19. Februar 2026, 14:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Erdballenpressen – auch Erdtopfpressen oder Soil Blocker genannt – sind eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Anzuchtgefäßen aus Kunststoff: Mit ihnen lassen sich aus einfacher Erde formstabile Erdballen herstellen. Wie genau sie funktionieren, welche Vor- und Nachteile sie haben, was sie kosten und was eine Expertin dazu sagt, erfahren Sie auf myHOMEBOOK.
Übersicht
- Was ist eine Erdtopfpresse?
- Für wen eignet sich eine Erdtopfpresse?
- Wie funktioniert eine Erdtopfpresse?
- Ist eine Erdtopfpresse besser als normale Anzuchttöpfe und Anzuchterde?
- Vorteile von Erdballenpressen
- Nachteile von Erdballenpressen
- Wo kann man Erdballenpressen kaufen und wie teuer sind sie?
- Alternativen zu Erdtopfpressen
Was ist eine Erdtopfpresse?
Eine Erdtopfpresse kann beim Gemüseanbau viel Arbeit und Zeit einsparen, erklärt Sandra von Rekowski vom Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Es ist eine Presse, aus der man händisch aus Anzuchterde oder ähnlichem Erdwürfel mit einem kleinen Loch in der Mitte pressen kann, in das dann der Pflanzensamen hineingelegt werden kann. Diese gibt es in unterschiedlichen Größen zu kaufen. Auf einen Schlag kann man mit dieser Presse je nach Format mehrere Erdballenpresstöpfchen erzeugen.“ Erdtopfpressen können aus verschiedenen Materialien hergestellt sein. Es gibt Modelle aus Plastik, Holz und Edelstahl, die Preise variieren dabei deutlich.
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Für wen eignet sich eine Erdtopfpresse?
„Kommt darauf an, ob man seine Jungpflanzen sowieso immer selbst vermehrt, oder ob man eher der Typ ist, der sich fertige Jungpflanzen im Gartenmarkt erwirbt. Sinnvoll ist eine Erdtopfpresse allemal, wenn man sowieso immer auf die eigene Anzucht setzt. Damit erspart man sich vor allem den Wust an kleinen Töpfen, die man ansonsten gebraucht hat“, erklärt von Rekowski.
Wie funktioniert eine Erdtopfpresse?
Zur Herstellung der Ballen wird die Erde zunächst gleichmäßig durchfeuchtet, damit sie gut formbar wird. Je nach Phase der Anzucht kommt Anzuchterde oder nährstoffreichere Erde zum Einsatz. Je nach Modell lassen sich unterschiedlich große Ballen pressen. Dafür wird die Erde fest in die Metallform gedrückt, bis diese vollständig gefüllt ist. Anschließend setzt man die Presse auf eine Unterlage und schiebt die fertigen Ballen per Hebel heraus.
Das System erlaubt zudem, größere Ballen mit einer passgenauen Aussparung für kleinere Ballengrößen zu pressen. So kann ein kleinerer Ballen bei Bedarf einfach wie ein Puzzlestück bündig in einen größeren Ballen eingesetzt werden, damit sich die Wurzeln weiter ausbreiten können.
Ist eine Erdtopfpresse besser als normale Anzuchttöpfe und Anzuchterde?
„Der Vorteil ist, dass man auf Anzuchttöpfe verzichten kann. Die Jungpflanzen wachsen direkt in den gepressten Erdballen heran, bevor sie dann idealerweise direkt ins Beet gepflanzt werden. Anzuchterde oder Ähnliches benötigt man als Ausgangsmaterial natürlich weiterhin“, sagt die Expertin. Prinzipiell kann man aber nicht sagen, dass eine Erdtopfpresse besser ist als die Verwendung von Anzuchttöpfen, sie erleichtert einfach die Arbeit und ist ein nützliches Gadget.
Vorteile von Erdballenpressen
- Eine Erdballenpresse hält bei guter Pflege über viele Jahre und ist damit deutlich robuster als manche Anzuchtschale aus Kunststoff.
- Durch die quadratische Form der Erdwürfel lässt sich der Platz auf der Anzuchtfläche effizienter nutzen als mit runden Töpfen.
- Beim Auspflanzen spart man Zeit, weil die Erdballen direkt in die Erde gesetzt werden können, ohne dass man die Pflanze vorher aus einem Topf befreien muss.
- Wer Erdballenpressen zur Anzucht nutzt, reduziert seinen Plastikverbrauch und spart Müll.
- Weil nach dem Auspflanzen keine gebrauchten Töpfe zurückbleiben, reduziert sich die Gefahr der Übertragung von Krankheiten.
- Wenn die Wurzeln am Rand des Ballens auf Luft treffen, stoppt das Längenwachstum der Wurzel an dieser Stelle. Das führt dazu, dass im Inneren des Ballens neue Feinwurzeln gebildet werden.
- Die Jungpflanzen wachsen besser an, weil die Wurzeln beim Umpflanzen nicht gestört oder beschädigt werden.
Nachteile von Erdballenpressen
- Die Anschaffungskosten für eine Erdballenpresse liegen mit 20 bis 45 Euro im Vergleich zu einfachen Kunststofftöpfen recht hoch.
- Das Pressen der Ballen erfordert etwas Übung, weil die Erde genau das richtige Maß an Feuchtigkeit und Bindigkeit braucht.
- Ohne schützende Begrenzung trocknen die Erdballen an der Luft schneller aus, weshalb sie häufiger kontrolliert und bewässert werden müssen.
- Die Ballen können zerbröseln, wenn sie zu trocken werden.
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Wo kann man Erdballenpressen kaufen und wie teuer sind sie?
Erdballenpressen findet man im Gartenfachhandel, bei großen Online-Marktplätzen sowie bei Versandhändlern für (Bio-)Gartenbedarf. Die Anschaffungskosten für gängige Modelle aus Metall, die meist vier bis fünf Ballen gleichzeitig formen, liegen in der Regel zwischen 20 und 45 Euro. Einfach Einsteigermodelle aus Kunststoff oder zum Pressen einzelner Ballen sind mitunter schon ab 10 Euro zu haben.
Alternativen zu Erdtopfpressen
Neben den Erdballenpressen gibt es viele weitere Möglichkeiten, Jungpflanzen vorzuziehen. Zu ihnen gehören Aussaatschalen, Multitopfplatten und Papiertopfpressen:
- Aussaatschalen eignen sich gut für die erste Phase der Anzucht. Die Samen werden flächig in die Schalen gesät und später in größere einzelne Töpfe pikiert.
- Multitopfplatten sind meist aus Kunststoff bestehende wiederverwendbare Anzuchtplatten, die aus vielen verbundenen Einzeltöpfen bestehen und so ein einfaches Aussäen und bequemes sowie platzsparendes Vorziehen von Gemüse und Blumen ermöglichen.
- Papiertopfpressen sind einfache Holzwerkzeuge, mit denen sich aus Zeitungs- oder Packpapier kleine Töpfchen herstellen lassen. Da das Papier schnell verrottet, können die Jungpflanzen samt Topf arbeitsarm ausgepflanzt werden.
Extratipp
„Wirkt die Erde, die man in die Presse füllen möchte, zu locker, kann eine Beimischung von Lehmpulver oder Bentonit die Bindigkeit erhöhen.“