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Garten-Tipp

Was bringt Dünger aus Fledermausguano?

Fledermaus hängt an einem Holzbalken mit geöffneten Augen
Fledermausguano gilt als effektiver DüngerFoto: Getty Images

Fledermausguano ist eine biologische Alternative zu mineralischem Dünger. Welche Vorteile dieser natürliche Dünger hat und wie man mit Fledermausguano richtig düngt.

Mineralischer Dünger galt einst als das Wundermittel schlechthin. Inzwischen vermeiden jedoch immer mehr Hobbygärtner diesen Dünger. Der Grund: Mineraldünger fügt dem Boden und damit dem gesamten Kreislauf immer mehr Stickstoff hinzu. Der globale Stickstoffkreislauf gerät ins Ungleichgewicht. Die Folgen dessen sind gravierend. Zu viel Stickstoff im Boden bedeutet ein vermehrtes Algenwachstum, ebenso wie ein erhöhtes Maß an Nitrat im Trinkwasser. Zudem wird der hohe Gehalt für Pflanzen problematisch, die einen geringeren Stickstoffbedarf haben. Da sie dieses Überangebot nicht kompensieren können, werden sie unweigerlich eingehen und schlimmstenfalls aus dem Ökosystem verschwinden. Doch der Markt bietet erstaunliche Dünger-Alternativen. Eine davon ist der noch wenig bekannte und nahezu universell einsetzbare Fledermausguano.

Was ist Fledermausguano?

Pflanzen mit den Exkrementen von Fledermäusen düngen? Was im ersten Moment vielleicht skurril klingt, funktioniert tatsächlich. Fledermausguano hat sich als wertvoller und inzwischen daher auch gehypter Dünger entpuppt. So gilt der Kot der Flattertiere als ausgesprochen stickstoffreich. Fledermäuse verfügen über eine recht schnell arbeitende Verdauung. Das Ausscheiden der bis zu 15 mm langen „Kotpellets“ geht vergleichsweise schnell. Bereits nach zwei bis drei Stunden scheiden die Tiere Nahrungsreste wieder aus. Die Exkremente lassen sich dann vor allem unter Fledermauskästen, Hangplätzen in Sommerquartieren und Wochenstuben finden. Auch auf Fensterbrettern können die Ausscheidungen entdeckt werden.

Optisch erinnert Fledermauskot an den von Mäusen. Allerdings zerfällt er in trockenem Zustand bei leichtem Druck zu Staub oder kleinen, im Licht glitzernden Bröseln, den unverdauten Resten ihrer Beute. Das Hauptnahrungsmittel der fliegenden Tierchen sind nämlich Insekten. So besteht Fledermausguano neben Fremdkörpern wie Steinchen, Blattstücken oder Fledermaushaaren, vor allem aus Insektenbruchstücken, -flügelschuppen und unverdauten Chitinpanzern.

Fledermausguano gilt als wertvoller Dünger, weil er zwischen 3 bis 8,5 Prozent Stickstoff sowie 2 bis 19 Prozent Phosphor enthält. Neben Kalium sind diese beiden Nährstoffe essenziell für ein optimales Pflanzenwachstum, reiche Blütenbildung und eine ertragreiche Ernte. Der enthaltene Harnstoff versorgt die Pflanzen dabei unmittelbar nach dem Düngen mit notwendigem Stickstoff. Für die Langzeitdüngung sind die Chitinreste wichtig. Sie geben ihren Stickstoffanteil erst beim Zersetzungsprozess an die Erde ab. Zudem ist der natürliche Dünger auch reich an Mineralien, wie Magnesium, Kalium und Calcium.

Tipp: Um auch die Phosphor- und Kaliumversorgung zu gewährleisten, sollten Hobbygärtner zusätzlich zum Fledermausguano jährlich mit Gartenkompost düngen.

Welche Vorteile hat Fledermausguano?

Der biologischen Düngeralternative werden zahlreiche Vorteile zugeschrieben:

  • Er kann ganzjährig sowohl draußen als auch in Innenräumen eingesetzt werden.
  • Seine Handhabung ist einfach und unkompliziert.
  • Fledermausguano wirkt ertragssteigernd und verbessert die Entwicklung der Pflanzen.
  • Der Dünger ist geruchsneutral, umweltfreundlich und wirkt langfristig.
  • Er verbessert den Geschmack und die Qualität der Ernte.
  • Zudem sorgt er für eine bis zu 14 Tage frühere Reife.
  • Fledermausguano soll die Vitalität und Abwehrkräfte der Pflanzen positiv beeinflussen. Gleichzeitig werden vorhandene schädliche Bakterien beim Düngen bekämpft.
  • Der Dünger verbessert die Qualität des Bodens, erhöht dessen Speicherkapazitäten, reguliert den pH-Wert des Bodens positiv und weist einen geringen Wasserverbrauch auf.

Welche Pflanzen kann man mit Fledermausguano düngen?

Die Anwendungsgebiete für Fledermausguano sind erfreulich vielfältig. Hobbygärtner können den Dünger für den Obst- und Gemüseanbau, Topf- und Gartenpflanzen, Bäume und neu gepflanzte Stecklinge, neu angelegte Rasenflächen, ebenso wie für bestehenden gesunden oder beeinträchtigten Rasen verwenden.

Auch interessant: Sind Hornspäne die nachhaltige Alternative zu Mineraldünger?

Tipps für die Anwendung

Fledermauskot können Hobbygärtner sowohl in flüssiger Form als auch als festen Dünger verarbeiten. Es kann entweder käuflich erworben werden, aber auch, falls man ein Fledermausquartier sein Eigen nennt, direkt verwendet werden.

  • Zur Vermeidung von Ammoniakverlusten den Dünger (pH 7,5) immer kühl und trocken aufbewahren.
  • Flüssigdünger: Für die Herstellung 2 bis 3 Esslöffel Exkremente mit einem Liter Wasser mischen und das Gießwasser für eine Woche stehen lassen.
  • Der Stickstoff ist einigermaßen vor einer Auswaschung geschützt, allerdings in der Freisetzung auch verzögert. Daher ist es auch vertretbar, die gesamte Düngemenge zur Pflanzung auszubringen. Auf keinen Fall damit bis zur Blüte warten!
  • Fledermausguano kann ebenso gleich ins Beet eingearbeitet werden. Diesen dazu wahlweise vorher mit Lehm mischen. Wichtig: Den Dünger immer einarbeiten, nicht nur aufstreuen!
  • Topfpflanzen: Mit dem hergestellten Flüssigdünger düngen.
  • Blumenkasten: 3 bis 4 Esslöffel Fledermausguano unter die Erde des Blumenkastens mischen.
  • Garten: Bei Starkzehrern, wie Kohl oder Tomaten, den Dünger oberflächlich einharken, sonst regelmäßig über den Kompost streuen.
  • Bei der Dosierung des hochwirksamen Düngers ist es sinnvoll, sich schrittweise an die optimalen Mengen heranzutasten.

Kann Fledermausguano Tollwut übertragen?

Denkt man an Fledermäuse, beschäftigt sich der nachfolgende Gedanke bei vielen, neben der Übertragung von Corona, mit dem Thema Tollwut. „Tollwutviren werden nicht über Kot übertragen“, versichert Dr. Andreas Zahn von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern auf Nachfrage von myHOMEBOOK. Es ist nicht bekannt, dass Tollwut jemals über die Exkremente auf den Menschen übertragen wurde. Wie bei allen tierischen Ausscheidungen lassen sich auch in den Exkrementen von Fledermäusen Bakterien, Pilze und Viren nachweisen. Eine Übertragung von Krankheiten auf Haustiere oder den Menschen durch Fledermauskot wurde in Mitteleuropa jedoch noch nie festgestellt.

Hobbygärtner können deshalb recht unbesorgt sein. Fledermausguano beinhaltet zwar durchaus viele Bakterien. Diese sind allerdings vorrangig für die Zersetzung der Exkremente wichtig. Ausgeschlossen ist es dennoch nicht, dass die Exkremente unter Umständen gefährliche Viren und Bakterien enthalten könnten. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn der Kot mit Exkrementen von Tauben oder Mäusen verunreinigt ist. Im Gegensatz zu Fledermauskot sind durchaus Fälle in Europa bekannt, in denen Krankheitserreger über Mäuse- (Hantaviren) und Taubenkot (Bakterien der Gattung Chlamydia) auf den Menschen übertragen wurden. Deshalb ist es sinnig, den Fledermauskot wie andere Ausscheidungen zu behandeln und entsprechende Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Handschuhe, zu nutzen.

Warum Fledermausguano nicht ganz unbedenklich ist

Die Wirksamkeit des Bio-Düngers ist unumstritten. Für Kritik am Fledermausguano sorgt vielmehr seine Gewinnung. Vor allem Höhlen auf Sardinien, in Andalusien, Arkansas, Texas und Ägypten sind für ihre gigantischen Fledermauskolonien berühmt. Der dortige Abbau von Fledermausguano geht laut Kritikern allerdings mit einer immensen Ruhestörung der Tiere einher.

Die bessere, klimafreundlichere Alternative: Fledermausguano aus hiesigen Gebieten beziehen. In manchen Kolonien fällt der Fledermauskot jährlich in großen Mengen an. Einige Quartierbetreuer und Naturschutzgruppen reinigen deshalb im Winterhalbjahr die Dachböden von den Hinterlassenschaften der Tiere. Im Verlaufe des Jahres verschenken oder verkaufen sie diese für einen geringen Betrag an interessierte Hobbygärtner. Die Erlöse, wie die der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Donau-Ries, kommen im Übrigen zu 100 Prozent dem Naturschutz zu Gute.

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