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Prachtstaude breitet sich aus

Die Kermesbeere kann zum Problem im Garten werden

Kermesbeere: Amerikanische Kermesbeere mit herüberhängenden Blütentrauben
Die Asiatische und die Amerikanische Kermesbeere sind beliebte Zierpflanzen in heimischen Gärten, breiten sich aber mehr und mehr auch ungewollt in Deutschland aus Foto: Getty Images

Die Kermesbeere war mal eine beliebte Zierpflanze. Mittlerweile breitet sie sich europaweit aus und wird zur Plage. Wie sollten sich Hobbygärtner verhalten?

Kermesbeeren fallen in jeder Hinsicht auf. Die Gewächse zeigen zahlreiche Blätter mit bis zu 40 Zentimetern Durchmesser. Unübersehbar sind zudem die Samenstände mit weißen Blüten und violetten Früchten. Die Dolden erreichen eine stattliche Höhe von rund 30 Zentimetern. Bei der Amerikanischen Kermesbeere (Phytolacca americana) hängen die Blütendolden mit kugelrunden Beerenfrüchten über. Die Asiatische Kermesbeere (Phytolacca acinosa) zeigt Blütentrauben mit aufrechtem Wuchs. Ihre gekammerte Beerenform erinnert an die von Brombeeren.

Kermesbeere macht sich vielerorts ungewollt breit

Man ahnt es schon am Namen: Asiatische und Amerikanische Kermesbeeren sind ursprünglich nicht in Europa heimisch. Seit einiger Zeit breiten sich verwilderte Stauden jedoch in vielen Teilen Europas aus, auch in Deutschland. In südwestlichen Weinbaugebieten, vor allem am Oberrhein, sieht man immer öfters die amerikanische Variante. Währenddessen ist die Asiatische Kermesbeere in ganz Deutschland auf dem Vormarsch.

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Was ist das Problem mit den Beeren?

Zeitweise waren die Beerengewächse eine beliebte Zierde bei vielen Hobbygärtnern. Die Beliebtheitskurve geht seit geraumer Zeit jedoch steil nach unten. Denn ungehindert überwuchern die bis zu zwei Meter hohen Neophyten andere heimische Arten im Garten wie auch im Wald oder auf dem Acker. Haben sie sich erst mal festgesetzt, ist das Entfernen äußerst mühevoll. Denn Kermesbeeren bilden lange und kräftige Pfahlwurzeln. Die Pflanze bereitet noch ein weiteres Problem: sie überträgt das gefürchtete Gurkenmosaikvirus. Wie man einen Befall an Pflanzen erkennt und was dann zu tun ist, erklärt myHOMEBOOK in diesem Artikel.

Warum breiten sich die Gewächse aus?

Wie andere Neophyten auch breiten sich Kermesbeeren über verschiedene Wege aus. Neben Vögeln sind es:

  • Handel und Transport
  • Bodenaushub
  • Garten- und Landschaftsbau
  • unsachgemäße Entsorgung

Experten gehen zudem davon aus, dass auch die Auswirkung des Klimawandels mit wärmeren Wintern der Kermesbeere den Weg nach Europa ebnen. Die Pflanze ist sehr wärmeliebend und grundsätzlich frostempfindlich.

Was tun, um Phytolaccaceae loszuwerden?

Siedeln sich Kermesbeeren ungewollt im heimischen Garten an, müssen sie umgehend entfernt werden. Bei noch jungen Pflanzen mit zarten Wurzeln ist das weniger ein Problem, als bei schon angewurzelten Exemplaren. Junge Kermesbeeren lassen sich heraus jäten. Ältere Pflanzen müssen komplett mitsamt der Wurzel ausgegraben werden. Viel Aufwand spart man sich, wenn man die Blüten rechtzeitig entfernt, bevor sich Früchte bilden. Achtung: Die Pflanzen enthalten giftige Pflanzenstoffe, die bei Berührung zu Hautreizungen führen. Deshalb immer Gartenhandschuhe tragen, wenn man mit diesen ungebetenen Gästen zu tun hat.

Alle schon blühenden und fruchtenden Pflanzenteile müssen sorgsam verpackt über den Restmüll entsorgt werden. Nicht blühende und nicht fruchtende Pflanzen kann man auf den Kompost oder in der Biotonne entsorgen.

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Ausbreitung der Kermesbeere beim Naturschutzbund melden

Die Experten vom Naturschutzbund (Nabu) sagen, dass über die Ausbreitung der Neophyten noch wenig bekannt sei. Der Nabu bittet daher darum, Funde im Garten, im Wald und anderswo im Freiland zu melden.

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Kermesbeerengewächse mit berauschender Wirkung

Die Wurzeln der Kermesbeerengewächse wurden einst in manchen asiatischen Kulturen als Rauschmittel genutzt. Allerdings sollte man hierzulande unbedingt davon die Finger lassen. Denn neben den Samen sind vor allem die Wurzeln hochgiftig. Falsch dosiert, drohen schwere Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod.