28. September 2025, 4:31 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Wissenschaft hat sich die kuriosesten Namen für verschiedene Pflanzen- und Tierarten überlegt. Das „Aha ha“ ist etwa ein Gras aus Australien. Doch auch die Gartenbaukunst kann da mithalten und hat ein gestalterisches Element für den Garten „Ha-Ha“ getauft. Was sich dahinter verbirgt, verrät myHOMEBOOK.
Ein Zaun oder eine Mauer können im Garten für mehr Privatsphäre sorgen. Für Menschen, die am Grundstück vorbeigehen, ist die Sicht blockiert. Und auch Wildtieren ist der Weg in den Garten zu den schmackhaften Jungpflanzen durch das Mauerwerk verwehrt. Es gibt nur ein Problem: Auch der eigene Blick ist eingeschränkt. Gerade wenn der Garten an Wald oder Wiese grenzt, entfaltet ein weiter Ausblick besonderen Reiz. Die Lösung ist eine unsichtbare Gartenmauer.
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Ha-Ha – eine unsichtbare Gartenmauer
Neben modischer Kleidung aus kostspieligen Stoffen und prächtigen Kutschen, die edle Rösser zogen, war es in erster Linie der Grund- und Landbesitz, durch den aristokratische Familien ihr Vermögen zur Schau stellten. Die Güter wurden von Generation zu Generation vererbt und galten als sichtbares Symbol des familiären Vermögens. Neben den prächtigen Schlössern und Burgen waren auch weite Ländereien eine Möglichkeit, um sich zu rühmen. Wer viel besaß, konnte sich eine angesehene Stellung in der Gesellschaft sichern. Die Bauherren und Gartenkünstler des 18. Jahrhunderts haben sich daher etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine unsichtbare Gartenmauer, genannt Ha-Ha.
Der französische Gärtner Antoine-Joseph Dezallier d’Argenville beschrieb das Konstrukt erstmals 1709 in seinem Buch „La théorie et la pratique du jardinage“ („Die Theorie und Praxis des Gartenbaus“). Es handelt sich um einen tiefen Graben, der an eine senkrechte, oft gemauerte Wand anschließt. Die andere, offene Seite fällt hingegen sanft in die Umgebung ab. Das gestalterische Element aus der Landschaftsarchitektur ist insbesondere in englischen Landschaftsgärten verbreitet, die sich durch eine naturverbundene Gestaltung definieren.
Tipp: In England gibt es zahlreiche alte Anwesen, die ein Ha-Ha besitzen. Dazu zählen unter anderem Stowe in Buckinghamshire, Berrington Hall in Herefordshire und Kingston Lacy in Dorset.
Weite, malerische Ausblicke genießen
Von der Gartenseite aus wirkt die Landschaft durch ein Ha-Ha offen und ununterbrochen – trotz der Barriere. Wer aus dem Anwesen in den Garten blickte, konnte weite, malerische Ausblicke genießen, wie es im Landschaftsgartenstil gewünscht war – äußerst elegant. Als Betrachter fällt es schwer zu sagen, wo der Garten aufhört und wo das freie Feld beginnt. Das Grundstück wirkt durch die unsichtbare Gartenmauer also größer.
Obwohl sie nicht sichtbar ist, wenn man sich auf dem Grundstück aufhält, erfüllt ein Ha-Ha dennoch die Funktion einer üblichen Mauer. Wildtiere oder Unbefugte können durch die im Boden eingelassene Mauer und den Graben den Garten nicht betreten.
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Kuriose Gartenkunst der englischen Geschichte
Woher stammt der Name?
Die versteckte Gartenmauer hat einen kuriosen Namen, der nicht ohne Grund dem bekannten lautmalerischen Ausruf des Erstaunens ähnelt. Die Bezeichnung ist auf Folgendes zurückzuführen: Aus der Ferne ist der versteckte Graben nicht zu sehen. Kommt man ihm hingegen näher und entdeckt ihn, entlockt diese Verblüffung dem einen oder anderen wohl ein „Ha ha!“ oder „Aha!“.
Ha-Ha im eigenen Garten einsetzen
Auch wenn heutige Gärten in der Regel keine parkähnlichen Ausmaße haben, lässt sich ein Ha-ha dennoch einsetzen. Besonders spannend kann der Einsatz der versteckten Mauer sein, um ein Gefühl von Weite zu schaffen und dennoch Räume zu kreieren, die wiederum den Garten gliedern und Spannung erzeugen.
Um den Nutz- vom Ziergarten ohne sichtbare Barriere zu trennen, kann man einen Ha-Ha nutzen. Besonders sinnvoll kann das gestalterische Element sein, um Tiere, wie Hunde oder Hühner, daran zu hindern, bestimmte Gartenbereiche zu betreten – ganz ohne unansehnlichen Maschendraht.
Bei der Umsetzung sollte man das Folgende beachten:
- Die Tiefe sollte etwa 1,20 bis 1,50 Meter betragen, sodass Tiere und Menschen nicht einfach darüber gehen können. Als dezentes Gestaltungselement ist ein kleinerer abgesenkter Graben von 60 bis 80 Zentimetern üblich.
- Als senkrechte Mauer eignen sich sowohl Naturstein, Beton und Holz.
- Die Außenseite sollte sanft abfallen, damit es natürlich wirkt.