27. Juli 2025, 6:11 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Kunststoffe im Garten verwittern mit der Zeit zu Mikroplastik. Wer umweltbewusst gärtnern möchte, findet zahlreiche Alternativen, von denen sich viele sogar selbst herstellen lassen. Tipps und Tricks für plastikfreies Gärtnern.
Warum sich plastikfreies Gärtnern lohnt
Plastik hat im Garten keine unbegrenzte Lebensdauer. Sonne, Regen, Frost und mechanische Belastung führen dazu, dass viele Kunststoffe nach einiger Zeit spröde werden und zerfallen. Dabei entstehen kleine Kunststoffpartikel, sogenanntes Mikroplastik. Dieses kann sich im Boden anreichern und die Bodenstruktur beeinflussen.
Plastikteilchen werden von Kleinstlebewesen aufgenommen, was natürliche Prozesse stören kann. Studien zeigen, dass Mikroplastik das Bodenleben verändern, die Aktivität von Regenwürmern hemmen und den Wasserhaushalt des Bodens beeinträchtigen kann. Die gute Nachricht: Plastik im Garten zu reduzieren, ist allerdings problemlos möglich.
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1. Erde und Kompost – lose statt in Säcken
Beim Kauf von Erde und Kompost greifen viele zur praktischen Sackware aus dem Bau- oder Gartenmarkt. Doch oft ist es möglich, Erde auch lose in der Gärtnerei oder im Kompostwerk zu bekommen. Mitgebrachte Eimer oder Wannen reichen aus, um die gewünschte Menge nach Hause zu transportieren. Wer dennoch auf verpackte Erde angewiesen ist, kann durch den Griff zu möglichst großen Gebinden die Menge an Verpackungsmaterial reduzieren.
Ein besonders nachhaltiger Weg, zu neuer Erde zu kommen, ist der eigene Komposthaufen. Mit einem Komposter aus Holz oder Metall oder einem offenen Haufen im Garten lassen sich Küchen- und Gartenabfälle ganz einfach in nährstoffreiche Erde verwandeln.
2. Anzucht- und Pflanztöpfe selbst gemacht
Für die Anzucht junger Pflanzen braucht es keine Schalen aus Kunststoff. Es gibt heute viele umweltfreundliche Alternativen: Anzuchttöpfe aus Holzfasern, Zellulose oder Hanf sind im Handel erhältlich. Ebenso bewährt haben sich Schalen aus Naturkautschuk. Wer kreativ werden möchte, kann kleine Töpfe selbst aus Zeitungspapier herstellen, entweder mit einer Papiertopfpresse oder einfach mit der Hand gefaltet.
Auch bei Pflanztöpfen selbst ist Kunststoff nicht alternativlos. Töpfe aus Ton, Holz oder Metall sind langlebig, wiederverwendbar und setzen optisch natürliche Akzente. Wer gerne upcycelt, kann auch alte Eimer, Kannen aus Emaille oder Holzkisten zweckentfremden. Wichtig ist dabei allerdings, die Gefäße mit Abzugslöchern für überschüssiges Wasser zu versehen.
3. Schnur, Stütze und Rankhilfe – plastikfrei und kreativ
Im Garten braucht man oft Materialien zum Binden, Stützen oder Klammern. Statt auf Kunststoffprodukte zurückzugreifen, kann man Naturmaterialien wie Jute, Sisal, Kokosfaser oder Flachsgarn verwenden. Rankhilfen aus Bambus, Holz oder Metall sowie Pflanzenklammern aus Metall oder Drahtbügel sind bewährte, langlebige Alternativen zu Kunststofflösungen.
Wer selbst Hand anlegt, kann einfache Stützen für Tomaten und Co. aus zurechtgesägten Ästen oder alten Holzleisten bauen. Auch ausgediente Besenstiele eignen sich hervorragend, denn sie bringen Stabilität ins Beet und lassen sich über Jahre hinweg wiederverwenden.
4. Gießen, düngen und beschriften ohne Kunststoff
Für die Bewässerung kleinerer Beete gibt es Alternativen zur klassischen Plastikgießkanne: Metallkannen sind langlebig und können oft sogar gebraucht gekauft werden. Auch Bewässerungshilfen aus Ton haben sich bewährt – zum Beispiel Bewässerungskegel, die in den Boden gesteckt werden und Wasser langsam an die Wurzeln abgeben.
Auch sogenannte Ollas sind eine gute Option: Diese bauchigen, unglasierte Tongefäße, die im Boden vergraben und mit Wasser gefüllt werden, geben über ihre poröse Oberfläche Feuchtigkeit gleichmäßig ab und eignen sich für Hochbeete oder kleinere Gemüsebeete. Beide Varianten sind vollständig plastikfrei und lassen sich mit etwas handwerklichem Geschick sogar selbst anfertigen.
Flüssigdünger wird im Handel fast ausschließlich in Kunststoffflaschen angeboten, was zusätzlichen Verpackungsmüll verursacht. Eine umweltfreundlichere Alternative sind pelletierte Dünger, die häufig in Pappverpackungen verkauft werden. Selbermacher können auf gekaufte Dünger ganz verzichten und nährstoffreiche Brennnessel– oder Beinwelljauche selbst ansetzen.
Auch Pflanzschilder müssen nicht aus Plastik sein. Schilder aus Holz, Metall oder Schiefer sind attraktive, plastikfreie Optionen. Natürlich lassen sich Pflanzschilder auch selbst herstellen. Aus dünnen, schräg angesägten Ästen, Holzresten oder bemalten Steinen entstehen so individuelle Beschriftungen, die wetterfest, plastikfrei und echte Unikate sind.
9 Tipps, wie Sie unnötigen Plastikmüll beim Gärtnern vermeiden
Plastikfrei und nachhaltig leben und gärtnern
5. Boden ohne Plastikfolien schützen
Auch bei der Bodenabdeckung gibt es viele Möglichkeiten für plastikfreies Gärtnern. Statt der weit verbreiteten schwarzen Unkrautvliese oder Mulchfolien aus Kunststoff bieten sich Materialien an, die sich mit der Zeit biologisch abbauen und dem Boden sogar noch etwas Gutes tun. Unkrautschutzmatten aus Schafwolle oder Hanf halten Beikräuter in Schach und zersetzen sich mit der Zeit zu nährstoffreichem Humus. Auch Abdeckgaze aus Baumwolle oder Mulchfolien aus Papier schützen plastikfrei.
Wichtig: Nicht jedes angeblich „kompostierbare“ Produkt baut sich im Hausgarten tatsächlich vollständig ab. Einige Materialien benötigen industrielle Kompostbedingungen oder sehr viel Zeit. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu Naturmaterialien wie Schafwolle, Hanf oder Zellulose, die sich auch unter normalen Gartenbedingungen zersetzen.
6. Tiere im Garten plastikfrei unterstützen
Ein Garten ist nicht nur ein Ort der Erholung für Menschen, sondern kann auch ein wertvoller Lebensraum für viele Tiere sein. Vögel, Insekten, Igel oder Amphibien finden Nahrung, Wasser und Unterschlupf – vorausgesetzt, der Garten ist naturnah gestaltet. Auch was die Unterstützung von Tieren im Garten betrifft, lässt sich Plastik problemlos vermeiden.
Meisenknödelhalter aus Metall oder selbst gebundene Körbe aus Weidenzweigen sind eine sichere und langlebige Alternative zu den üblichen Kunststoffnetzen, in denen sich Vögel und andere Tiere leicht verfangen können. Und Wasserstellen aus Naturstein, Keramik oder Metall fügen sich nicht nur harmonisch ins Gartenbild ein, sondern halten viele Jahre und bieten Wildtieren wertvolle Trink- und Badestellen.
Extra-Tipp: Töpfe weitergeben statt wegwerfen
„Wer Pflanzen in Plastiktöpfen kauft, kann in der Gärtnerei nachfragen, ob dort eine Rücknahme oder Wiederverwendung der Pflanztöpfe möglich ist. Viele Betriebe sammeln gebrauchte Töpfe, reinigen sie und nutzen sie erneut. Das spart Ressourcen und vermeidet Müll.“