21. Oktober 2025, 17:35 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Kreativ-Sparten wie Architektur, Kunst oder Mode unterliegen einem ständigen Wandel. Neue Strömungen und virale Hypes sorgen dafür, dass alte Regeln permanent hinterfragt, angepasst und über Bord geworfen werden. Auch im Interior-Design lohnt es sich, eingefahrene Dogmen zu überdenken. Wir erklären, warum man diese fünf Regeln im Interior-Design jetzt getrost brechen darf.
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1. Einheitliche Materialien verwenden
Gegensätze ziehen sich an – diesen Spruch kennt jeder. Im Interior-Design galt er lange Zeit als große Sünde, mittlerweile ist das anders. Mix&Match ist in – auch in der Einrichtung. Während man traditionell darauf geachtet hat, in Wohnräumen nicht mehr als zwei verschiedene Materialien miteinander zu kombinieren, darf es gegenwärtig gerne bunter zugehen. Metall und Holz beispielsweise schließen sich nicht mehr gegenseitig aus, sondern ergänzen sich in modernen Konzepten auf edle Art und Weise.
Gleiches gilt für verschiedene Muster und Farben, wenn sie sachte und bewusst eingesetzt werden. Besonders beliebt ist der Materialmix im Bereich Textilien: Zur Bouclé-Couch kombiniert man mittlerweile, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Juteteppich, Leinenkissen wechseln sich mit solchen aus Kord ab und die Musselin-Bettwäsche wird erst durch den Samt-Überwurf so richtig zum Hingucker. Mehr ist mehr, solange man es nicht übertreibt und die Auswahl trotzdem einer gewissen Grundlinie folgt. Wer nämlich alles einfach wild zusammenwürfelt, riskiert ein Gefühl von Überladung. So können verschiedene Muster nur wirken, wenn farblich mehr Ruhe herrscht, und Stein und Holz kommen besonders gut zur Geltung, wenn auch der Rest der Einrichtung Natürlichkeit vermittelt. Aufregend und trotzdem entspannend darf es sein.
Warum wir die Regel jetzt brechen: Kontraste sind spannend und das darf endlich jeder sehen.
2. Möbel immer an die Wand stellen
Früher galt ein Raum erst als perfekt, wenn alle Möbelstücke ihren festen Platz nahe der Wand gefunden hatten. Man schaffe so mehr Platz zum Gehen in der Raummitte, zudem wirke es luftiger und freier, hieß es in vielen Ratgebern. Zudem sollte die symmetrische Einrichtung Ordnung und Harmonie suggerieren. Mal ganz davon abgesehen, dass Möbelstücke an der Wand auch einen praktischen Nutzen erzielen könnten. Immerhin befänden sich dort Steckdosen und freie Fläche für zusätzliche Wanddekoration oder Lampen.
Heute weiß man: Es gibt kein Schwarz und Weiß, auch freistehende Möbel können ihren Reiz haben. So schafft das Konzept insbesondere in offenen Wohnräumen, wie sie in immer mehr Stadt-Appartements und Häusern vorkommen, Struktur. Mehr denn je dürfen Regale als Raumtrenner fungieren und Couch, Tischarrangement und Schreibtisch gliedern die größere Fläche in verschiedene definierte Zonen, wie Chillzone, Esszone oder Kreativzone. Es entstehen Inseln, die mehr Dynamik und Lockerheit versprechen.
Warum wir die Regel jetzt brechen: In offenen Räumen geben nicht mehr die Wände die Struktur vor, sondern freistehende Möbel. Zudem kann eine asymmetrische Anordnung spannender und gemütlicher wirken.
3. Helle Farben für kleine Räume
Dass helle Farben den Blick weiten und dunkle Töne eher beengend wirken, sich also auch auf die Raumgröße auswirken, ist grundsätzlich nicht falsch – diese Wirkung basiert auf physikalischen Gesetzen. Weiße Wände reflektieren das Licht stärker, wodurch sie den Raum optisch vergrößern und Wände weiter voneinander entfernt erscheinen lassen. Mittlerweile ist klar, dass Zimmer nicht nur farblich an Größe gewinnen, sondern vor allem durch ein aufregendes Interior-Design mit Hingucker-Faktor.
Wer helle Farben liebt, darf selbstverständlich gerne dabei bleiben, aber auch eine satte Farbpalette ist kein Ausschlusskriterium mehr bei der Gestaltung kleiner Räume. Nuancen wie Bordeauxrot, Tannengrün oder Mitternachtsblau können, etwa an einer Akzentwand oder in Form von Textilien, eine fast dramatische Atmosphäre schaffen und Tiefe erzeugen. Moderne Lichtkonzepte vertreiben übrigens die Angst, dass dunkle Farben kleine Räume erdrücken könnten. Gezielte Beleuchtung wirkt einem beengenden Gefühl gekonnt entgegen.
Warum wir die Regel jetzt brechen: Ein Raum ist so groß, wie er eben ist – entscheidend ist, wie man ihn inszeniert. Charakter und Atmosphäre wiegen heute weitaus schwerer als die reine Größenwirkung.
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4. Kunst nur auf Augenhöhe platzieren
Die Augenhöhe-Regel – also Wanddeko auf etwa einer Höhe von 1,60 m anzubringen – galt einst vor allem der klaren Sichtbarkeit und einem Gefühl von Ordnung. Das ist längst überholt. Gleichbleibende Höhen lassen Wände schnell langweilig und zu starr wirken. Menschen sehnen sich vermehrt nach Flexibilität, ein Raum soll Persönlichkeit versprechen und ästhetische Spannung erzeugen. Deshalb ist es völlig legitim, Kunst oder sonstige Wanddekoration ganz unkonventionell anzubringen. Galeriewände mit mehreren Kunstwerken unterschiedlicher Größe und Höhe liegen mehr denn je im Trend und können einem Raum den besonderen Look verleihen. Auch Schichtung und Überlappung sind erlaubt.
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Ein weiteres Plus: Große Kunstwerke oder Spiegel müssen nicht mehr zwingend an der Wand hängen, sondern dürfen ganz lässig gegen sie gelehnt werden. Das lässt mehr kreative Freiheiten und unterstreicht den individuellen Charakter des Raumes.
Warum wir die Regel jetzt brechen: Erlaubt ist, was gefällt, nicht mehr nur, was vorgeschrieben ist. Unterschiedlich hoch angebrachte Wanddeko und eine Variation bei Material und Farbton können einen Raum interessanter wirken lassen. Augenhöhe ist ein Richtwert, aber alles andere funktioniert auch.
5. Textilien müssen unauffällig sein
In der Vergangenheit waren Textilien insbesondere Mittel zum Zweck. Sie sollten wärmen, Blicke abschirmen oder Gemütlichkeit herstellen. Die Optik spielte kaum eine Rolle, weshalb Gardinen, Vorhänge, Decken und Kissen gerne passend zur Wandfarbe gewählt wurden, damit sie möglichst wenig auffallen. Dabei gibt es nichts Schöneres, als mit ihnen Statements zu setzen. Heute dürfen Textilien mehr sein und einen Raum komplett dominieren – zum Beispiel mithilfe von Farb- und Materialkontrasten oder Mustermixen.
Ist ein Zimmer eher dezent gestaltet, können ein Samtkissen, ein Mustervorhang oder eine Decke aus einem auffälligen Material den Blick lenken, haptische Tiefe erzeugen und ein Gefühl von Lebendigkeit auslösen. Auch Designer nutzen diesen Trend gezielt: Textilien werden als Eyecatcher eingesetzt und bewusst mit unauffälligeren Möbeln oder anderen Dekoelementen kombiniert. Der „Mix&Match“-Ansatz macht Räume besonders spektakulär. Ein weiterer Vorteil: Ändert sich der Geschmack oder die Jahreszeit, können Textilien schnell ausgetauscht oder mit neuen Bezügen versehen werden. So spricht der Raum im Handumdrehen eine neue Sprache und passt sich äußeren Einflüssen flexibel an.
Warum wir die Regel jetzt brechen: Textilien sind zu schön, um unsichtbar zu bleiben. Sie schenken einem Raum Wärme, Tiefe und Persönlichkeit – und setzen ganz bewusst individuelle Akzente.