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Kunstvolle Gartengestaltung

Niwaki – wie funktioniert der japanische Baumschnitt?

Niwaki Formschnitt: Ein japanischer Garten mit kunstvoll geschnittenen Gehölzen im Niwaki-Stil
In diesem japanischen Garten wurden Krummholz-Kiefern im Niwaki-Stil beschnittenFoto: dpa picture alliance

Niwaki – das ist keine neue Automarke aus Japan. Sondern eine Technik, Gehölzen einen kunstvollen Formschnitt zu verpassen. Klingt kompliziert, ist jedoch sogar für unerfahrene Hobbygärtner leicht machbar.

Mit etwas Erfahrung, Wissen und Geschick kann man den Garten nach seinen Vorstellungen formen – mitsamt seiner Bäume. Eine besonders effektvolle Form des Baumschnitts ist Niwaki. Die Technik stammt aus Japan, wo sie allgemein zur Gartengestaltung gehört. Dabei werden Stämme nach Wunsch gebogen, einzelne Äste herausgestellt, Kronen wolkenförmig beschnitten. Klingt kompliziert, ist aber gar nicht so schwer. Jeder Hobbygärtner, der sich traut, kann Niwaki auch selbst anwenden. myHOMEBOOK zeigt, wie man aus einem Baum ein wolkiges Gebilde zaubert.

Was genau bedeutet Niwaki?

Fragt man in Japan nach der Bedeutung des Wortes Niwaki, wird jeder fast schnippisch antworten: „Gartenbaum“. Damit gemeint sind jedoch die kunstvoll beschnittenen Bäume, wie sie in jedem japanischen Garten zu finden sind.

Durch Niwaki werden interessante Effekte erzielt. Junge Bäume werden auf älter getrimmt mit knorrigen Ästen und verbogenen Baumstämmen. Andere Bäume sehen aus, als hätte ihnen eine steife Brise zugesetzt oder der Blitz hätte eingeschlagen. Wiederum anderen umwehen Wolken, geschnitten aus dem Blätterwerk.

In gewisser Weise wird bei Niwaki in das natürliche Wachstum des Baumes eingegriffen und unter Kontrolle gebracht. Um die Illusion auf die Spitze zu treiben, werden manche Bäume wie die Japanische Zeder (Cryptomeria japonica) so beschnitten, als seien sie natürlich gewachsen.

Mit dem richtigen Schnitt einen Baum dichter oder lichter wachsen lassen

Mit der richtigen Schnitttechnik kann man steuern, wohin die Äste am Baum wachsen. Die Triebe an einem Ast zeigen schon an, wohin die Reise geht. Wächst ein Trieb zum Stamm hin, wird der neue Ast auch in diese Richtung wachsen. Zeigt der Trieb nach außen, wächst er vom Baumstamm weg. Um eine dichtere Krone zu erzielen, wird der nach außen wachsende Trieb abgeschnitten. Wer eine lichtere Erscheinung erzielen möchte, kappt den Trieb, der zum Baum hin wächst.

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Abbinden der Äste und richtiger Schnitt formt die Zweige zu Wolken

Gut für einen sogenannten Wolkenschnitt im Stlyle des Niwaki eignen sich Gehölze, die eher unregelmäßig gewachsene Zweige aufweisen. Die sollte man herausstellen, indem man andere Zweige abschneidet und den Baum so auslichtet. Die Schnittstellen am Ast müssten anschließend gereinigt werden, damit die Wunde gut verheilt. Bei noch jungen Bäumen verwachsen sich die Schnittstellen besser als bei älteren Gehölzen. Wahlweise nimmt man für den Schnitt eine Astsäge oder eine scharfe Gartenschere.

Um die Wolkenform der Blätter zu erzielen, müssen die Spitzen an den Zweigenden stehen bleiben. Schließlich werden die Zweige beim Wachsen in die gewünschte Form gelenkt, indem man sie mit Schnüren oder Seilen abbindet und diese mit Steinen am Boden beschwert. Das ist alles kein Hexenwerk – nur etwas Geduld ist gefragt.

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Verschiedene Baumformen bei Niwaki

In der japanischen Kunst des Niwaki beschränkt man sich in der Regel auf wenige Gehölze. Buchsbaum, Pinie, Eibe oder Zeder sind die Favoriten der Schnitt-Künstler aus dem Land der aufgehenden Sonne. Folgende Formen werden im Niwaki oftmals kultiviert:

Niwaki mit stufigen Ästen

Geduld ist gefragt: Die typischen Zweige, die wie Stufen wachsen, brauchen Zeit beim Niwaki. Ein gutes Resultat erlangt man bei höheren Gehölzen, die genügend Äste gebildet haben. Tipp: Die Zweige, die man nicht am Baum belassen will, sollte man beschneiden. Junge Bäume können für Niwaki leichter ausgelichtet werden, da hier kaum Spuren von Verzweigungen nach dem Schnitt entstehen.

Niwaki-Zwillinge

Entweder spaltet sich ein meist alter Baum von alleine. Oder man hilft nach, indem man einen jungen Ast unterstützt, nach oben zu wachsen. Das geht am besten bei noch jungen Gehölzen. Ziel: Der Baum bildet einen zweiten Zweig, der stark genug ist. An diesem wiederum wachsen kleine Zweige, die nach Niwaki-Style beschnitten werden.

Gebeugte Bäume

Ein typisches Element in japanischen Gärten sind gebeugte Bäume. Die Stämme werden dabei beim Wachstum so gelenkt, dass sie sich in die eine oder andere Richtung entwickeln. Dabei kommen Seile und beschwerende Steine zum Einsatz. Auch hier heisst es für Hobbygärtner: Geduld wahren. Das Resultat braucht Monate.

Kugeliges Blattwerk

Um eine runde Form beim Blattwerk bei Niwaki zu erzielen, müssen die Äste am Baum kurz gehalten werden. Gar nicht so leicht: Die Zweige sind meist eng gewachsen und beim Schneiden bleibt wenig Platz zum Auslichten. Am besten eignen sich junge oder mittelalte Gehölze, die eine üppige Krone entwickeln. Der Ast darf jedoch nicht zu dick sein.

Mehrere Stämme

Der Blitz hat eingeschlagen. Um solch eine Illusion bei einem Baum zu erzeugen, kommen Seile zum Einsatz. Mit Hilfe von Riemenscheiden und Seilen kann man das Wachstum manipulieren und formen. Tipp: Junge Bäume eignen sich für den Zwiespalt besonders gut. Regelmäßige Wartung ist jedoch notwendig. Denn neu bildende Zweige sollte man abschneiden.

Muschel in der Krone

Spitz nach oben gewachsenes Blätterwerk – sehr elegant. Dieser Niwaki-Effekt ist gar nicht so schwer zu erzielen. Im Grunde ist es eine Kombination aus Stufen und Kugeln. Bei einem hoch wachsenden Baum sollte man die Zweige eher kurz stutzen. Was nachwächst, sollte man kappen. Überdies sollte man jede Krone an den Ästen nach Wunsch gezielt beschneiden.