29. September 2025, 12:16 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Beim Strompreis ist eine umfassende Änderung geplant: Statt wie bisher pro Stunde wird der Strom ab dem 1. Oktober 2025 alle 15 Minuten neu berechnet – mit Chancen, aber auch Risiken. Was bedeutet das konkret für die Haushalte?
Viertelstundentarif statt Stundenpreis
Bisher wurde der Strom an der Börse im Stundenrhythmus gehandelt: Der sogenannte Day-Ahead-Preis legt für jede Stunde des kommenden Tages im Voraus den Preis fest. Mit dem neuen EU-weiten Modell erfolgt die Abrechnung im Viertelstundentakt – insgesamt also 96 Einzelpreise pro Tag. Ziel ist es, die Preisbildung besser an die stark schwankende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne anzupassen und damit das Stromnetz zu stabilisieren.
Wer die Änderung spürt – und wer nicht
Die Umstellung wirkt sich vorwiegend auf Kunden mit dynamischem Stromtarif aus. Denn bei diesen Tarifen wird der Preis jeder einzelnen Viertelstunde des Vortags direkt an die Endverbraucher weitergegeben. Die Folge: Der Strompreis kann sich künftig bis zu viermal pro Stunde verändern – und damit schneller und heftiger schwanken als bisher.
„Die Tarife sind an den Großhandelsmarkt für Energie gekoppelt. Hier sind die Preise sehr volatil“, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Hier kann es hoch- und runtergehen“, heißt es seitens der Experten.
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Wer mit der Änderung ab Oktober Strom sparen kann
Ob sich das für Verbraucher lohnt, hängt stark vom eigenen Verbrauchsverhalten ab. Wer große Stromverbraucher wie eine Wallbox für das E-Auto, eine Wärmepumpe oder einen Heimspeicher flexibel steuern kann, profitiert möglicherweise. Während die bisherige Stundentaktung starke Preisausschläge oft nivelliert hat, erlaubt die neue Viertelstundentaktung ein gezielteres Ausnutzen kurzfristiger Preisspitzen – sowohl nach oben als auch nach unten.
Stundenpreise „glätten“ häufig günstige oder teure Zeitfenster, weil extrem niedrige Preise – etwa bei hoher Einspeisung von Ökostrom – oder starke Preisspitzen – etwa bei unerwartet hoher Last – im Durchschnitt untergehen. Bei einer Abrechnung im Viertelstundentakt lassen sich diese Preisschwankungen gezielter nutzen oder vermeiden.
Auch für das Stromnetz kann sich die Neuerung lohnen. Die viertelstündliche Preissteuerung kann dazu beitragen, Lastspitzen besser zu verteilen und so teuren Netzausbau oder technische Engpässe zu vermeiden.
Kein Vorteil ohne Smart Meter
Es gibt allerdings einen Haken bei der Geschichte. Wer nämlich weder steuerbare Großverbraucher besitzt, noch einen sogenannten Smart Meter installiert hat, wird von der neuen Regelung kaum profitieren – im Gegenteil. Der Stromverbrauch fällt in solchen Haushalten typischerweise in die teuren Abendstunden, etwa beim Kochen oder Fernsehen. Zudem verursacht die Installation intelligenter Stromzähler zusätzliche Kosten.
Daher raten Verbraucherzentralen den meisten Standardhaushalten, im Alltag weiterhin auf klassische Stromtarife mit festem Preis zu setzen. Diese würden eher vor Preisspitzen schützen und bieten bessere Planbarkeit.
Chancen für wenige, Risiken für viele
„Haushalte mit Smart Meter und steuerbaren Großverbrauchern können künftig gezielt günstige Phasen nutzen und sparen. Für die meisten Standardhaushalte ohne flexible Steuerung überwiegen jedoch die Nachteile: höhere Preisschwankungen, Zusatzkosten für Zähler und oft Verbrauch zu ungünstigen Zeiten. Im Endeffekt profitieren eher technikaffine Nutzer, während klassische Tarife für viele weiterhin die sicherere Wahl bleiben.“