Zum Inhalt springen
logo Das Do-it-yourself-Portal für Haus und Garten
Erklärt

Darum gibt es in manchen Altbauten eine verschlossene Tür im Treppenhaus

Außenklo im Treppenhaus in Berlin
Die Tür in der Mitte ist verschlossen, links und rechts wohnen Mieter. Was hat es damit auf sich? Foto: myHOMEBOOK
Artikel teilen
Felix Mildner
Redaktionsleiter

14. November 2025, 13:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Vor allem in Altbauhäusern in deutschen Großstädten trifft man sie an: mysteriöse Türen, die sich im Treppenhaus zwischen zwei Wohnungen befinden, aber nicht zugänglich sind. Wohin führen sie? Und was hat es damit auf sich?

Viele laufen täglich an den Türen vorbei, an denen kein Name steht, und die fest verschlossen sind. In der Regel wiederholt sich die Situation auf jedem Stockwerk: In der Mitte zweier Etagenwohnungen befindet sich eine mysteriöse Tür. Dass dahinter niemand wohnt, wird schnell klar, schließlich gibt es weder Klingel noch Türschild. Lässt man sich von der Neugier leiten und versucht, die Tür zu öffnen, wird man enttäuscht – denn sie ist fest verschlossen. Was hat es mit der Attrappe auf sich? Dahinter steckt tatsächlich ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

Was hat es mit der verschlossenen Tür auf sich?

Heute ist es kaum vorstellbar, dass man für seine Notdurft mit der Klopapierrolle in der Hand seine Wohnung verlassen und das Außenklo aufsuchen musste. Tatsächlich hatten bis vor gar nicht langer Zeit viele Mietwohnungen in den Großstädten keine eigene Toilette. Besonders verbreitet war das in Altbauten in Berlin – im Osten der Hauptstadt hielt sich das sogar bis nach der Wende.

Wie der Berliner Mieterverein berichtet, zählte man noch im Jahr 1991 im Stadtteil Prenzlauer Berg mehr als 11.000 Wohnungen mit Außenklo – auch „Klo auf halber Treppe“ genannt. Auch in anderen Städten gab es sie – allerdings sind sie vorwiegend bezeichnend für Berliner Mietshäuser. Und zu Beginn handelte es sich dabei sogar um eine wichtige Errungenschaft.

Auch interessant: Das sind die verrückten Klopapier-Trends

Wie entstand das „Klo auf halber Treppe“?

In der Bau-Polizei-Ordnung von 1887 wurde erstmals geregelt, dass die sogenannten „Bedürfnisanstalten und Badestuben“ ein Fenster bräuchten, wodurch Licht und Luft eindringen kann. Baulich bedeutet das, dass der Toilettenraum an einer Außenwand liegen muss. Die Folge: Lange und schmale Räume, die vom Treppenhaus zur Außenmauer reichen. Am Ende befand sich die Toilette, darüber das Fenster – fertig war das Außenklo.

Schon damals war der Wohnraum in den Ballungszentren begrenzt – und die Bauspekulanten wollten möglichst viel Wohnfläche vermieten. Das Ergebnis: Die Mieter auf einer Etage mussten sich das Klo teilen, auch Podest-WC genannt. In manchen Fällen waren es bis zu vier Parteien. Diese Bauweise war auch von der Bau-Polizei-Ordnung gedeckt, denn dort stand nichts davon, dass jeder Mieter eine eigene Toilette haben müsse.

Mehr zum Thema

Das Außenklo als Verbesserung der hygienischen Situation

Tatsächlich handelte es sich bei der Einführung der Außenklos um Verbesserungen zur vorherigen Situation. Selbst in gehobeneren Schichten war es zuvor üblich, das Plumpsklo im Innenhof zu benutzen. Dabei handelte es sich um Sickergruben mit einfachen Bretterhäuschen darüber.

Mit Einführung der Außenklos musste man zumindest das Mietshaus nicht mehr verlassen, sondern nur noch die Wohnung. Zudem führten die Aborte im Innenhof auch zu hygienischen Problemen, denn hier befanden sich oft auch die Brunnen, um die Bewohner mit Trinkwasser zu versorgen. Krankheiten wie Cholera und Typhus waren die Folge.

In den 1880er-Jahren wurden immer mehr Wohnungen in Berlin an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen, sodass sich die Aborte allmählich in den Innenbereich verlagerten. Allerdings hielten sich die Außenklos noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

Passend dazu: Wann müssen Mieter das Treppenhaus reinigen?

Was passierte mit der „halben Treppe“?

Laut Zählungen gab es in West-Berlin im Jahr 1968 noch mehr als 110.000 Wohnungen, die keine eigene Toilette hatten, was einem Anteil von 12 Prozent des damaligen Wohnungsmarktes entsprach. Im Osten Berlins überdauerten die Außenklos sogar die Wende. Danach wurden die Wohnungen modernisiert, die Podest-Klos eingerissen und die Wohnfläche den Etagenwohnungen zugeschrieben.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.