22. Oktober 2025, 12:56 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wenn das Herbstlaub fällt, stellt sich vielen Gartenbesitzern eine scheinbar einfache Frage: Soll man die Blätter einfach mit dem Rasenmäher zerkleinern und liegenlassen oder sie lieber aufsammeln? Die Methode verspricht weniger Arbeit und sogar Vorteile für den Boden. Doch ganz so simpel ist es nicht. Zwei Gartenexperten zeigen auf, worauf es beim sogenannten Mulchmähen wirklich ankommt – und wann man besser zum Rechen greift.
Laub nicht auf dem Rasen liegenlassen
Ganz gleich, wie bunt und idyllisch es aussieht – Laub sollte grundsätzlich nicht in größeren Mengen auf dem Rasen verbleiben. „Zu hohe Auflagen fördern Rasenkrankheiten wie Schneeschimmel“, warnt Martin Degenbeck von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Gerade in schattigen Lagen oder bei feuchtem Herbstwetter kann eine dichte Laubschicht schnell problematisch werden.
Das bestätigt auch Dr. Harald Nonn von der Deutschen Rasengesellschaft auf myHOMEBOOK-Anfrage: „Unter dem Laub ist es dunkel, da fühlen sich die Pilzkrankheiten wohl“, erklärt der Profi. „Außerdem haben die Gräser keine Möglichkeit mehr, Photosynthese zu betreiben.“
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Mit „Mulchmähen“ wird Laub zur Nährstoffquelle
Wer dennoch Zeit sparen und dem Rasen etwas Gutes tun will, kann zur Mulchmethode greifen. Das Laub wird mit einem Rasenmäher – idealerweise einem Mulchmäher – fein zerkleinert und bleibt auf der Fläche liegen. „Das organische Material erhöht den Humusgehalt des Bodens, fördert das Bodenleben, erhöht die Wasserspeicherkapazität und wirkt wie ein organischer Dünger“, erklärt Folko Kullmann, Gartenbauwissenschaftler und Autor des Buchs „Gartenlust statt Gartenfrust“.
Mit Blick auf den Klimawandel gewinnt diese Methode an Bedeutung. „Durch die höheren Temperaturen im Sommer und die längere Vegetationsperiode, die mit dem Klimawandel einhergehen, wird mehr organisches Material im Boden abgebaut“, so Kullmann. Daher sei es wichtig, Humus zurückzuführen und möglichst wenig Material zu entfernen – dazu zählen auch Laub und Rasenschnitt.
Auch mit normalem Rasenmäher möglich
Für das Mulchmähen ist nicht zwingend ein Spezialgerät nötig: „Es reicht, wenn man einfach den Auffangkorb weglässt“, sagt Kullmann. Dennoch gibt es eine entscheidende Voraussetzung: „Es dürfen nur wenige Blätter auf dem Rasen liegen“, betont Degenbeck. In der Praxis sammeln sich an den Rändern oft dickere Schichten, außerdem verrotten Blätter mancher Baumarten nur sehr langsam.
Hinweis: Damit das zerkleinerte Material tatsächlich zwischen die Grashalme fällt, ist mitunter mehr als ein Mähdurchgang erforderlich.
Welches Laub sich nicht eignet
Nicht jedes Laub ist zum Mulchen geeignet – im Gegenteil. „Das Laub von Bäumen, das mit Pilzkrankheiten wie der Teerfleckenkrankheit beim Ahorn, Schrotschusskrankheit oder Monilia bei Kirschen oder Minierfliegen bei Rosskastanien befallen ist, sollte komplett entfernt und über den Grünmüll entsorgt werden“, mahnt Kullmann. So könne man zumindest die weitere Verbreitung von Schädlingen und Krankheitserregern eindämmen.
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Mulchmähen oder kompostieren?
Die richtige Vorgehensweise hängt vom Rasen und den örtlichen Gegebenheiten ab. „Eine Laubschicht von 10 bis 15 Zentimetern kann auf einem normalen Spielrasen problemlos kleingemulcht werden und auf der Fläche verbleiben“, erklärt Kullmann. Anders sieht es bei Zierrasen aus: „Bei einem kurz geschorenen Zierrasen ist es besser, das Laub erst zu kompostieren und es dann schon leicht angerottet als Humus einzuarbeiten.“
Degenbeck weist zudem auf einen weiteren Aspekt hin: „Das Falllaub ist zwar kohlenstoffreich, aber nährstoffarm, da die Nährstoffe vor dem Laubfall aus den Blättern herausgewandert sind. Es handelt sich um sehr trockenes Material.“ Auch das sollte bei der Entscheidung berücksichtigt werden.
In vielen Fällen empfiehlt sich ein Mittelweg. Kleinere, gesunde Mengen können gemulcht werden, während dickeres oder krankes Laub besser gesammelt und kompostiert wird – um es später als Mulchmaterial an anderer Stelle zu nutzen. Degenbeck rät: „Das Laub mit einem Sichelmäher bei den Rasenschnitten im Herbst absaugen und zu kompostieren oder als Mulchauflage zwischen den Gehölzen zu verteilen, wo auch wesentlich höhere Mulchschichten möglich sind als beim Rasen.“ So erfüllt das Laub weiterhin eine nützliche Funktion – als Bodenschutz, als Frostschutz oder als Lebensraum für Tiere wie etwa Igel.
Wenige Blätter? Kein Problem
Ein radikales Aufräumen ist nicht immer nötig: „Ein paar Blätter hier und da sind nicht problematisch, denn sie werden rasch von Regenwürmern in ihre Gänge gezogen und dort gefressen beziehungsweise abgebaut“, erklärt Kullmann. Ein natürlicher Prozess, der dem Boden nützt – ganz ohne zusätzlichen Aufwand.
Mit Material der dpa

