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Nachgefragt bei der Baumschule

Warum werden Bäume weiß angestrichen?

Die weiße Farbe an Baumstämmen dient ihrem Schutz vor äußeren Einflüssen
Die weiße Farbe an Bäumen ist eine Art Wellnessbehandlung. Die Kalkfarbe schützt vor Sonne und SchädlingenFoto: iStock/Lex20

Immer wieder sieht man Alleen voll weiß gestrichener Bäume, sowohl im Sommer als auch im Winter. Wozu der Aufwand? Hat es etwa ästhetische Gründe? Nein – denn man kann nicht gerade behaupten, dass es schön aussieht. Es steckt mehr dahinter.

Wie ein weißer Zaun wirken die Bäume am Rand der Landstraße, wenn man daran vorbeifährt. Ganz ordentlich wurden die Stämme mit Farbe eingestrichen. Auch in dem einen oder anderen Garten kann man Menschen beim Streichen ihrer Bäume beobachten. Doch was hat es für einen Sinn? Vorab: Es dient zum Schutz der Bäume.

Wovor müssen Bäume im Sommer geschützt werden?

Es hat mehrere Gründe, warum Bäume weiß gestrichen werden. So wie wir die Sonnencreme brauchen, um unsere Haut zu schützen, so brauchen auch die Bäume einen Schutz vor Sonne und Wärme. „Im Sommer kann es durch starke Sonneneinstrahlung an jungen Bäumen oder Arten mit dünner Rinde zu Sonnenbrand kommen“, verrät Pascal Hardung von der Baumschule Lorberg auf myHOMEBOOK-Anfrage. Weiße Farbe reflektiert die Sonne und dementsprechend auch die Wärme. Des Weiteren können durch die Risse, die im Laufe der Jahre an der Rinde entstanden sind, Schädlinge eindringen. Der Baum ist durch die Risse anfälliger für Krankheiten und Pilzbefall. Dem kann man mit der weißen Farbe ebenfalls vorbeugen.

Wovor müssen Bäume im Winter geschützt werden?

Im Winter müssen die Bäume in erster Linie vor starken Temperaturunterschieden geschützt werden. In der Nacht fallen die Temperaturen stark ab und tagsüber heizt sich der Baum durch die Sonnenstrahlung wieder auf. Dieses Auf und Ab der Temperaturen schadet dem Baum, da die Rinde aufplatzt. Es ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine Zerreißprobe für Bäume.

Bei Frost gefriert zwischen den Zellwänden Wasser, was zugleich den Zellen Wasser entzieht.
Entstehen dabei Eiskristalle, sterben die Zellen ab. Wenn es dann wieder wärmer wird, taut das Wasser und überschwemmt die Zellen. Diese platzen dann auf und geben den Weg frei für Schädlinge.

Doch nicht nur die Temperaturunterschiede durch Tag und Nacht müssen beachtet werden, meint Hardung: „Im Winter wiederum führt die Erwärmung auf der einen Seite (der Sonnenseite, die Südseite) zu einem extrem starken Temperaturgefälle im Vergleich zur kalten, unbeschienenen Rückseite (die sonnenabgewandte Seite, die Nordseite). Infolge dieses starken Temperaturgefälles kommt es zu Rissen im Stamm, die den Baum sehr stark schädigen.“ Ein weiterer Vorteil der Farbe ist, dass hungernde Tiere, wie etwa Hasen, zum Ende des Winters hin keine Rinde abknabbern, da sie durch den Anstrich einen bitteren Geschmack erhält.

Womit werden die Bäume weiß eingestrichen?

Der weiße Anstrich ist völlig ungiftig. Es handelt sich lediglich um Kalk und Pflanzenstärkungsmittel. Im Handel findet man diese meist als Baumschutzfarbe. Neben der sonnenreflektierenden Farbe Weiß ist Kalk antibakteriell, kann also vorsorglich gegen Infektionen des Baums schützen. Außerdem kann der Kalk auch gut für den Boden sein. Durch Regen wird der Anstrich nach und nach vom Baum abgewaschen und versickert im Boden. Wenn der Boden zu sauer ist, kann der abgewaschene Kalk im Bereich der Wurzeln einen höheren pH-Wert erreichen und somit die Wachstumsbedingungen verbessern.   

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Warum werden hauptsächlich Bäume an der Straße angestrichen?

Bäume, die an der Straße stehen, sind durch den vielen Verkehr schon hohen Belastungen ausgesetzt. „Die Umgebung von Straßenbäumen ist meist sehr stark versiegelt. Starke Wärmerückstrahlung von Stein- und Pflasterflächen sowie Reflexionen von Glasflächen wirken auf die Bäume ein. Zudem fehlt bei Straßenbäumen größtenteils jegliche Unterpflanzung, welche beschattend auf den Stamm wirken könnte. Die Stämme sind (alleine schon wegen der Verkehrssicherheit und dem guten Überblick) überwiegend völlig exponiert der Witterung, insbesondere der Sonneneinstrahlung ausgesetzt“, sagt Hardung.

Warum werden Bäume im Wald nicht weiß angestrichen?

An den Straßen sehen wir viele weiß angestrichene Bäume, im Wald hingegen nicht. Die brauchen diesen Schutz nicht, erklärt Hardung: „Im Wald beschatten sich die Bäume gegenseitig. Dies ist quasi deren natürlicher Stammschutz gegen die Sonneneinstrahlung. Nachpflanzungen erfolgen mit sehr kleinen Setzlingen, die sich langsam entwickeln und gemeinsam größer werden und sich so wieder gegenseitig beschatten.“

Ist es sinnvoll, Bäume im Garten weiß anzustreichen?

Auch im eigenen Garten ist es sinnvoll, die Bäume anzustreichen, vorzugsweise junge Obstbäume. Junge Bäume sind durch ihre noch dünne Rinde sehr anfällig für äußerliche Beschädigungen.

Wie geht man dabei vor?

Die Farbe wird auf den Hauptstamm und die unteren Hauptäste aufgetragen. Zuerst muss der Baum von losen Rindenstücken befreit werden, dicke Äste kann man mit einer Bürste bearbeiten. Die Farbe lässt sich besser auf glatten Oberflächen auftragen, daher muss man bei jungen Bäumen die Rinde noch nicht vorbehandeln, sie ist noch schön glatt.

Zum Auftragen der weißen Farbe kann ein handelsüblicher Pinsel verwendet werden. Idealerweise ist es ein freundlicher Tag, damit die Farbe nicht direkt durch Regen wieder abgewaschen wird. Vorzugsweise sollte es auch am Tag davor nicht geregnet haben, damit die Rinde trocken ist.

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Kalkanstrich kann man auch selbst herstellen

Wer nicht auf mitunter teure Anstriche zurückgreifen möchte, kann die Kalkfarbe auch selbst herstellen. Am bekanntesten ist wohl die sogenannte Kalkmilch. Man braucht Wasser, Branntkalk und Kleister, alle diese Zutaten bekommt man im Baumarkt. Im Verhältnis 8:2:1 wird alles miteinander verrührt, es sollte eine homogene Masse entstehen. Um die Haftung an der Rinde zu gewährleisten, sollte das Gemisch noch mindestens zwei Stunden quellen.

Hinweis: Die selbstgemachte Farbe ist eventuell nicht so strahlend weiß wie gekaufte, in ihrer Wirkung aber gleich.   

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