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Bodenpflege

Darum sollte man im Garten aufs Umgraben verzichten

Aufs Umgraben verzichten?
Wer im Garten aufs Umgraben verzichtet, hat unter Umständen mehr Vor- als Nachteile. Foto: Getty Images/mikroman6
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Marike Stucke
Autorin

2. März 2026, 11:16 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Jahrzehntelang galt das Umgraben als fester Bestandteil der Gartenarbeit. Doch moderne Erkenntnisse zeigen: Weniger Eingriff bedeutet oft mehr Ertrag. Neben den bekannten Argumenten sprechen noch weitere gute Gründe dafür, aufs Umgraben zu verzichten. myHOMEBOOK stellt sie vor.

Zehn gute Gründe gegen das Umgraben

Wer seinen Gartenboden als lebendiges Ökosystem versteht, betrachtet das Umgraben mit anderen Augen. Was lange als notwendige Pflegemaßnahme galt, erweist sich bei genauerem Hinsehen oft als unnötiger Eingriff in sensible natürliche Abläufe. Denn unter der Oberfläche arbeiten unzählige Organismen Hand in Hand, um Nährstoffe bereitzustellen, Wasser zu speichern und Pflanzen gesund zu halten. Warum es sich lohnt, diesen Prozessen mehr zu vertrauen – und den Spaten öfter stehen zu lassen –, zeigen die folgenden Punkte.

1. Das Bodenleben gerät aus dem Gleichgewicht

Ein gesunder Boden ist ein komplexes Netzwerk aus Mikroorganismen, Pilzen, Bakterien und Regenwürmern. Diese Lebewesen sind auf bestimmte Bodenschichten spezialisiert. Wird die Erde gewendet, sterben viele von ihnen ab – und mit ihnen wertvolle Nährstoffkreisläufe.

2. Mykorrhiza-Pilze werden zerstört

Besonders sensibel reagieren sogenannte Mykorrhiza-Pilze. Sie gehen mit Pflanzenwurzeln eine Symbiose ein und helfen bei der Nährstoffaufnahme – vor allem von Phosphor. Durch Umgraben werden diese feinen Pilzgeflechte zerstört. Die Folge: Pflanzen müssen sich ihr Versorgungsnetz immer wieder neu aufbauen.

3. Humus wird schneller abgebaut

Humus ist das Herzstück fruchtbarer Böden. Beim Wenden gelangt mehr Sauerstoff in tiefere Schichten, was den mikrobiellen Abbau beschleunigt. Kurzfristig werden zwar Nährstoffe freigesetzt, langfristig sinkt jedoch der Humusgehalt. Der Boden verliert an Fruchtbarkeit.

4. Bodenerosion begünstigt

Ein unbedeckter, gelockerter Boden ist anfälliger für Wind- und Wassererosion. Starke Regenfälle können die feinen Krümelstrukturen wegschwemmen. Eine schützende Mulchschicht hingegen stabilisiert die Oberfläche und reduziert Nährstoffverluste deutlich.

5. Das Wasserhaltevermögen verschlechtert sich

Intakte Böden mit hohem Humusanteil speichern Wasser wie ein Schwamm. Ist der Boden regelmäßig gestört, leidet diese Struktur. In trockenen Sommern trocknen umgegrabene Beete schneller aus – der Gießaufwand steigt.

6. Unkrautsamen werden aktiviert

Im Boden schlummern oft Samen, die jahrelang keimfähig bleiben. Durch das Wenden gelangen sie ans Licht und beginnen zu wachsen. Wer auf Umgraben verzichtet, hält diese „Samenbank“ weitgehend ruhig.

7. Nährstoffe werden ausgewaschen

Nach dem Umgraben liegen Nährstoffe freier vor und können bei starkem Regen leichter ins Grundwasser ausgewaschen werden. Das ist nicht nur schlecht für die Pflanzen, sondern auch für die Umwelt.

8. Bodenverdichtung in tieferen Schichten

Paradoxerweise kann häufiges Umgraben zu einer sogenannten „Spatensohle“ führen – einer verdichteten Schicht unterhalb der Bearbeitungstiefe. Wasser und Wurzeln kommen dann schlechter hindurch.

9. Mehr CO2-Ausstoß

Der Boden speichert große Mengen Kohlenstoff und spielt damit eine wichtige Rolle im Klimasystem. Durch Pflanzenreste und Wurzeln wird Kohlenstoff im Boden gebunden und über lange Zeiträume gehalten. Intensive Bearbeitung, etwa durch häufiges Pflügen, bringt jedoch Sauerstoff in tiefere Schichten und beschleunigt den Abbau organischer Substanz. Dabei wird gespeicherter Kohlenstoff als CO2 freigesetzt. Wer auf schonende Methoden setzt, trägt im Kleinen zum Klimaschutz bei.

10. Mehr Arbeit als nötig

Nicht zuletzt ist Umgraben körperlich anstrengend. Das „No-Dig“-Prinzip setzt stattdessen auf Mulchen und regelmäßige Kompostgaben. Regenwürmer übernehmen die Lockerung ganz natürlich. Der „No-Dig“-Ansatz geht auf den englischen Gärtner und Buchautor Charles Dowding zurück und betont die Vorteile, auf das Umgraben zu verzichten.

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Mulchen und Verzicht aufs Umgraben

Eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Schicht aus Kompost, Laub oder Rasenschnitt schützt den Boden, fördert das Bodenleben und sorgt langfristig für stabile Strukturen. Gerade in Zeiten heißer, trockener Sommer ist diese Methode deutlich nachhaltiger und effizienter.

Wann Umgraben sinnvoll sein kann

Nach Bauarbeiten oder bei extrem verdichteten Böden kann ein einmaliges tiefes Lockern helfen. Dabei sollte man jedoch auf bestimmte Geräte besser verzichten: „Motorfräse und Motorhacke sollten im Schuppen bleiben, denn diese Geräte können die Bodenlebewesen wie Regenwürmer und Asseln schreddern – dadurch fehlen diese Organismen beim Entstehen von wertvollem Humus“, empfiehlt Sandra von Rekowski vom Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. in einem früheren Interview mit myHOMEBOOK. Langfristig lohnt es sich jedoch, den Boden als lebendiges System zu verstehen – und ihm möglichst wenig „Durcheinander“ zuzumuten. Wer konsequent auf schonende Bodenbearbeitung setzt, wird mit gesunden Pflanzen, weniger Unkrautdruck und einem spürbar fruchtbareren Gartenboden belohnt.

Marike Stucke
Autorin

„Faulheit“ schützt den Boden

„Auch im Kleinen kann der Verzicht aufs Umgraben Vorteile haben. Ich grabe mein kleines Hochbeet zum Beispiel nie um. Im Herbst entferne ich Pflanzenreste von der Sommerbepflanzung und schichte halbverrotteten Kompost, sowie Laub und den letzten Rasenschnitt auf das Hochbeet. Diese Mulchschicht schützt die Erde im Hochbeet während des Winters und zersetzt sich nebenbei langsam. Bis zum Frühjahr ist daraus fruchtbarer Humus geworden, den ich je nach Bedarf noch mit etwas Pflanzenerde oder reifem Kompost ergänze. Das spart mir nicht nur viel Zeit und Arbeit, sondern erlaubt mir auch, große Mengen Gartenabfälle nachhaltig zu entsorgen.“

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