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„20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“

Was wurde eigentlich aus den Praktiker-Baumärkten?

Baumarkt Praktiker
Praktiker entwickelte sich in den 2000er Jahren zu einer führenden Baumarktkette. Was ist danach passiert? Foto: picture alliance/dpa | Soeren Stache
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10. Oktober 2025, 12:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Es war das Schmuddelkind der Branche und stieg dennoch zur zweitgrößten Baumarktkette in Deutschland auf. Praktiker entwickelte sich in den frühen 2000er Jahren mit einem Werbespot zur Kultmarke. Warum im Jahr 2013 dann doch sämtliche Glühbirnen ausgingen, beleuchtet myHOMEBOOK in diesem Artikel.

Der Kult war vorprogrammiert, als die Marketing-Strategen bei Praktiker im Jahr 2003 den beliebten Berliner Schauspieler Manfred Lehmann als Stimme für ihren neuen Werbespot gewinnen konnten. Der Slogan „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“, gesprochen von der deutschen Stimme von Hollywood-Star Bruce Willis, entwickelte sich rasch zu einem Kultspruch, der auch in die damalige Alltagssprache Einzug hielt. Gleichzeitig bedeutete genau dieses Versprechen den Anfang vom Ende des Baumarkt-Discounters.

Praktiker wächst durch Übernahmen

Die Praktiker-Geschichte beginnt 1978 im benachbarten Luxemburg. Dort eröffnete die erste Filiale. Die Dachgesellschaft bildet die saarländische Asko Deutsche Kaufhaus AG, aus der später die Metro AG entsteht.

Praktiker verfolgt von Anfang an eine eigene Wachstumsstrategie. Die Marke wächst durch die Übernahme anderer Baumärkte der Konkurrenz. Schon in den frühen 1980er Jahren setzt Praktiker in seinen Filialen auf niedrige Preise. So entwickelt sich die Marke zu einer Art Aldi unter den Baumärkten.

Bis Mitte der 1990er Jahre wächst Praktiker vor allem in den damals neuen Bundesländern immer weiter und schafft es sogar an die Börse. Doch die Konkurrenz im Baumarktgeschäft hat längst aufgeholt und drängelt Praktiker langsam in die Verlustzone.

Aufstieg zum Börsenunternehmen

Es scheint absurd: Inzwischen Börsenunternehmen und hinter Obi die zweitgrößte Baumarktkette, stiegen die Verluste des Unternehmens Jahr für Jahr. Der kultige Werbespot mit der deutschen Stimme von Bruce Willis verlangsamte nur das Tempo des Niedergangs.

Mit der aggressiven Rabatt-Strategie machte Praktiker zwar Milliardenumsätze, allerdings blieb davon immer weniger Gewinn übrig. Andere große Namen wie Hornbach oder Obi erkannten, wohin diese Rabattschlacht führen würde und schlugen noch rechtzeitig einen anderen Kurs ein.

Praktiker versuchte sein Markenimage durch die Übernahme der Baumärkte von Max Bahr aufzupolieren. Zuvor hatte sich die Metro AG als Mehrheitsgesellschafter zurückgezogen. In der Folge begann Praktiker damit, eigene Standorte auf Max Bahr umzuflaggen. Dieser Name hatte in der Baumarkt-Branche einen weitaus besseren Klang. Doch die „20 Prozent auf alles“ lasteten weiterhin auf dem Gesamtkonzern.

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Rabattschlacht führt in die Pleite

Ein Finanzexperte analysierte damals, wer der Billigste sein möchte, sollte auch die niedrigsten Kosten haben. Denn im Handel gilt die eiserne Regel: „Wer Preisführer sein will, sollte auf lange Sicht auch zum Kostenführer werden.“

Doch die Verluste entwickelten eine Eigendynamik. Auf über 300 Filialen bringt es Praktiker in Deutschland in den frühen 2010er Jahren. Hinzu kommen weitere Standorte im europäischen Ausland, beispielsweise in Griechenland und Ungarn.

Doch Größe schützt nicht vor Insolvenz. Deutschlands Nummer 2 erklärt im Juli 2013, zahlungsunfähig zu sein. Knapp 20.000 Menschen sind von dem Aus an den deutschen Standorten betroffen. Anfang 2014 verschwindet auch die von Praktiker übernommene Marke Max Bahr vom Markt.

Praktiker lebt weiter

Die Praktiker-Baumärkte im europäischen Ausland sind von der Pleite nicht betroffen. Dort existiert die Marke weiterhin. Auch in Deutschland erlebt der Name eine Wiederauferstehung.

Die beiden Online-Strategen Christoph Kilz und Dirk Oschmann eröffneten zudem im Jahr 2016 das Portal praktiker.de. Alles sieht aus wie früher bei Praktiker, hat mit der eigentlichen Baumarkt-Marke allerdings nichts mehr zu tun. Ähnlich wie bei den weiteren Web-Portalen der beiden Investoren handelt es sich beim wiederbelebten Praktiker-Online-Auftritt um eine Art Vergleichsportal.

Einkaufen bei Praktiker geht nur noch indirekt. Das Online-Portal dient als Marktplatz für Baumarktprodukte. Ähnlich wie bei Amazon können Drittanbieter die Plattform als Verkaufsfläche nutzen. Tiernahrung gibt es dort nicht mehr – und „20 Prozent auf alles“ sowieso nicht.

Meine Erinnerungen an Praktiker

„In meiner Geburtsstadt, in Bochum, gab es viele Jahre ebenfalls eine beliebte Praktiker-Filiale. Meine Eltern haben dort einmal mehrere Meter Teppichboden gekauft, weil der dort so billig gewesen ist. Und für die Gartenlaube meines Vaters spielte Qualität keine so große Rolle. Ich selbst habe dort Gardinenstoff gekauft. Ansonsten hatte Praktiker immer das Image eines Billigheimers. Die Werbespots mit Manfred Lehmann fand ich allerdings megalustig.“

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