8. Oktober 2025, 5:32 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Sind die letzten Äpfel geerntet und die Leitern verstaut, scheint die Arbeit im Obstgarten erledigt. Doch gerade jetzt entscheidet sich, ob der Baum gesund durch den Winter kommt und im kommenden Jahr zuverlässig trägt. Mit drei einfachen Pflegeschritten im Herbst lässt sich die Grundlage für einen guten Ertrag im nächsten Jahr legen.
1. Fallobst und Fruchtmumien am Apfelbaum entfernen
Heruntergefallene Äpfel und verschrumpelte Fruchtmumien, die im Geäst wie kleine schwarze Kugeln hängen bleiben, sind mehr als nur unschöne Überbleibsel. Sie sind ideale Verstecke für Schaderreger wie Monilia, die dort den Winter überdauern und im nächsten Jahr die Früchte befallen. Schorf hingegen überwintert im Falllaub. Deshalb sollte befallenes Laub eingesammelt und entsorgt werden. Gesundes Laub darf dagegen liegen bleiben und als natürliche Mulchschicht dienen.
Befallene Früchte und Blätter sind meist gut zu erkennen. Typische Anzeichen sind braune Faulstellen, auf denen sich helle Sporenpolster in konzentrischen Ringen bilden. Das ist ein Merkmal für Monilia. Bei Apfelschorf zeigen sich dagegen dunkle, olivgrüne bis schwarze Flecken auf Blättern und Früchten. Krankes Fallobst und befallenes Laub gehören weder auf den Kompost noch als Mulch unter den Baum, sondern in die Biotonne oder den Restmüll.
2. Apfelbaum im Herbst schneiden
Die Krone wirkt nach der Ernte oft lichter und lädt dazu ein, gleich kräftig zur Schere zu greifen. Für den Baum wäre das aber das falsche Signal. Ein kräftiger Rückschnitt im Herbst kann zu einem ungünstigen, stärkeren Neuaustrieb im Folgejahr führen und bietet zudem Pilzkrankheiten wie Obstbaumkrebs über die frischen Schnittstellen eine ideale Eintrittspforte.
Erlaubt ist allein das Entfernen von abgestorbenen oder beschädigten Ästen. Alles Weitere verschiebt sich auf den Spätwinter, wenn der Baum in Ruhe ist und seine Struktur klar zu erkennen ist.
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3. Baumscheibe des Apfelbaums nach der Ernte richtig pflegen
Die Baumscheibe bezeichnet den Bodenbereich unter der gesamten Krone. Dort verlaufen dicht unter der Oberfläche die feinen Wurzeln, über die der Baum Wasser und Nährstoffe aufnimmt. Sie profitieren im Herbst von einer sanften Pflege.
Dafür wird eine dünne Schicht reifen Komposts gleichmäßig verteilt und nur oberflächlich leicht eingearbeitet. So bleiben die nah an der Oberfläche verlaufenden Wurzeln ungestört. Kompost verbessert die Bodenstruktur und fördert das Bodenleben, das den Baum langfristig gesund erhält. Darüber kommt eine Decke aus gesundem Herbstlaub. Sie sollte locker verteilt und nicht zu dick aufgebracht werden, damit sie gleichmäßig verrottet. Die Laubschicht gleicht Temperaturschwankungen aus und schützt den Boden vor Verschlämmung. Direkt am Stamm bleibt ein kleiner Kreis frei, damit die Rinde trocken bleibt.
Schutz vor Verbiss im Winter
Vor allem junge Apfelbäume sind im Winter gefährdet, wenn Wildtiere wie Hasen, Kaninchen oder Rehe an der Rinde nagen. Ein einfacher Schutz aus Drahtgeflecht oder speziellen Stammschutzspiralen bewahrt die empfindliche Rinde vor Verletzungen. Wichtig ist, den Schutz locker anzulegen und regelmäßig zu kontrollieren, damit sich nichts einschneidet.
Extra-Tipp für Biogärtner: Fallobst für Tiere liegen lassen
„Wer naturnah gärtnert, kann einige Früchte bewusst liegen lassen. Für Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und Stare sind sie eine willkommene Futterquelle. Auch zahlreiche Insekten finden darin Nahrung, und Igel sowie Spitzmäuse profitieren, indem sie die darin und darunter lebenden Larven und Würmer fressen und sich so Energiereserven für die kalte Jahreszeit sichern. Auch Eichhörnchen bedienen sich gelegentlich am Fallobst.
Wichtig ist das Maß. Schon ein paar Früchte, möglichst entfernt vom Baum liegen gelassen, helfen schon, um die Tiere zu unterstützen, ohne den Baum stark zu gefährden. So wird Fallobst vom Risiko zur Bereicherung für ein lebendiges Ökosystem.“

