22. September 2025, 12:57 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Schon seit Mitte der 1990er Jahre versucht die EU über verschiedene Energielabel, den Kauf von nachhaltigen Produkten zu fördern. Viele Verbraucher kennen vermutlich die Aufkleber, die auf Waschmaschinen, Trocknern oder Geschirrspülern anzeigen, wie viel Energie ein Gerät verbraucht. Nun soll der Fokus um weitere Nachhaltigkeitskriterien erweitert werden. Was es damit auf sich hat, beleuchtet myHOMEBOOK in diesem Artikel.
Der Energieverbrauch von Haushaltsgeräten hilft vielen Verbrauchern, eine Kaufentscheidung zu treffen. Die farbliche Abstufung der Energielabel von grün für besonders energiearm und rot für energiehungrig zeigt die zusätzlichen Kosten nach dem Kauf auf einen Blick.
Ökodesign-Label erweitert Kriterienkatalog für Nachhaltigkeit
Wie viel Strom ein Gerät verbraucht, reicht nicht aus, um die Nachhaltigkeit einer Waschmaschine oder eines Geschirrspülers über den gesamten Lebenszyklus vollumfänglich abzubilden. Das hat sich in der Vergangenheit gezeigt. „Deswegen sind im Laufe der Jahre weitere Kriterien hinzugekommen, wie Lautstärke, Wasserverbrauch oder Programmdauer im Eco-Programm“, erläutert eine Sprecherin des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland (EVZ) auf Nachfrage von myHOMEBOOK.
Dieser Kriterienkatalog soll künftig eine zusätzliche Erweiterung erfahren und unter anderem auf Haushaltsgeräte ausgeweitet werden. Künftig soll das neue Ökodesign-Label auch ausdrücken, wie unkompliziert sich Geräte reparieren oder einzelne Teile wiederverwenden lassen. Eine erste Übersicht dazu liefert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).
„Für Smartphones und Tablets gibt es seit Ende Juni 2025 einen sogenannten Reparierbarkeitsindex“, verweist die EVZ-Sprecherin auf erste Produkte, für die das neu definierte Ökodesign-Label bereits gilt.
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Ersatzteile sind teuer oder nicht verfügbar
Eine Neudefinition der Ökodesign-Richtlinien und eine Ausweitung ist aus Sicht des EVZ notwendig geworden, weil beispielsweise bestimmte Ersatzteile für Geschirrspüler preislich sehr stark variieren. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat Ende 2024 im Rahmen einer Marktuntersuchung herausgefunden, dass Verbraucher für den Austausch von Geschirrkörben teilweise mehr als für den Neukauf einer Spülmaschine zahlen.
Deswegen sollten solche Kriterien künftig in die Bewertung der Nachhaltigkeit von Produkten einfließen. Gleiches gilt für die Dauer der Verfügbarkeit von Ersatzteilen oder deren Lieferzeiten. Wenn für die neu gekaufte Waschmaschine oder den neuerworbenen Trockner schon nach wenigen Jahren keine Ersatzteile mehr zu bekommen sind, ist eine Anschaffung wirtschaftlich und ökologisch nicht sinnvoll. Das sollte das reformierte Ökodesign-Label künftig den Kunden beim Kauf im Laden oder beim Online-Einkauf schnell und einfach anzeigen.
Änderungen sollen Ende 2026 kommen
„Grundsätzlich sollten sich Verbraucher vor der Neuanschaffung eines Geschirrspülers oder eines anderen Haushaltsgeräts sehr genau informieren und verschiedene Geräte vergleichen“, rät die EVZ-Sprecherin. „Hier sollten die Bedürfnisse und Anforderungen an ein neues Gerät im Vorfeld geklärt werden.“ Denn möglicherweise ist eine Reparatur wirtschaftlich günstiger als ein Neukauf. Auch ein altes Gerät kann nach dem Tausch eines Ersatzteils noch über viele Jahre gute Dienste leisten.
Die EU-Kommission möchte bis Ende 2026 die neuen Anforderungen definieren, die für Haushaltsgeräte und andere Produkte gelten sollen. Hierzu seien unbedingt „gründliche vorbereitende Studien und Folgenabschätzungen“ notwendig, heißt es aus dem europäischen Gremium. Im besten Fall bietet das neu definierte Ökodesign-Label Verbrauchern eine gute Entscheidungshilfe, Geräte auf Basis verschiedener Nachhaltigkeitskriterien besser zu vergleichen.
Ein Signal gegen die Wegwerfmentalität der Industrie
„In den vergangenen Jahrzehnten hat es die Industrie hinbekommen, den Verbrauchern das Reparieren von Geräten durch aggressives Marketing abzugewöhnen. Irgendwie hat jeder Konsument das Gefühl, das jeweils neueste Produkt besitzen zu müssen. Auch wenn man die in der Werbung versprochenen Neuerungen schon gar nicht mehr spürt oder versteht. Daher finde ich den Ansatz der EU mit dem Ökodesign-Label gut, den Druck auf die Industrie zumindest indirekt über eindeutige Kennzeichnungen zur Nachhaltigkeit von Geräten zu erhöhen. Im besten Fall wird dann die Reparierbarkeit von Geräten zum Verkaufsargument.“