23. Oktober 2025, 5:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wer seinen Stromverbrauch regelmäßig misst oder zumindest grob berechnet, kann in Zeiten steigender Energiekosten besser abschätzen, was bei der nächsten Abrechnung finanziell auf ihn zukommt. Und die regelmäßige Kontrolle des Stromverbrauchs deckt auch Sparpotenziale auf.
Jede Kilowattstunde an Energie, die man nicht verbraucht, spart Geld. Und da immer noch ein beachtlicher Teil unseres Stroms aus klimaschädlichen Quellen stammt, hilft Energiesparen auch der Umwelt. Beim Stromverbrauch ist es ähnlich wie bei der Kontrolle des Körpergewichts. Nur wer regelmäßig misst, kann auch Abweichungen erkennen. Übertragen auf den Strom: Mit einer regelmäßigen Kontrolle werden Energiefresser erst sichtbar und gezieltes Eingreifen wird möglich.
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Stromverbrauch mit Formel berechnen
Wer annähernd wissen möchte, wie viel Energie er so im Jahr benötigen wird, kann sich verschiedener Berechnungsmethoden bedienen. Das ist etwa bei der Neuanmeldung bei einem Stromanbieter nützlich und hilft auch dabei, den eigenen Verbrauch in Relation mit anderen Haushalten oder Personen in Relation zu setzen.
Das Portal co2online hat eine einfache Formel zur Schätzung des Energiebedarfs entwickelt:
Wohnfläche in Quadratmetern × 9 kWh + Personenzahl × 550 kWh (Grundbedarf) + Anzahl großer Haushaltsgeräte × 200 kWh = Jahresstromverbrauch in kWh
Beispiel:
Eine Person lebt in einer 76 Quadratmeter großen Wohnung, in der es einen Herd, eine Waschmaschine, eine Spülmaschine, einen Kühlschrank und einen Gefrierschrank gibt. Damit ergibt sich:
76 × 9 kWh = 684 +
1 × 550 kWh = 550 +
5 × 200 kWh = 1000
Dieser Haushalt wird also etwa 2234 kWh an Strom verbrauchen.
Indirekt per Stromzähler messen
Ein anderer Weg zur Ermittlung des eigenen Bedarfs führt über den Stromzähler. Dazu notiert man an einem Stichtag den aktuellen Zählerstand. Nach einem festen Intervall erfolgt dann die Ablesung des neuen Zählerstandes. Aus der Differenz der beiden Werte ergibt sich der tatsächliche Verbrauch der Periode. Dieser kann dann hochgerechnet werden.
Es ist zu empfehlen, als Intervall eine Woche oder einen Monat zu verwenden. In diesen Zeiträumen dürfte dann auf jeden Fall die Waschmaschine gelaufen und wie gewohnt gekocht worden sein. Wurde als Intervall eine Woche genutzt, wird der ermittelte Wert mit 52 multipliziert, oder mit 12, wenn die Periode ein Monat war.
Hinweis: Vollkommen präzise ist diese Methode naturgemäß nicht. Denn der Verbrauch schwankt über das Jahr. In den Sommermonaten benötigt man etwa weniger Licht. Im Winter schlagen eine Zusatzheizung oder Wärmedecken und Ähnliches zu Buche.
Digitale Helfer: Apps können unterstützen
In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Apps für das Smartphone auf den Markt gekommen, die beim Erfassen, Berechnen und Kontrollieren des Stromverbrauchs unterstützen. Die Programme bieten unterschiedlich tiefe Funktionen, von der einfachen Zählerstanderfassung bis zur detaillierten Analyse des Verbrauchs einzelner Geräte.
Wer sich für den Einsatz einer App interessiert, sollte vergleichen, welche Funktionen an Bord sind. Generell lassen sich diese Kategorien unterscheiden:
- Reine Erfassungsapps: Damit werden die aktuellen Zählerstände manuell eingetragen. Werden diese dann mit den Details des eigenen Tarifs kombiniert, lassen sich damit valide Prognosen der Kosten erreichen. Solche Basisfunktionen sind teilweise auch bereits in den Apps von Versorgungsunternehmen enthalten, die auf Basis der Werte dann auch Anpassungen der Abschlagszahlungen empfehlen können.
- Apps mit Gerätedetails: In einigen Programmen können auch die im Haushalt vorhandenen E-Geräte hinterlegt werden. Dazu greifen die Anwendungen auf eigene Datenbanken mit Verbrauchsinformationen zu bestimmten Modellen zurück. Die Apps erwarten zusätzlich noch Informationen zu den Nutzungszeiten und berechnen anschließend den möglichen Verbrauch.
- Apps mit Anbindung an Smartmeter oder Verbrauchsmessgeräte: Solche Apps können, sofern schon im Haushalt vorhanden, drahtlos die Daten „intelligenter“ Stromzähler (Smart Meter) auslesen und auswerten.
Hinweis: Vor der Entscheidung für eine App sollte in den App-Stores kontrolliert werden, wann die App zuletzt aktualisiert wurde und wie die Bewertungen anderer Nutzer ausgefallen sind.
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Smart Meter und intelligente Messsysteme
Smart Meter messen den Stromverbrauch des gesamten Haushalts und können durch zusätzliche Analysen auch Rückschlüsse auf den Verbrauch einzelner Geräte zulassen. Über Apps oder Webportale wird ersichtlich, wie sich der Start der Waschmaschine, des Geschirrspülers oder des Backofens auf den Verbrauch auswirkt. Klar ist aber auch, dass sich mit dem Einsatz eines solchen Stromzählers nur dann Geld und Strom sparen lassen, wenn die Zahlen angesehen und der Verbrauch entsprechend angepasst wird.
Smarte Steckdosen zur Verbrauchsmessung
Um gezielt den Verbrauch einzelner Geräte zu bestimmen, um so Stromfresser zu identifizieren oder überhaupt herauszufinden, wie viel Strom etwa der PC oder der Fernseher verbrauchen, bietet sich der Einsatz von „smarten“ Steckdosen an.
Diese gibt es mit Anbindung an Steuerzentralen für das Smarthome, aber auch als separat einsetzbare Geräte, die dann teilweise auch eine Verbindung zu einer App herstellen können. Bei der Anschaffung sollte beachtet werden, bis zu welcher Leistung die Steckdose eingesetzt werden darf, um das Gerät nicht zu überlasten. Entweder in der App oder auch in der Steuerungseinheit der Steckdose können oftmals zudem die Kosten pro kWh hinterlegt werden. So bieten sie dann gleich einen Kostenüberblick.
Von AVM, dem Hersteller der bekannten Heimrouter „Fritzbox“, gibt es solche Steckdosen, die sich ins Netzwerk integrieren und dann über den Router steuern lassen. Über die Weboberfläche der Fritzbox kann dann auch der Verbrauch ausgewertet werden. Die Kosten für solche Steckdosen liegen, je nach Hersteller, zwischen zehn und 60 Euro.
So messe ich meinen Stromverbrauch
„Ich lebe in einem Mehrfamilienhaus und aktuell ist hier die Einrichtung von Smartmetern noch nicht vorgesehen. Ich habe aber gern einen Überblick über meine Verbrauchsdaten. Bei mir hat sich die App ‚EnergieCheck‘ bewährt. Ich kann darin manuell verschiedene Zählerstände (etwa Strom, Wasser) erfassen und erhalte eine Rückmeldung, wie mein Haushalt im Vergleich zu anderen dasteht.“