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Interior-Trend

Von wegen Trash! Wohnen wie in den 90ern ist wieder angesagt

Einrichten wie in den 90er-Jahren – Tipps von Interior Designerin
Die 90er waren bunt, grenzenlos und manchmal auch etwas fraglich im StilFoto: Getty Images

Wenn zwei Länder (wieder) zu einem werden, werden Grenzen aufgelöst. Genauso war es damals in den 1990er Jahren auch in Sachen Style, Wohnen und Einrichten. Einfach alles war möglich, doch nicht alles sah gelungen aus. Einige Dinge haben sich allerdings durchsetzt – so geht Kult-Wohnen wie in den 1990er Jahren.

Allein aus historischer Sicht beginnt mit den 1990er-Jahren ein neues Zeitalter. Mit der Wiedervereinigung Deutschland bricht eine Art Grenzenlosigkeit in allen Lebensbereichen aus. Sie führt auch dazu, dass diese Dekade als eine äußerst bunte in die Geschichte eingeht – nicht immer zum Vorteil eines gemütlichen Ambientes. Aus heutiger Sicht kann man wohl davon sprechen, dass beim Einrichten in den 90er-Jahren die eine oder andere Stilsünde begangen wurde.

Farben, Formen und Muster sprengen Grenzen

Individualismus wurde in den 1990er-Jahren mehr als großgeschrieben. Ganz bewusst wurden Grenzen überschritten, man probierte sich aus und lebte neue Freiheiten. Klar, es waren auch die ersten Jahre des Technos und damit auch einer gewissen Exzentrik. Und so wundert es auch kaum, dass damals nicht davor zurückgeschreckt wurde, expressiv mehrere Knallfarben miteinander zu kombinieren. Rotes Sofa und gelbe Kissen trafen auf einen blauen Teppich. Dazu war das Sitzmöbel häufig organisch geschwungen und entsprach nicht der konventionellen, klassischen Form eines Sitzmöbels.

Textile Accessoires waren häufig mit reichlich dekorativen und Streublümchen-Details versehen und Teppiche von großformatigen Mustern geprägt. In Sachen Farbe, Muster und Form gab es in den 1990er-Jahren durchaus einen gewissen Hang zur Übertreibung, aber auch zum Kitsch. Die Jahrzehnte zuvor sprach man hierbei noch vom Stilbruch, jetzt nannte man dies sehr viel euphorischer einen Stilmix.

Beim Einrichten in den 90er-Jahren gab es aber auch eine zweite, ruhigere Seite. So sah man in diesem Jahrzehnt auch häufig Wohnungen mit Wänden in warmem Terrakotta, häufig in Wischtechnik aufgetragen. Die schöne Absicht dahinter, sich in südliche Gefilde zu träumen, fand aber nicht immer eine gelungene Umsetzung und gilt daher heute zurecht als Fauxpas.

Freundlich wirkende Möbel zum kleinen Preis

Beim Einrichten in den 90er-Jahren sollten die Möbel wenig kosten und eine freundliche Stimmung transportieren. Darum griff man damals häufig zu günstigen Einbaumöbeln aus hellen, charismatischen Hölzern wie Kiefer. Dazu wurden gern antike Möbel kombiniert, denn der Antiquitätenhandel hatte zu der Zeit einen regelrechten Boom erlebt. So fand sich häufig eine Biedermeier-Kommode neben einer ledernen Couch vom Flohmarkt und schon war die Behaglichkeit perfekt. Dazu trug aber auch der immer beliebter werdende Landhausstil bei, der mit lässigen Korbsesseln sowie vielen anderen Rattanmöbeln mit Lounge-Charakter äußerst markant für die 1990er-Jahre war.

Häufig gab es auch Möbel mit Beinen, Gestellen oder Elementen aus Chrom. Ein Relikt der 1980er-Jahre, genau wie die vielen Einbaumöbel aus Spanplatten. Als Holzimitat, das schnell in Eigenregie montiert werden konnte und zu einem unschlagbaren Preis erhältlich war, wurden diese Art von Möbeln der breiten Masse zugänglich. Das sah allerdings nicht immer gelungen aus und besonders langlebig waren die Möbelstücke ebenfalls nicht.

Und noch ein Element durfte beim Einrichten in den 90er-Jahren nicht fehlen. Der Sitzsack tauchte neu auf dem Wohnmarkt auf und polarisierte deutlich. Er ebnete den Weg für mobile Möbel, die sich je nach Bedarf flexibel in den eigenen vier Wänden oder auch im Garten platzieren ließen.

Accessoires mit Kultstatus

Auch die Lavalampe durfte beim Einrichten in den 1990er-Jahren nicht weit. Die merkwürdig blubbernde Leuchte ist wohl der Inbegriff dieser besonderen Dekade. Kein Accessoire versprüht so viel Lässig- wie auch Gemütlichkeit im Raum wie die Lavalampe und so war sie in sämtlichen Zimmern ein beliebtes Accessoire. In die Riege der Kult-Elemente reiht sich ganz klar außerdem die Sonnenblume mit ein. Ihr Hippie-Charme erinnerte an die Flower-Power-Zeit. Als echte Blume, Attrappe aus Kunststoff, aber auch als reines Muster auf Textilien oder Wänden entwickelte die Sonnenblume fast schon eine friedliche Symbolwirkung. Als Vasen dienten hier häufig alte Weinflaschen – wenn diese nicht bereits als Kerzenständer zweckentfremdet wurden.

Ebenfalls ein legendärer Trend beim Einrichten in den 1990er-Jahren war der Denim-Look. Nicht nur in der Mode feierte die Blue Jeans damals eine absolute Hochphase, auch in den eigenen vier Wänden war das charismatische Material gern gesehen. So gab es Kissen, Hocker oder sogar auch ganze Überwürfe für Sessel und Sofa aus Jeansstoff. Neben diesem exemplarischen Muster hat sich aber auch noch ein ganz anderes Design eine Zeit lang durchgesetzt: das Kuhfell. Dieses sah man häufig im Wohn- oder Schlafzimmer dekorativ am Boden liegend.


Und noch ein Accessoire macht die 90er bis heute unvergessen. Die Rede ist von Potpourri. Dieses romantisch anmutende Deko-Element gab es in den verschiedensten Farben und wurde mit Duftkerzen, Blüten oder Aromen kombiniert, um so eine besonders liebliche Stimmung im Raum zu erzeugen.

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Wohnen wie in den 90ern ohne Trash-Charakter

Gleichwohl die 1990er-Jahre in Sachen Einrichtung allerlei Wohnsünden mit sich gebracht haben, sind diese gewissermaßen auch von einem Kultstatus geprägt. Einige Dinge der damaligen Zeit gibt es auch heute noch oder werden in heutigen Wohndesigns wieder reinterpretiert. So ist auch aktuell der Wunsch nach einem friedlichen, gemütlichen Zuhause maßgeblich. Das zum Modewort verkommene „Cocooning“ hat seinen Ursprung in den 1990er-Jahren und findet auch heute in dem erhöhten Bestreben nach einem wärmenden, nestähnlichen Zuhause seine Bedeutung.

Natürliche Materialien wie diverse Naturfasern treffen auf eine sanfte Farbigkeit – unter anderem auch Terrakotta. Loungemöbel wie Korbsessel oder Sitzsäcke sind momentan ebenfalls wieder hoch im Einrichtungskurs. Und im Zuge von mehr Bewusstsein für die Umwelt und Nachhaltigkeit sind auch Second-Hand-Möbel und DIY-Lösungen gefragt wie nie. Kombiniert man dazu Kultstücke wie eine Lavalampe oder eine Sonnenblume, gewinnt das eigene Zuhause zugleich auch an nostalgischem Charme – eben mit einem Augenzwinkern!