8. September 2025, 12:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Als Interior Designerin wird myHOMEBOOK-Autorin Odett Schumann sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld nach ihrer Einschätzung zu Räumen gefragt. Besonders wenn es das Zuhause von Freunden betrifft, vrsucht die ihre Expertise sensibel einzusetzen: Anstatt kritische Punkte anzusprechen, hebt sie gelungene Aspekte hervor. Für myHOMEBOOK verrät sie jedoch ganz ungefiltert, worauf ihr geschultes Auge beim ersten Eindruck einer fremden Wohnung besonders achtet.
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1. Der Einrichtungsstil einer fremden Wohnung
Zunächst schaue ich beim Betreten einer mir fremden Wohnung natürlich auf das Offensichtlichste: die Einrichtung. Und zwar genauer gesagt, welcher Stil für das Zuhause gewählt wurde. Hat sich die Person in jedem Raum für einen anderen Look entschieden, oder ist sie eher akribisch einer Linie in der gesamten Wohnung oder im Haus treu geblieben?
Mich interessiert, ob alles im Raum als auch in der gesamten Wohnung zusammenpasst. Aber vor allem: Passt es zu der Person, so wie ich sie kenne, oder – wenn ich sie nicht kenne – zu dem ersten Eindruck, den diese auf mich macht? Es kann schon mal vorkommen, dass jemand, der oder die gerade modisch eher unauffällig und wenig an Trends interessiert daherkommt, dann daheim viel Wert auf Individualität und Originalität legt. Hier ein Bett im DIY-Stil, da eine vererbte Kommode und dazwischen etliche Souvenirs und Mitbringsel aus aller Welt.
2. Die Ordnung
Natürlich fällt mir, wie jedem anderen Menschen auch, als Nächstes das Thema Ordnung auf. Lebt die Person eher in chaotischen Verhältnissen, wo gelegentlich etwas herumliegt und sich bereits Berge türmen, oder legt sie vielmehr Wert auf Sauberkeit? Doch damit noch nicht genug der Analyse: Geht es in dem Haushalt tendenziell unordentlich zu, scheint mir ein Bedarf an vielen Stauraummöglichkeiten groß und dringend notwendig zu sein. Ist es wiederum im Zuhause der Person auffallend sauber und aufgeräumt, sodass es fast schon steril wirkt und man lieber nichts berühren mag, überlege ich mir, wie man hier wieder mehr Gemütlichkeit einkehren lassen kann.
Selbstverständlich ist gegen Ordnung und Reinlichkeit nichts einzuwenden, der wohnliche Charakter eines Zuhauses sollte dadurch dennoch nicht verloren gehen. Um diesen also wieder hervorzuholen, kann es beispielsweise helfen, ein paar persönliche Habseligkeiten (Erinnerungsstücke, Reisemitbringsel, Lieblingsteile) – natürlich wohldosiert – unter die bestehende Einrichtung zu streuen. Eine Kuscheldecke darf auch mal ungefaltet auf dem Sofa liegen und die Kissen nicht in Reih und Glied angeordnet sein.
3. Die Lichtsetzung
Gerade wenn man im Herbst oder Winter ein Zuhause betritt, fällt eine Sache natürlich besonders schnell ins Auge, nämlich die Lichtsetzung im Raum. Diese liegt mir persönlich sehr am Herzen, auch wenn ich kein großer Fan von Deckenbeleuchtung bin. Ein üppiger Lampenschirm ist in Ordnung, immerhin kann er im ausgeschalteten Zustand auch als Dekoration wahrgenommen werden.
Licht, das von oben in den Raum fällt und dabei schlimmstenfalls noch sehr blaustichig und kühl (ca. 5000 Kelvin) wirkt, löst bei mir pures Unbehagen aus. Stattdessen vertraue ich lieber auf andere, wie zufällig verteilte Lichtquellen im Raum. Eine Wandleuchte hier, da eine Tischleuchte und an der gegenüberliegenden Wandfläche vielleicht noch eine Lichterkette wirken für mich wesentlich gemütlicher. Daher schaue ich mir gern an, welches Lichtkonzept andere Menschen als angenehm empfinden.
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4. Die Möbel und Accessoires
Schaue ich genauer hin, fällt mein Blick natürlich auch immer auf die Möbel und Accessoires im Raum. Handelt es sich hierbei eher um bekannte Produkte wie zum Beispiel berühmte Ikea-Klassiker (etwa Klippan-Sofa), die man vergleichsweise häufig in Wohnungen sieht? Oder hat die Person hingegen ein Händchen fürs Einrichten und einen erlesenen Geschmack, weshalb sie sich für hochwertige Designobjekte entschieden hat, die natürlich nicht zwingend neu sein müssen, sondern auch für etwas weniger Geld vom Flohmarkt oder über Kleinanzeigen stammen können? Vielleicht aber setzt die Person auch komplett auf eine individuelle Einrichtung und war selbst handwerklich kreativ am Werk. Ob hier wohl möglicherweise sogar ein wenig Inspiration für mich schlummert?
5. Die Lücken
Und auf noch einen Aspekt fällt meine Aufmerksamkeit meist recht schnell beim Betreten einer mir fremden Wohnung: nämlich, ob einem Raum genügend Platz geschenkt wurde. Was meine ich damit? Ich schaue, ob alle Möbelstücke nahtlos miteinander verbunden sind und Kante an Kante sitzen oder ob sich zwischen den einzelnen Möbeln und größeren Accessoires noch Lücken befinden.
Ebenso interessant ist, ob Nischen leer sind oder mit Pflanzen, Deko-Objekten und dergleichen gefüllt wurden. Besser nicht, lautet mein Vorschlag hier! Auch der Wohnraum muss atmen, sonst wirkt er schnell beengend und ungemütlich. Doch weil Stauraum häufig Mangelware beim Einrichten ist, neigen viele Menschen dazu, alle zur Verfügung stehenden Lücken und Zwischenräume zu nutzen und den Raum so allmählich zu verschließen. Wenn sich dies vermeiden ließe, würde das die Wohnqualität deutlich heben.

