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Weder mit Schaufel, Spaten noch Harke

Ist Gärtnern ohne Umgraben wirklich umweltfreundlicher?

Auch die Ernte soll beim Gärtnern ohne Umgraben üppiger ausfallen
Auch die Ernte soll beim Gärtnern ohne Umgraben üppiger ausfallenFoto: Getty Images

Gartenwerkzeuge wie Schaufel, Spaten und Harke sind praktische Helfer beim Umgraben – aber gibt es auch eine bessere und vor allem umweltfreundlichere Alternative? Genau das soll ein Gardening-Trend mit sich bringen, der sich angeblich positiv auf den Boden, die Pflanzen und auch die Ernte auswirkt: das Gärtnern ohne Umgraben. myHOMEBOOK hat bei Experten nachgefragt.

Der Trend „No-dig-gardening“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie Gärtnern ohne Umgraben, geht auf den englischen Gärtner und Buchautor Charles Downing zurück. Tatsächlich ist er bereits seit Jahren ein Verfechter dieser umweltfreundlichen Methode, den Garten zu pflegen. Indem man auf den Einsatz von Spaten, Hacke, Kelle oder Schaufel verzichtet, soll der Boden möglichst wenig beansprucht und damit geschont werden. Wie Downing auf seiner Webseite schreibt, könne er mit erfolgreichen Experimenten gute Ergebnisse belegen.

Gärtnern ohne Umgraben – was steckt hinter der Methode?

Beim Gärtnern ohne Umgraben sollen möglichst viele Nährstoffe im Boden verbleiben und das Unkraut soll sich nicht so schnell ausbreiten können. Der Hintergrund: Ein gesunder Erdboden beinhaltet bereits zahlreiche Stoffe, die den Pflanzen beim Wachsen helfen. Dazu zählen beispielsweise Pilzstrukturen, Nematoden und Würmer, die unter der Oberfläche ihre stille Arbeit verrichten. Indem der Mensch möglichst wenig in dieses Mikrosystem eingreift, unterstützt er den natürlichen Zustand des Bodens.

Die Vorteile von Gärtnern ohne Umgraben

Downing hat seine Methode vom Gärtnern ohne Umgraben über Jahre hinweg perfektioniert – konkret seit 1983. Seitdem hat der versierte Gartenprofi eine Reihe von Vorteilen festgestellt, die er auf seiner Webseite beschreibt:

  1. Das Myzel von Pilzen im Boden bleibt intakt. Damit können die Wurzeln von Pflanzen leichter an Nährstoffe und Feuchtigkeit im Boden gelangen. Pilzgeflechte sind viel feiner als Pflanzenwurzeln und können dadurch in kleinste Hohlräume vordringen. Dadurch ist eine Belüftung und Drainage des Bodens garantiert und es resultiert außerdem ein gesundes Wurzelwachstum.
  2. Die Oberfläche des Bodens bleibt stabil, wenn er nicht durch Geräte durchbrochen wird. Dadurch kann man auch bei schlechtem Wetter im Garten arbeiten und versinkt nicht im Matsch.
  3. Die erneute Aussaat geht leichter von der Hand, egal zu welcher Jahreszeit. Einfach die Pflanzen der letzten Ernte herausdrehen, die Reste der Wurzeln im Boden belassen und eine neue Pflanze oder Samen einstecken.
  4. Der Boden muss weniger oft gewässert werden, da die Feuchtigkeit länger im Boden verbleibt. Wird die Oberfläche aufgebrochen, entweicht oder verdunstet das Wasser schneller.
  5. Wärme hält sich länger im Boden, was vor allem während der Wintermonate und bei Bodenfrost eine Rolle spielt. Dadurch soll zudem eine frühere Ernte möglich sein.
  6. Kohlenstoff bleibt länger im Boden und wird nicht so schnell durch Oxidation in CO2 umgesetzt.

Dann bleibt mehr Zeit für die schönen Dinge im Garten – zum Beispiel die Gestaltung.

Lohnt sich also das Gärtnern mit der bloßen Hand?

„Ja, die schonende Bodenbearbeitung mit der Hand ist auf jeden Fall besser“, bestätigt auch Sandra von Rekowski vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V. auf myHOMEBOOK-Anfrage. Denn die im Boden lebenden Organismen sollten möglichst wenig durch eine Bodenbearbeitung gestört werden. Viele von ihnen sind Spezialisten und nur in einer passenden Bodenschicht aktiv.

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Auf welche Gartenwerkzeuge sollte man verzichten?

Einige Gartengeräte sind besonders invasiv und eignen sich deshalb weniger für umweltbewusstes Gärtnern. „Motorfräse und Motorhacke sollten im Schuppen bleiben, denn diese Geräte können die Bodenlebewesen wie Regenwürmer und Asseln schreddern – dadurch fehlen diese Organismen beim Entstehen von wertvollem Humus“, empfiehlt von Rekowski. Andere Werkzeuge hingegen sind besser geeignet. „Zur Bodenbearbeitung geeignet sind Krail, Dreizink, Grubber, Hacke oder ähnliche Geräte, die den Boden nur im oberen Bereich lockern und das Bodenleben somit schonen,“ rät die Gartenexpertin.

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Was tun, wenn Gärtnern ohne Umgraben nicht reicht?

In manchen Fällen kann es vorkommen, dass man beim Gärtnern nicht auf Spaten oder Harke verzichten kann. Wenn beispielsweise der Boden verwuchert ist, kommt man mit bloßen Händen nicht weit. Doch auch dafür hat Downing eine umweltfreundliche Methode, die er in einem Video zeigt: Er benutzt ein Stück Karton und platziert es auf dem Unkraut, darüber kommt etwas Kompost. Das Unkraut stirbt dann ab, weil es kein Licht bekommt, und wird zu natürlichem Dünger im Boden.

Aber auch bei größeren Angelegenheiten im Garten kommt man mitunter nur schwer ohne Geräteeinsatz voran. „Wenn man vorhat, ein Loch zu graben, um beispielsweise einen Baum zu pflanzen, sind Spaten oder Schaufel natürlich unabdingbar – das wäre händisch dann doch etwas zu beschwerlich“, meint von Rekowski. Die werkzeuglose Methode eignet sich demnach hauptsächlich für die Aussaat und Pflege von Pflanzbeeten.