18. August 2025, 11:49 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Unkraut jäten gehört wohl zu den unbeliebtesten Gartenarbeiten. Doch wer Wildkräuter zwischen Pflasterfugen einfach stehenlässt, riskiert schnell einen ungepflegten Eindruck. Statt mühsam mit Handschuhen und Gartenwerkzeug zu arbeiten, greifen viele deshalb zum Unkrautbrenner. myHOMEBOOK hat bei einem Experten nachgefragt, worauf beim Abflammen von Unkraut unbedingt zu achten ist.
Das Abflammen von Unkraut geht schneller und schont Rücken sowie Knie. Allerdings ist der Umgang mit offener Flamme nicht ohne Risiko. Immer wieder kommt es vor, dass das Feuer auf andere Bereiche des Gartens oder sogar auf das Haus übergreift, mit teils verheerenden Folgen. Wird ein Brand durch einen Unkrautbrenner ausgelöst, droht den Verursachern in der Regel ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung.
Ist Unkraut abflammen verboten?
Es gibt kein Gesetz, das das Abflammen von Unkraut auf privaten Flächen wie dem eigenen Garten untersagt. Hobbygärtner benötigen auch keine Genehmigung, um mit einem Unkrautbrenner die Fugen der Pflastersteine zu bearbeiten. Thomas Pellert vom Landesfeuerwehrverband Brandenburg ergänzt: „Kommunal kann es aufgrund von besonderen Umständen jedoch Einschränkungen geben, zum Beispiel bei extremer Trockenheit, Hitze und Wassermangel.“ Ist man sich unsicher, welche Beschränkungen in der eigenen Kommune oder Stadt vorliegen, lohnt es sich, bei dem zuständigen Amt nachzufragen.
Wie brennt man Unkraut richtig ab?
Anders als man vielleicht vermutet, werden die Pflanzen mit einem Unkrautbrenner nicht direkt verbrannt. Das Abflammgerät erhitzt das Kraut auf etwa 100 Grad Celsius. Dadurch gerinnt das Eiweiß in den Pflanzen und die Zellwände werden zerstört. Die Pflanze geht ein und kann anschließend leichter entfernt werden. Erkennt man bei der Anwendung, dass sich an der Pflanze Flammen bilden, verwendet man den Brenner falsch.
Zum Abflammen von Unkraut eignet sich ein windstiller und trockener Tag. Feuchtigkeit würde den Vorgang des Erhitzens nur unnötig verzögern. Der Brandschutzexperte rät: „Noch vor dem Einsatz des Abflammgeräts gilt es, loses, brennbares Material zu beseitigen.“ Dazu zählen etwa Laub und Äste. Mit einem Besen lassen sich diese am besten beseitigen. Anschließend bearbeitet man die Fugen langsam mit dem Unkrautbrenner. Dabei gilt es, die Bedienungsanweisung des Herstellers zu beachten. Zum Schluss wird das Unkraut mit einem Besen entfernt.
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Unkraut abflammen: Sicherheitsregeln
Beim Umgang mit Gas und Flamme ist Vorsicht geboten. Um die Gefahr eines Brandes zu verringern und auch die eigene Sicherheit zu gewährleisten, sollte man folgende Dinge beachten:
- „Es gilt erhöhte Vorsicht bei starkem Wind“, so Pellert. Der Wind kann Flamme und Funken leicht weitertragen.
- Außerdem: „Angrenzende Flächen sollte man vorher bewässern.“
- Die Gasflasche des Brenngeräts sollte nie zu nah an der Flamme stehen.
- Der Experte rät dazu, Löschgeräte wie Feuerlöscher, Gartenschlauch und Ähnliches bereitzulegen.
- „Für die eigene Sicherheit trägt man am besten lange Kleidung und geschlossene Schuhe“, so Pellert.
- Kinder, Haustiere und im Garten lebende Tiere sollte man ebenfalls im Blick haben.
Wo darf man Unkraut abflammen – und wo nicht?
Auf gepflasterten Flächen ist es erlaubt, Unkraut mittels Hitze zu entfernen. Das Brandschutznaturgesetz besagt jedoch:
„Es ist verboten, die Bodendecke auf Wiesen, Feldrainen, Hochrainen und ungenutzten Grundflächen sowie an Hecken und Hängen abzubrennen oder nicht land-, forst- oder fischereiwirtschaftlich genutzte Flächen so zu behandeln, dass die Tier- oder Pflanzenwelt erheblich beeinträchtigt wird.“
§ 39 Brandnaturschutzgesetz
Handelt es sich also nicht um einen gepflasterten Weg, sondern eine grüne Fläche, auf der man Unkraut entfernen möchte, darf man keinen Unkrautbrenner einsetzen.
Wie lange hält die Methode?
Hobbygärtner müssen bei dieser Methode der Unkrautentfernung damit rechnen, dass die Pflanzen zunächst üppiger wachsen als zuvor. Die Hitze begünstigt nämlich bei verschiedenen Wildkräutern das Wachstum. So muss man am Anfang etwa alle zwei Wochen das Unkraut abflammen. Mit der Zeit verkümmern die Wurzeln jedoch mehr und mehr. Geschwächt wachsen sie erheblich weniger, sodass man nur etwa einmal im Monat das Unkraut entfernen muss.
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Welches Gerät eignet sich zum Abflammen von Unkraut?
Zum Abflammen von Unkraut gibt es Geräte, die elektrisch sind oder aber mit Gas betrieben werden. „Beim Kauf sollte zwingend auf die CE-Kennzeichung auf dem Gerät geachtet werden. Nur so ist gewährleistet, dass das Gerät den europäischen Normen und Sicherheitsbestimmungen entspricht“, erklärt Pellert.
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Vor- und Nachteile
Das Abflammen von Unkraut birgt sowohl Vor- als auch Nachteile.
Vorteile
- Es ist schonend für den Körper, da man die Arbeit im Stehen verrichtet.
- Es ist effektiv.
- Das Abflammen von Unkraut ist verhältnismäßig schnell.
- Das Abflammen von Unkraut ist nicht giftig.
Nachteile
- Beim Abflammen von Unkraut werden nicht nur Pflanzen, sondern auch die dort lebenden Kleinstlebewesen getötet.
- Es handelt sich um eine kostenintensivere Methode, um Unkraut zu entfernen. Vier Gaskartuschen kosten etwa 20 Euro – oder mehr.
- Beim Abflammen entsteht CO2 – alles andere als umweltfreundlich.
- Trotz Sicherheitsvorkehrungen kann es passieren, dass umliegende Pflanzen in Brand geraten. Folgen können nicht nur hohe Kosten, sondern auch ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung sein.
Ist das Abflammen von Unkraut sinnvoll?
Laut des Experten sei das Risiko beim Einsatz eines Abflammgeräts überschaubar, wenn man die Hinweise berücksichtigt. Trotzdem besteht auch dann immer die Gefahr, dass ein Funke doch einen trockenen Bereich des umliegenden Bereichs erreicht. Aus einem Funken kann dann eine ernst zu nehmende Gefahr für Hobbygärtner, Familie, Nachbarschaft und Rettungsmannschaft entstehen.
Die Hitze – ob mit oder ohne Flamme – trifft zudem immer auch die Fauna. Kleine Lebewesen wie Insekten kommen auf grausame Art und Weise ums Leben. Am Ende ist es wie so oft eine Entscheidung, die jeder Hobbygärtner selbst treffen muss. Ein Verbot gibt es nicht.
Alternativ kann man die Fugen zwischen Steinplatten auch gezielt bepflanzen. Auf diese Weise spart man sich das Unkrautentfernen komplett. Es eignen sich Pflanzen wie Mauerpfeffer, Sternmoos oder auch Horn-Sauerklee.