16. September 2025, 10:41 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer seine Ölheizung vor dem Winter auffüllen will, steht vor einer altbekannten Frage: Jetzt kaufen oder lieber noch warten? Die Antwort überrascht – und hängt weit weniger von der Jahreszeit ab, als viele denken. Doch es gibt andere Faktoren, die über den Preis entscheiden. Experten geben klare Empfehlungen, worauf Haushalte jetzt achten sollten.
Ist es sinnvoll, im Herbst Heizöl für den Winter zu kaufen?
Mit Blick auf die kälter werdenden Monate stellt sich für viele Ölheizungsbesitzer die Frage, ob ein Heizölkauf im Herbst sinnvoll ist. Eine weitverbreitete Annahme ist, dass Heizöl etwa im Sommer besonders günstig sei. Doch Sandra Duy, Expertin für energetische Sanierung beim Ratgeberportal „Finanztip“, widerspricht entschieden: „Die Annahme, dass Heizöl im Frühjahr oder Sommer besonders günstig ist, ist ein Mythos.“ Denn die Preisentwicklung folge keiner festen saisonalen Logik: „Vielmehr ist der Preis von geopolitischen Ereignissen und der Nachfrage am Weltmarkt abhängig.“
Diese Einschätzung teilt auch Stefan Bürk von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „In den letzten zehn Jahren gab es keinen systematischen jahreszeitbedingten Verlauf zwischen den Preisen im September, im Winter und im Frühjahr“, erklärt der Energieberater auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Tendenziell sind große Mengen preisgünstiger als mehrere kleine. Insofern stellt es keinen Vorteil dar, jetzt einen halb vollen Tank zu füllen.“
Preisprognosen bleiben beim Heizölkauf schwierig. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu plötzlichen Preissprüngen – wie etwa nach dem US-Angriff auf den Iran im Juni. Aktuell liegt der Heizölpreis jedenfalls bei deutlich unter einem Euro pro Liter – ein für viele attraktives Niveau.
3 Spartipps beim Heizölkauf
Unabhängig vom Zeitpunkt lässt sich beim Heizölkauf durch clevere Entscheidungen Geld sparen. Diese drei Tipps helfen dabei:
1. Preise vergleichen lohnt sich
„Finanztip“ rät dazu, nicht einfach beim bisherigen Anbieter zu bleiben, sondern verschiedene Angebote einzuholen. Denn je nach Region und Händler kann es zu erheblichen Preisunterschieden kommen. Vergleichsportale im Internet helfen dabei, einen schnellen Überblick zu bekommen. Dafür reichen bereits die Postleitzahl und die gewünschte Liefermenge.
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2. Flexibilität beim Lieferzeitfenster zahlt sich aus
Wer bei der Lieferung flexibel ist, kann zusätzlich sparen. „Am günstigsten sind Bestellungen mit einem ganztägigen Lieferzeitfenster“, sagt Sandra Duy. Laut „Finanztip“ sind Lieferungen nach 16 Uhr im Schnitt etwa fünf Prozent teurer. Muss ein bestimmtes Zeitfenster gewählt werden, empfiehlt sich der frühe Morgen: Lieferungen bis 9 Uhr kosten im Vergleich nur rund zwei Prozent Aufpreis.
3. Ratenzahlung vermeiden
Eine Heizölbestellung kann schnell mehrere Hundert Euro kosten. Wer diese Summe nicht auf einmal zahlen kann, greift häufig zur Ratenzahlung – zahlt dafür aber im Schnitt rund zehn Prozent mehr. „Finanztip“ rät deshalb, wenn möglich, ganz auf Ratenzahlung zu verzichten oder höchstens eine Sechs-Monats-Variante zu wählen, da diese noch vergleichsweise geringe Zusatzkosten verursacht.
Am günstigsten ist meist die Zahlung mit Girocard, sofern das Kartenlimit ausreicht. Auch Stefan Bürk empfiehlt: „Preise vorher vergleichen, beim Tanken dabei sein.“ Zudem sollte man nicht per Vorkasse bezahlen – auch aus Gründen der Sicherheit. Langfristig empfiehlt der Energieberater den Besitzern einer Ölheizung, sich auf die Umstellung auf eine andere Heizmethode vorzubereiten, etwa eine Wärmepumpe.
Jetzt kaufen kann sich lohnen – muss es aber nicht
„Die Entscheidung, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für den Heizölkauf ist, hängt nicht von der Jahreszeit ab. Wichtiger sind aktuelle Marktpreise, Tankfüllstand und Flexibilität bei Lieferung und Bezahlung. Wer Preise vergleicht, größere Mengen bestellt und auf Ratenzahlung verzichtet, kann unabhängig vom Monat sparen – auch jetzt im Herbst.“
Mit Material der dpa