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Erste Hilfe

Was man tun kann, wenn ein Vogel aus dem Nest gefallen ist

Vogel im Nest
Ein Stieglitz kümmert sich um seinen NachwuchsFoto: Getty Images

Vögel bereichern den Garten in vielerlei Hinsicht. Besonders schön ist es, wenn Amsel, Spatz und Meise ihre Jungen im eigenen Garten großziehen. Wie man richtig handelt, wenn eines der Jungvögel aus dem Nest fällt, erklärt myHOMEBOOK.

Bemerkt man, dass eine Vogelfamilie ein Nest im Garten gebaut hat, kann das ein Grund zur Freude sein. So kann das ein Zeichen dafür sein, dass der eigene Garten gesund ist. Zudem wird man durch die Vögel in der Nähe vermutlich weniger lästige Mücken finden – ein wahrer Segen. Leider kann die Idylle gestört werden, wenn man sieht, dass ein Vogel aus dem Nest gefallen ist. Sollte man das Küken im Garten sitzen lassen oder ihm helfen?

Sollte man den Vogel wieder zurück in das Nest setzen?

Tatsächlich ist es möglich, einen Jungvogel wieder in sein Nest zu setzen. „Anders als bei Säugetieren stören sich Vogeleltern nicht am menschlichen Geruch“, weiß Martin Rümmler vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Der Experte rät zur Vorsicht, um weder das Nest zu beschädigen noch die Geschwister und Altvögel zu stören. Doch Vorsicht: Nicht jeder Vogel ist auch wirklich aus dem Nest gefallen. Bevor man also jeden Jungvogel, den man im Garten findet, in ein Nest setzt, sollte man prüfen, ob der Vogel überhaupt Hilfe benötigt.

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Woran erkennt man, ob der Vogel Hilfe braucht?

Weiß man sicher, aus welchem Nest der Vogel gefallen ist, sollte man ihn nur wieder hineinsetzen, wenn es sich um ein Nestling handelt. „Nestlinge erkennt man leicht daran, dass sie entweder nackt sind oder ein nicht komplett ausgebildetes Gefieder haben“, erklärt der Experte. Ebenfalls sollte man den Tieren helfen, wenn sie verletzt sind oder sich in akuter Gefahr befinden. Eine Gefahrenquelle stellen zum Beispiel andere Tiere, Menschen oder der Verkehr dar.

Ein besonderer Fall sind Mauersegler. „Sie kommen natürlicherweise nicht auf den Boden und sind in einer solchen Fundsituation immer hilfsbedürftig“, meint Rümmler. Laien können Mauersegler leicht mit Schwalben verwechseln, obwohl sie deutlich größer sind. Sie haben ein dunkelbraunes Gefieder mit einer weißen Kehle.

Die Zehen der Mauersegler (Apus apus) zeigen im Gegensatz zu ihren Artgenossen alle nach vorne. Bei andere Vögel zeigt ein Zeh nach hinten und nur drei nach vorne
Die Krallen der Mauersegler (Apus apus) zeigen im Gegensatz zu ihren Artgenossen alle nach vorne. Bei anderen Vögel zeigt ein Zeh nach hinten und nur drei nach vorneFoto: Getty Images

Was bedeuten die Bettelrufe der Vögel?

„Ist der Jungvogel hingegen größtenteils befiedert, wirkt mobil und aufmerksam, steht oder sitzt selbstständig und ist durch keine akute Gefahr gefährdet, sollte man das Tier sitzenlassen“, so der Experte. Das gilt auch, wenn das Tier Bettelrufe äußert und durch die Alttiere gefüttert wird. Oft werden diese Rufe von Menschen falsch interpretiert. „Es kommt vor, dass gesunde, flügge Jungvögel voreilig mitgenommen werden“, ergänzt Rümmler. Und weiter: „Die Jungvögel sind nach dem Verlassen des Nests noch nicht selbstständig und werden in der Regel noch eine Weile von ihren Eltern weiter gefüttert.“ Durch die Bettelrufe halten sie Kontakt mit den Altvögeln, während sie in der Umgebung umherlaufen, -hüpfen, -springen, -flattern und -fliegen.

Es wäre also keine Hilfe, solche Tiere großzuziehen oder in eine Auffangstation zu bringen. Im Gegenteil: Nicht nur nimmt man den Tieren die Möglichkeit, auf natürliche Art und Weise groß zu werden. Auch die Kapazität der Auffangstationen würde man mit dem eigentlich kerngesunden Tier unnötig belasten.

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Wie kann man einem jungen Vogel helfen?

Stellt man fest, dass das Tier tatsächlich Hilfe benötigt, ist die Art der Hilfe situationsabhängig. Am besten beobachtet man die Tiere aus sicherer Entfernung. Rümmler rät: „Bei akuter Gefahr sollte man sofort handeln und das Tier an einen sicheren Ort in der Nähe setzen.“ Auf diese Weise befinden sich die Jungvögel weiterhin in Rufnähe ihrer Eltern.

Bei offensichtlichen Verletzungen (Blut, Hinken, Lahmen) oder Krankheit (geschlossene Augen, Atemnot) empfiehlt der Experte des NABUs dazu, eine Wildtier- oder Vogelauffangstation zu kontaktieren. Von einer eigenen Aufzucht der Tiere ist dringlichst abzuraten. „Die Jungenaufzucht ist sehr aufwendig, da sie tier- und artgerecht sein sollte.“

Wie findet man eine passende Rettungsstelle?

Man kennt das Szenario aus Filmen: Menschen ziehen Wildtiere groß und es entsteht ein ganz besonderes Band zwischen ihnen. In der Realität sollte man jedoch das Wohl des Tieres an erster Stelle sehen und die eigenen Wünsche nach hinten schieben. Obwohl die Aufzucht eines Jungvogels gelingen kann, ist die Überlebenschance wesentlich geringer, als wenn man die Tiere in die Hand von Experten gibt.

Hier verfügen die Menschen nicht nur über die nötige Expertise und wissen bei Notfällen richtig zu handeln, sondern haben auch die richtige Ausstattung, um den Vogel großzuziehen. Dem eigenen Schlafrhytmus tut man damit auch einen großen Gefallen. Jungvögel brauchen so wie die meisten Tierkinder ihre Nahrung in stündlichen Abständen – auch in der Nacht.

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