen oder Yamadori (ausgegrabene, geeignete Pflanzen aus der Natur, die durch Wildverbiss klein gehalten werden) zu ziehen“, erklärt Roth. Hierbei sollte man allerdings Pflanzenarten wählen, die in hiesigem Klima heimisch sind, da diese einfacher anwachsen und gedeihen.

Es gibt auch sogenannte Pre-Bonsais im Handel. Sie haben den Vorteil, dass der Baum schon so weit gewachsen ist, dass er sich direkt bearbeiten lässt.

Einen Bonsai selbst ziehen

Beim Ziehen eines Bonsais dienen die Bäume in der freien Natur als Vorbilder, so Roth weiter. Wenn man eine Baumart ausgewählt hat, sollte man dessen natürliche Form kennen. Wichtiger ist jedoch das botanische Wissen, sprich: Welche Bodenbeschaffenheit, welchen Standort, welche Pflege braucht sie?

„Misho“-Technik – Bonsai aus Samen ziehen

Bei der „Misho“-Technik züchtet man seinen Bonsai aus Samen. Diese Variante eignet sich für diejenigen, die sich Zeit lassen können und wollen, denn es dauert etwa drei bis fünf Jahre, bis man den herangewachsenen Baum dann schließlich gestalten kann.

„Sashiki“-Technik – Bonsai aus Stecklingen ziehen

Alternativ kann man seinen Bonsai auch aus Stecklingen ziehen mithilfe der „Sashiki“-Technik. Hier dauert es nur etwa drei bis vier Jahre, bis man den Baum gestalten kann.

„Ist der Baum dann gut im Topf verankert, beginnt man mit den Techniken der Gestaltung. Dies geschieht mittels Draht, mit dem man die Äste in die gewünschte Form biegt“, führt der Experte aus.

Auch interessant: Der ultimative Pflege-Guide für Ihren Bonsai

Die Gestaltungstechniken

Wer in die Bonsai-Kunst einsteigt, benötigt zuerst ein Grundverständnis für die Natur, beschreibt Roth. Außerdem braucht man die Geduld, der Natur die Zeit zu geben. „Die goldene Regel trifft auf alle Baumarten zu. Ein gesunder Baum braucht Sonne, Luft, Licht und Wasser. Da das Wurzelvolumen in der Schale reduziert ist, benötigt der Bonsai auch die regelmäßige Pflege durch den Menschen. Das heißt: Auch in den Sommermonaten täglich gießen“, so der Tipp des Spezialisten.

Bonsai drahten

Das Drahten ist unerlässlich, wenn man selbst einen Bonsai züchten möchte. Dafür braucht es Alu-Draht in verschiedenen Stärken, als Werkzeug sollten eine Drahtschere sowie eine Jin Zange zum biegen des Drahtes vorhanden sein. Ein kleiner Tipp: Die Drahtstärke sollte etwa einem Drittel der Astdicke entsprechen. Einen passenden Zeitpunkt braucht oder gibt es nicht, das Drahten ist über das ganze Jahr hinweg möglich.

Gedrahtet werden Äste mit ähnlicher Dicke, die nah beieinander wachsen, um sie anschließend biegen und formen zu können. Dabei beginnt man am Stamm und arbeitet sich dann über die Hauptäste nach oben in die Zweige. Anschließend gehört der Bonsai in den Schatten, wo er weiter gedüngt und beim Wachsen beobachtet werden sollte. Dann gilt es, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um die Drähte wieder zu entfernen, weil sie ansonsten in die Äste einschneiden und Narben hinterlassen würden.

Bonsai schneiden

Beim Ziehen von Bonsai ist das Schneiden essenziell, um ihn klein zu halten und in seine Form zu bringen. Der optimale Zeitpunkt hierfür ist im Frühjahr oder Sommer, allerdings kann das je nach Baumart auch variieren. Als Werkzeug ist eine hochwertige Konkavzange empfehlenswert. Und dann geht es nur noch an die richtige Schnitttechnik. Wachsen zwei Äste auf der gleichen Höhe des Stammes, sollte man einen entfernen. Genauso verhält es sich mit Ästen, die sich unnatürlich biegen und mit besonders dicken, die im Bereich der Baumspitze wachsen.

Totholz selbst gestalten

Bonsais sind für ihre Totholz-Optik bekannt und beliebt. Gemeint ist damit das von der Sonne gebleichte, abgestorbene Holz, das sich beim Ziehen von immergrünen Bonsai-Bäumen selbst gestalten lässt. „Auch beim Totholz sollte man das Vorbild in der Natur erkunden. Mithilfe von Oberfräsen und Bürsten kann man Totholzpartien anlegen, die dem Baum den Eindruck eines alten Baumes geben. Hierbei sind aber umfangreiche Kenntnisse notwendig. Unkontrolliertes abnehmen der Rinde und Beschädigung der Saftbahn kann zum absterben von ganzen Astpartien führen“, warnt Roth im Gespräch mit myHOMEBOOK.

Zum Gestalten von Totholz eignen sich die Wintermonate, denn zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Baum in seiner Ruhephase. Hobbygärtner können dann zwischen zwei Methoden wählen, „Jin“ und „Shari“. Für die Arbeiten braucht man eine Jinzange, ein scharfes Messer oder auch etwas Schnittwerkzeug.

Die „Jin“-Technik

Bei der „Jin“-Technik wird die Rinde mithilfe der Jinzange entfernt. Anschließend kann man mit beispielsweise etwas Sandpapier die scharfen Kanten bearbeiten. Das Jinmittel bleicht die freigelegten Äste im Anschluss und sorgt für die typische Totholz-Optik.

Die „Shari“-Technik

Die „Shari“-Technik ist im Vergleich etwas aufwendiger. Auch hier geht es darum, die Rinde mit einem scharfen Messer abzuschälen und danach mit der Jinzange abzuziehen. Wichtig dabei ist, keine wichtigen Saftbahnen zu durchtrennen. Sobald der Bonsai die gewünschte Form erreicht hat, kann man den Stamm mit der Konkavzange oder einem anderen Schnitzwerkzeug aushöhlen und mit Jinmittel einreiben.

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„Nach dem Ausführen von Jin- und Shari-Arbeiten sollte das Holz vier Wochen trocknen, bevor es dann mit einer Säure (Jinmittel) gestrichen wird“, führt Roth weiter aus. Das Mittel bleicht das Holz aus und gibt ihm eine natürliche Altersstruktur. Außerdem verhindert es die Bildung von Fäulnisbakterien.

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