3. Februar 2026, 11:07 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Manchmal entdeckt man sie erst auf den zweiten Blick: kleine, durchsichtige bis leicht klebrige Tröpfchen auf den Blättern der geliebten Orchidee. Viele Hobbygärtner erschrecken dann – ist das ein Zeichen für eine Krankheit, ein Schädlingsbefall oder gar ein Pflegefehler? Tatsächlich können diese klebrigen Absonderungen ganz unterschiedliche Ursachen haben, und nicht jede davon ist gleich ein Grund zur Sorge. myHOMEBOOK hat bei der Deutschen Orchideen Gesellschaft nachgefragt.
Darum haben Orchideen manchmal klebrige Tröpfchen
Es kann verschiedene Ursachen haben, warum sich auf den Blättern und an den Stängeln von Orchideen klebrige Tropfen befinden, erklärt Bernd Treder, Präsident der Deutschen Orchideen Gesellschaft (D.O.G.). Er gibt Entwarnung: „Wenn dies nur in geringem Maße beobachtet wird, sind sie kein Grund zur Besorgnis.“
1. Guttationstropfen
In vielen Fällen handelt es sich um sogenannte Guttationstropfen, erklärt der Experte. „Diese treten natürlicherweise durch die Transpiration, also die Abgabe von Wasserdampf durch die Spaltöffnungen auf“, erläutert Treder.
Um das zu verstehen, muss man kurz den Weg des Wassers durch die Pflanze verfolgen. Pflanzen nehmen Wasser über ihre Wurzeln auf und leiten es wie durch ein Rohrsystem im Stängel bis in die Blätter weiter. Mit diesem Wasser gelangen auch wichtige Nährstoffe in die Blätter, die die Pflanze zum Wachsen benötigt.
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„In den Blättern wird das Wasser bei der Photosynthese dann zusammen mit Kohlenstoffdioxid mithilfe von Lichtenergie zu Zucker und Sauerstoff umgesetzt“, erklärt der Experte. Das Wasser kann aber auch einfach in Tropfenform nach außen abgegeben werden. Diese können manchmal überschüssigen Zucker enthalten. „Sie fühlen sich dann nicht nur klebrig an, sie schmecken sogar süß“, ergänzt Treder.
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2. Schädlingsbefall
In manchen Fällen handelt es sich um einen Schädlingsbefall, wenn klebrige Tropfen auf der Orchidee auftauchen. „Einige Schädlinge, wie zum Beispiel Blattläuse, sind manchmal auch der Verursacher der Tröpfchen, denn sie zapfen das Phloem an und hinterlassen auf der Pflanze ihre Ausscheidungen, den klebrig süßen Honigtau“, erläutert Treder.
Allerdings sollte man die grundsätzlich untersuchen, wenn klebrige Tröpfchen auftauchen, denn laut Experte kann die zuckrige Flüssigkeit auch Schädlinge anlocken. Um dem vorzubeugen, rät Treder, dass man die klebrigen Tröpfchen auf der Orchidee einfach mit einem lauwarmen, feuchten Tuch abwischen sollte.
3. Stress
Neben den normalen Guttationstropfen oder einem Schädlingsbefall können klebrige Tropfen auf der Orchidee auch ein Zeichen von Stress sein, erklärt Treder. „Besonders bei Phalaenopsis und Cattleya werden solche Guttationstropfen häufig beobachtet, wenn Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht von mehr als fünf Grad herrschen. Dies ist häufig in Wintergärten der Fall, wo starke Sonneneinstrahlung tagsüber für relativ hohe Temperaturen sorgt.“ Auch andere Stressfaktoren, wie Trockenheit, Staunässe oder Zugluft können die Tropfenbildung verursachen, ergänzt der Experte.