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Tipps von Moritz Freiherr Knigge

Was tun, wenn Gäste nicht gehen wollen?

Gäste loswerden Etikette
Man soll gehen, wenn's am schönsten ist. Manche Gäste sehen das nicht so und würden am liebsten gleich einziehen.Foto: Getty Images

In der Vorweihnachtszeit jagt ein Event das nächste. Essen, trinken und reden bis tief in die Nacht. Was aber, wenn man selbst Gastgeber ist und die Gäste zu fortgeschrittener Uhrzeit nicht gehen wollen? Kommunikationsexperte Moritz Freiherr Knigge erklärt im Interview mit myHOMEBOOK, wie man solche Situationen elegant meistert.

Das Problem kennen alle. Man hat ein Abendessen organisiert, Freunde und Bekannte kommen, eine Flasche Wein folgt der nächsten. Die Stimmung ist bombastisch und das freut das Gastgeberherz. Spätestens ab Mitternacht hätte man aber gerne wieder das Wohnzimmer für sich allein und würde die Gäste gerne wieder loswerden. Außerdem muss man am nächsten Morgen wieder frisch im Büro auf der Matte stehen und vorher die Kinder noch in die Kita bringen. Und natürlich das angerichtete Chaos nach einem 3-Gänge-Menu wieder in Ordnung bringen.

Doch manche Gäste scheinen sich den angemessenen Gepflogenheiten komplett zu entziehen. Um fünf Uhr morgens singen sie auf dem Küchentisch, während man mit schweren Augenlidern schon mal anfängt, das Frühstück zu machen. Kann man solchen Situationen vorbeugen? Wie kann man seine Gäste elegant wieder loswerden? myHOMEBOOK hat den Kommunikationsexperten Moritz Freiherr Knigge befragt.

myHOMEBOOK: Ab welchem Zeitpunkt des Abends kann man erwarten, dass Gäste sich, zum Beispiel bei einer Dinnerparty, verabschieden?

Moritz Freiherr Knigge: Hängt von der Stimmung ab. Ich habe schon stimmungsvolle Dinnerpartys bis in die frühen Morgenstunden mit meinen Gästen genossen. Spätestens aber, wenn man der letzte Gast ist und die Gastgeber gähnen, würde ich nicht warten bis der Zaunpfahl winkt.

Gibt es eine bestimmte Uhrzeit, an der man sich orientieren kann?

01.00 Uhr scheint mir eine gute Zeit zu sein, um die Segel zu streichen, weil oder obwohl alle auf den Tischen tanzen.

Wie kommuniziere ich das elegant, ohne die Gefühle meiner Gäste zu verletzen?

Eine Freundin von mir legt immer „Time to say goodbye“ auf. Dann dürfen alle noch mal alles geben und dann heisst es: Schlaft gut!

Gibt es Unterschiede bei geladenen Freunden, Familie oder Business-Kontakten?

Oh ja, die gibt es. Unter Freunden gelten sowieso eigene Regeln. Da kann man auch schon mal ein offenes Wort sprechen oder sich einfach hinlegen während die Gästen weiter feiern. Familie funktioniert wieder nach anderen Regeln. Da sprechen Menschen ein ganzes Jahr nicht mehr miteinander, weil sie das Gefühl hatten hinaus komplimentiert worden zu sein. Familie ist oft schwierig. Auch Business erfordert viel Aufmerksamkeit: Wenn der Boss die Vögel zwitschern hören möchte, dann soll es so sein. Wenn der beste Kunde uns bis tief in die Nacht mit seinen Monologen beglückt, dann heisst es: Schlafen kann ich auch morgen. 

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Wie verhält es sich mit unangekündigtem Besuch? Wenn beispielsweise der Nachbar vorbeikommt und sich noch einen ganz kurzen Moment setzen will.

Wenn aus kurzen Momenten gefühlte Ewigkeiten werden, empfehle ich freundliche Hinweise darauf, dass der Überraschungsbesuch nun leider vorbei ist: weil man nun wirklich einkaufen müsse, endlich mit dem Hausputz beginnen wolle oder was auch immer keinen Aufschub duldet. 

Wie schaffe ich es, dass Gäste am besten gar nicht wiederkommen (obwohl ich sie obligatorisch einladen muss)? Zum Beispiel die Schwiegermutter…

Einem guten Gastgeber stellt sich diese Frage nicht. Gäste sind immer willkommen. Schwiegermütter sowieso. 

Hatten Sie schon mal die Situation, dass Sie jemanden gar nicht losgeworden sind?

Klar. Aber auch schon die Situation, dass mich jemand nicht losgeworden ist. Beides waren tolle Abende!