9. September 2025, 15:13 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Die Natur hat schon so manches Mal skurrile Kreaturen und auch Pflanzen hervorgebracht. Bei dem Tintenfischpilz scheint sie sich nicht ganz einig gewesen zu sein, ob es ein Pilz oder ein Tintenfisch werden soll. Er entspringt aus einem Ei und entwickelt stinkende Tentakeln. Mit seiner grell-roten Farbe ist er im Wald und auch im Garten nicht zu übersehen. myHOMEBOOK hat bei Diplom-Geologe Gerhard Schuster von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie nachgefragt, was es mit diesem imposant aussehenden Pilz auf sich hat.
Der Tintenfischpilz ist in Deutschland nicht heimisch
„Der Tintenfischpilz, (Clathrus archeri) ist eine aus Australien, Neuseeland und Malaysia nach Europa eingeschleppte Pilzart“, erklärt Schuster. Anfang des 20. Jahrhunderts tauchten die ersten Exemplare in den Vogesen auf, erläutert er weiter. Laut des Naturschutzbundes sei der Tintenfischpilz vermutlich durch Schafwolle nach Deutschland gelangt.
So erkennt man einen Tintenfischpilz
Ein Erkennen des Tintenfischpilzes ist nicht schwer, zumindest, wenn er aus seinem Ei geschlüpft ist. Dieses sogenannte Hexenei platzt auf und gibt die Tentakel frei, erklärt der Experte. „Er erinnert stark an einen Oktopus mit seinen Krakenarmen, ist lebhaft rot gefärbt und mit Flecken oliv-schwarzer Sporenflüssigkeit bedeckt.“
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Auch am Geruch ist der Pilz schon aus der Entfernung zu erkennen. Er verströmt einen fauligen Geruch, und das aus gutem Grund. „Er lockt mit seinem Aasgeruch Insekten an, damit diese die klebrige Sporenflüssigkeit verbreiten.“
Kann man den Tintenfischpilz essen?
Grundsätzlich könnte man ihn sicherlich essen, erklärt der Experte, da der Pilz ungiftig ist. Vermutlich werden, wie bei der Stinkmorchel, die Hexeneier von ganz hartgesottenen Pilzliebhabern gegessen. Davon habe er aber noch nichts mitbekommen. Auch in seinem Buch „Pilzliebe“, das hilfreiche Tipps zur Verarbeitung und Verwendung von Pilzen gibt, ist der Tintenfischpilz nicht aufgeführt.
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Er kommt auch in deutschen Gärten vor
Im Laufe der Jahre hat sich der Tintenfischpilz in Deutschland ausgebreitet, schreibt die Bayerische Staatsforstverwaltung: „Die Fundmeldungen seit dem Ersten Weltkrieg zeigen eine Ausbreitung von den Vogesen über den Schwarzwald bis an den Bayerischen Wald und die Ostsee.“
Was der Pilz für den Garten bedeutet
Findet man einen dieser Pilze im Garten, kann man sich an dessen skurrilen Anblick erfreuen. Er ist nicht giftig, erklärt Gerhard Schuster. Auch ist er nicht für den Garten schädlich. „Tintenfischpilze zersetzen abgestorbenes Pflanzenmaterial und ernähren sich damit“, ergänzt der Experte.
Tintenfischpilze können auch als Zeigerpilze verstanden werden, denn sie sagen etwas über die Bodenbeschaffenheit im Garten aus, erläutert Schuster: „Der Gartenboden ist nährstoffreich und ph-neutral dort, wo er auftritt.“ Gartenbesitzer müssen sich also keine Sorgen machen, wenn sie ein Exemplar entdecken.

