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Pflege-Tipps

Kann man Essensreste an fleischfressende Pflanzen verfüttern?

Muss man fleischfressende Pflanzen füttern und wenn ja, womit?
Fleischfressende Pflanzen ernähren sich nicht nur von Wasser, wie ihr Name bereits verrätFoto: Getty Images

Fleischfressende Pflanzen sind faszinierend – aber auch anspruchsvoll. Sie vertragen beispielsweise kein Leitungswasser und brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Dabei sind in der Lage, Insekten, Frösche und sogar kleine Beuteltiere zu fressen und zu verdauen. Wie sollte man die Pflanzen füttern?

Fleischfressende Pflanzen – auch Karnivoren oder Insektivoren genannt – stammen ursprünglich aus nährstoffarmen Gebieten. Das ist auch die Erklärung dafür, warum sie ihr „Fressverhalten“ angepasst haben und unter anderem Insekten wie Mücken oder Fliegen verspeisen können. Sie können sich auf diese Weise an extremen Standorten mit überlebenswichtigen Mineralstoffen, wie etwa Stickstoff, versorgen. Hier erfahren Sie, was bei der Pflege von fleischfressenden Pflanzen wichtig ist.

Muss man fleischfressende Pflanzen füttern?

Mithilfe von verschiedenen Fallenarten fangen die fleischfressenden Pflanzen Insekten, die sie über mehrere Tage lang zersetzen und schließlich verdauen. Halter können sie außerdem zusätzlich füttern – aber nur, wenn sie es richtig machen, erklärt ein Experte des Portals „Fleischfressende Pflanzen Berlin“ gegenüber myHOMEBOOK. „Wichtig ist, dass dabei die Lichtverhältnisse stimmen, das Wasser okay ist und, je nach Art, die entsprechende Luftfeuchtigkeit vorhanden ist. Dann bildet die Pflanze genügend Nährstoffe durch die Fotosynthese.“

Wenn man seine Pflanze füttern will, sollte man darauf achten, dass man dafür lebendige Insekten in der richtigen Größenordnung nimmt. Ansonsten können sie nicht gänzlich verdaut werden. Geeignet wären etwa Mücken, Fruchtfliegen oder Stubenfliegen.

Passend dazu: Effektive Tipps, um Fliegen zu vertreiben

Kann man Essensreste an fleischfressende Pflanzen verfüttern?

Davon rät der Experte ab. „Ich habe gehört, dass manche Pflanzen mit Hackfleisch oder Käse gefüttert werden – das stinkt wie Hölle, weil die Pflanze gar nicht so schnell verdauen kann und sich die Nahrung unter strengster Geruchsentwicklung zersetzt.“ Bei der Venusfliegenfalle kommt noch ein anderer Aspekt hinzu: Ihre Beute muss sich bewegen, da sonst keine Verdauungssäfte ausgestoßen werden.

Darf man fleischfressende Pflanzen anfassen?

Es ist natürlich sehr verlockend, die Fallen der fleischfressenden Pflanzen einmal anzufassen. Das ist für den Menschen zumindest nicht giftig, wie der Experte gegenüber myHOMEBOOK angibt. Allerdings kann es der Pflanze schaden – so zum Beispiel bei der Venusfliegenfalle: „Werden die Fallen zu oft zum ‘Zuschnappen‘ gezwungen, durch Finger, Stöckchen oder andere Gegenstände, stirbt erst die Falle, dann die ganze Pflanze ab. Mit dem falschen Gießwasser ist das die Hauptursache für das Eingehen der Pflanze!“

Welche Erde brauchen fleischfressende Pflanzen?

Grundsätzlich raten Experten davon ab, eine normale Blumenerde als Substrat für fleischfressende Pflanzen zu verwenden. Besser eignet sich ein Spezialsubstrat mit hohem Torf-Anteil. Karnivoren können in Hinblick auf Nährstoffe sehr empfindlich reagieren. Deshalb sollte man sie auf keinen Fall düngen.

Welche fleischfressende Pflanze eignet sich für die Wohnung?

Die drei pflegeleichtesten fleischfressenden Pflanzen für die Wohnung sind das Fettkraut, der Sonnentau und die Venusfliegenfalle. Für den Garten eignen sich die fünf unempfindlicheren Arten rote, grüne, gelbe, blasse und Alabama-Schlauchpflanze. Um sie einpflanzen zu können, müssen Sie ein Moorbeet anlegen:

  1. Graben Sie dafür ein etwa 80 Zentimeter tiefes Loch.
  2. Legen Sie das Loch mit Teichfolie aus, damit es wasserfest wird.
  3. Stellen Sie einen umgedrehten Kunststoffeimer auf dem Beetboden auf. Er bildet Wasserspeicher. Später wird dieser durch die Löcher im Eimerboden Wasser aufgefüllt.
  4. Darüber legen Sie eine Schicht Weißtorf, die anschließend bepflanzt werden kann.

Was ist bei der Pflege wichtig?

Da es so viele verschiedene fleischfressende Pflanzen gibt, kann man die Pflegehinweise nicht pauschalisieren. Auf eine Grundregel weist der Experte aber hin: „Grundsätzlich kann man aber sagen, dass fleischfressende Pflanzen unbedingt nährstofffreies, kalkfreies und mineralfreies Wasser benötigen. Die erste Wahl ist hier Regenwasser, die zweite Wahl Osmosewasser. Alles andere geht nicht!“ Folgendes sollte man außerdem beachten:

  • Sie brauchen nährstoffarme Erde (am besten eine Mischung aus Weißtorf und Quarzsand).
  • Man sollte sie nicht düngen.
  • Sie benötigen Wasser im Überfluss. Am besten hält man das Substrat feucht, indem man das Wasser bis zu zwei Zentimeter hoch in einem Untersetzer stehen lässt.
  • Feuchte Luft tut ihnen gut. Daher sollte man sie regelmäßig mit Wasser besprühen und niemals über einer Heizung aufstellen.

Beliebte Arten im Überblick

Venusfliegenfalle

Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) kann sowohl in einem Moorbeet im Garten als auch zu Hause gehalten werden. Wichtig ist nur, dass sie genügend Sonne abbekommt. Ab Herbst ziehen sich die Pflanzen im Freien in der Regel bis auf den Wurzelstock zurück. Gute Züchtungen überleben dann im Winter sogar den Frost. Indoor sollten sie im Winter in einer Umgebung mit fünf bis zehn Grad stehen.

Die Venusfliegenfalle ist eine fleischfressende Pflanze
Die Venusfliegenfalle ist die bekannteste fleischfressende PflanzeFoto: Getty Images

Sonnentau

In unseren Breiten wachsen beispielsweise verschiedene Arten des Sonnentaus (Drosera) in Mooren. Die Karnivore lockt Insekten mit einem Sekret an, dass sie an eng nebeneinanderstehenden Tentakeln auf den Blättern absondert. Da der Sonnentau in der Regel nicht frostfest ist, macht er sich besser als Zimmerpflanze. Allerdings kann man ihn im Sommer ins Freie stellen – wenn man ihn drinnen behält, muss man ihm direktes Sonnenlicht ermöglichen.

Sonnentau
Der Sonnentau (Drosera rotundifolia) ködert seine Opfer mithilfe eines SekretsFoto: Getty Images

Wichtig: Der Sonnentau verträgt Leitungswasser nicht gut, am besten gießt man mit Regenwasser. Alternativ kann man auch eine Mischung aus destilliertem Wasser und einem zehnprozentigen Anteil an Leitungswasser verwenden. Zudem braucht die fleischfressende Pflanze eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 Prozent.

Fettkraut

Fettkraut ist eine fleischfressende Pflanze
Das Fettkraut besticht mit seinen lilafarbigen Blüten Foto: Getty Images

Auch das Fettkraut (Pinguicula vulgaris) kann Indoor und Outdoor gehalten werden. Ähnlich wie ihre beiden Vorgänger braucht sie einen hellen Standort, allerdings keine direkte Sonne. Sie ist aufgrund ihrer lilafarbigen Blüten, die sie im Sommer trägt, eine besonders beliebte fleischfressende Pflanze.

Wasserschlauch

Hübsche Blüten hat allerdings auch der Wasserschlauch (Utricularia) zu bieten. Er sollte in einem Topf in der Wohnung gehalten werden, am besten ohne direkte Mittagssonne.

Kannenpflanze

Kannenpflanzen sind fleischfressende Pflanzen
Optisch ähneln die Kannenpflanzen den SchlauchpflanzenFoto: Getty Images

Kannenpflanzen (Nepenthes) sind besonders empfindlich, deshalb sollte ihr Standort zwar hell sein, aber nicht zu sonnig.

Wie fangen fleischfressenden Pflanzen ihre Beute?

Die umgewandelten Blätter ermöglichen es den Pflanzen, ihre Beute zu fangen. Dabei machen sich die verschiedenen Arten unterschiedliche Fallenarten zunutze:

1. Klebefallen

Der Name verrät die Vorgehensweise schon: Das Insekt bleibt an kleinen Fangarmen hängen, die mit einem Sekret benetzt sind. Danach wird es mithilfe von Enzymen zersetzt.

Die Klebefalle macht sich der Sonnentau zunutze. Über die Größe ihrer Beute entscheidet im Endeffekt die Kraft der Beute selbst. Kleinere Insekten haben schlichtweg nicht genügend Kraft, um sich aus der Falle zu lösen – große mitunter schon.

2. Klappfallen

Diese Falle besteht aus zwei Blatthälften, die bei Berührung zusammenklappen und dadurch das Insekt einschließen. Man kennt sie von der Venusfliegenfalle. Den Fangvorgang kann man laut des Profis in drei Stufen unterteilen.

  1. Durch zweimaliges Berühren der Fühlerborsten innerhalb von 20 Sekunden löst das Insekt die Falle aus. Sie schnappt dann zwar zu, verschließt sich aber noch nicht vollständig, damit kleinere Beute entkommen kann.
  2. Das Insekt versucht aus der Falle zu entkommen, bewegt sich und reizt dadurch weiterhin die Fühlerborsten innerhalb der Falle. Darauf reagiert die Pflanze, indem sie ihre Falle hermetisch verschließt.
  3. Das Insekt bewegt sich weiterhin, wodurch die Verdauungsenzyme freigesetzt werden. Der Verdauungsprozess beginnt.

Wenn dieser abgeschlossen ist – die Dauer ist dabei abhängig von der Größe der Beute – öffnet sich die Falle wieder. Der ausgesaugte Chitin-Panzer des Insekts kann nicht verdaut werden, bleibt deshalb in der geöffneten Falle zurück. Beim nächsten Regen wird dieser dann weggespült, wodurch die Falle wieder fangbereit wird.

3. Saugfallen

Es gibt nur eine fleischfressende Pflanze, die mit Saugfallen arbeitet – die Wasserschläuche. Ihre Fangorgane sind mit Luft gefüllte Fangblasen, durch die Insekten mit Unterdruck eingefangen werden können. Das Einfangen funktioniert mit kleinen und größeren Insekten. Das Verdauen hingegen nicht, wie der Experte im myHOMEBOOK-Gespräch erläuterte. Zu große Kaliber gelangen nicht in den Verdauungstrakt der Pflanze, der sich im unteren Drittel des Schlauches befindet.

4. Grubenfallen

Schlauchpflanzen sind eine Art der fleischfressenden Pflanzen
Schlauchpflanzen können Insekten dank ihrer Trichter gefangen haltenFoto: Getty Images

Diese Fallenart findet man bei beispielsweise bei Schlauchpflanzen. Da die Innenwände ihrer Schläuche zu glatt sind, können sich einmal eingefangene Insekten nicht mehr befreien. Die Größe der Beute wird aufgrund der Öffnung des Fangorgans begrenzt.

5. Reusenfallen

Die Papageien-Schlauchpflanze ist eine fleischfressende Pflanze
Lockstoffe machen die Papageien-Schlauchpflanze zum perfekten Insekten-KillerFoto: Getty Images

Diese Fallenart nutzt die Papageien-Schlauchpflanze. Sie lockt Insekten mit Lockstoffen ins Innere, wo sie aufgrund von kleinen Borsten nicht wieder herauskommen.

Quelle:
Fleischfressende Pflanzen Berlin