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Experte im Gespräch

Sollte man Vögel auch im Sommer füttern?

Im Sommer sollte man im eigenen Garten die Futterstellen für Vögel nicht befüllen
Im Sommer sollte man im eigenen Garten die Futterstellen für Vögel – hier etwa ein Rotkehlchen – nicht befüllenFoto: Getty Images

Im Sommer fliegt kein Vogel in den Süden. Immerhin ist es zu dieser Jahreszeit hierzulande warm genug und es gibt ausreichend Nahrung – oder? Das Insektensterben bereitet den heimischen Vögeln bei der Nahrungssuche allerdings Probleme. Sollte man den Tieren also auch im Sommer Futter anbieten?

Ohne Zweifel kann es Vögeln weiterhelfen, wenn man ihnen im Winter das richtige Futter bereitstellt. Viele wollen den Tieren auch im Sommer helfen und befüllen daher fleißig Futterspender und Vogelhäuschen. Denkt man daran, dass in dieser Zeit nicht nur mehr Vögel durch die heimischen Gärten fliegen, sondern auch durch die Brut ein erhöhter Nahrungsbedarf besteht, macht die Vogelfütterung im Sommer durchaus Sinn. Jedoch spricht auch einiges dagegen. myHOMEBOOK hat bei Martin Rümmler vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) nachgefragt, was dafür und dagegen spricht.

Das Insektensterben hat Folgen für die Vögel

Tiere sind bei der Suche nach Futter mal mehr und mal weniger erfolgreich. So ist es sogar in der Natur vorgesehen, dass das Angebot an Futterquellen – seien es pflanzliche oder tierische – schwankt. Auf diese Weise bleibt das Ökosystem im Gleichgewicht. Nun ist es jedoch so, dass der Mensch einen großen Einfluss auf seine Umwelt hat. Durch die Kultivierung von Ackerflächen und Gärten bestimmen wir direkt, was, wo und wie viel davon wächst. Immer beliebter werden in hiesigen Gärten exotische Pflanzen. Heimische Tiere, wie etwa Insekten, sind jedoch auf heimische Gewächse angewiesen.

Wer nun meint, dass man doch gut und gerne auf Heuschrecke und Co. verzichten kann, der hat falsch gedacht. In einem Ökosystem sind die einzelnen Bestandteile aufeinander angewiesen. Vögel sind zum Beispiel direkt davon betroffen, wenn es weniger Insekten gibt. Immerhin ernähren sie sich neben Beeren und Samen zu einem großen Teil von Mücken, Faltern und Blattläusen. So kann ein einzelnes Kohlmeisenpaar zwischen 35 und 75 Kilogramm Insekten pro Jahr verdrücken.

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Das spricht für das Füttern im Sommer

Insbesondere für die Aufzucht ihrer Jungtiere sind die Altvögel auf Insekten angewiesen. Im Frühling und im Sommer haben Altvögel allerhand zu tun. Dann gilt es viele hungrige Schnäbel zu stopfen. Füttert man Vögel also auch in dieser Zeit, dann erleichtert das laut des Experten die Nahrungsversorgung der Elterntiere. „Die möglicherweise knappe Insektenbeute kann dann an die Jungvögel verfüttert werden“, erklärt Rümmler. Und weiter: „Auch flügge Jungvögel, die zum ersten Mal auf sich alleine gestellt sind, haben durch das Futter eine bessere Überlebenschance.“

Was dagegen spricht, Vögel im Sommer zu füttern

Je nach Jahreszeit benötigen die Tiere unterschiedliche Nährstoffe. Während im Winter ein Meisenknödel mit hohem Fettanteil genau das Richtige ist, würde dieser im Sommer eher schädlich sein. Natürlicherweise füttern die Altvögel ihre Jungen mit fettarmen Insekten. Fettreiches Winterfutter wäre somit nicht nur schlecht für die Elterntiere, sondern auch für das Gelege und die Jungvögel. „Eine proteinreiche Insektennahrung benötigen die Jungen für ihre Entwicklung“, informiert Rümmler.

Ein weiterer Punkt, der gegen die Fütterung im Sommer spricht, ist, dass große Körner, Samen und Nüsse auch an Jungvögel verfüttert werden können. Das birgt zum einen die Gefahr, dass die Tiere daran ersticken. „Zudem können Sonnenblumenkerne und Erdnüsse zu tödlichen Magen-Darmverschlüssen führen“, so der Nabu-Experte. Hinzu käme, dass Infektionen im Sommer leichter übertragen werden können, insbesondere an Plätzen, an denen sich viele Tiere aufhalten: „Die Vogeldichte und die hohe Temperatur begünstigt die Erregervermehrung- und Ausbreitung von Vogelkrankheiten an der Sommerfutterstelle“, erläutert Rümmler.

Vögel im Sommer füttern: Das gilt es zu beachten

Obwohl es verschiedene Punkte gibt, die gegen die Vogelfütterung im Sommer sprechen, kann man die Probleme relativ leicht beheben. Laut des Experten gibt es zum Beispiel eine Möglichkeit, anstatt der winterlichen Fettnahrung Kleinsaaten und vor allem proteinreiche Insektennahrung für die Jungenaufzucht anzubieten. „Dafür eignen sich unter anderem Saatgut von Brennnesseln, Birke, Flachs, Disteln, Wegerich und verschiedenen Gräsern“, zählt Rümmler auf. Im Handel werden solche Mischungen oft als Waldvogelfutter angeboten.

Möchte man an die Tiere auch Insekten verfüttern, dann sollte man laut des Vogelschutzexperten nicht auf getrocknete Mehlwürmer und Grillen zurückgreifen. Diese haben nicht nur einen zu hohen Fett-, sondern auch einen zu hohen Salzanteil. Beides gilt es im Sommer unbedingt zu vermeiden. „Besser sind lebende, frischtote oder aufgetaute Insekten“, meint Rümmler. Dabei gilt es jedoch besonders, auf die Hygiene zu achten. Vogelhaus und Futterspender sollte man also regelmäßig reinigen. „Kommt es dennoch zu Krankheits- oder Todesfällen an der Futterstelle, sollte man die Fütterung für einige Wochen aussetzen“, empfiehlt der Vogelexperte. Dadurch kann man die Ausbreitung der Erreger vermeiden.

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Weitere Tipps, um Vögeln zu helfen

Obwohl eine Vogelfütterung im Sommer – mit dem richtigen Futter – eine Entlastung für die Tiere darstellen kann, hilft man den Vögeln am meisten, wenn man einen naturnahen Garten anlegt. Auf diese Weise können Amsel, Meise und Rotkelchen auf eigene Faust nach Nahrung suchen – so wie es sein soll. „Für einen vogelfreundlichen Garten eignen sich Wildstauden“, rät der Experte. Eine große Vielfalt an heimischen Pflanzen bedeutet im Umkehrschluss auch mehr Insekten, die sich zum Beispiel von dem Nektar der Gewächse ernähren. Diese sind wiederum die ideale Nahrungsquelle für die Alt- und Jungvögel im Sommer.

Heimische Heckenpflanzen bieten zudem einen Lebensraum für verschiedene Insektenarten sowie Nist- und Versteckmöglichkeiten für die Vögel. „Verzichten sollte man dabei auf Zuchtformen mit gefüllten, also sterilen, Blüten. Diese haben nur wenig oder gar keinen Pollen“, erklärt Rümmler. Wichtig ist es ebenfalls, keine Pestizide zu verwenden. Diese sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern dezimieren auch die Nahrungsquelle für die Federtiere.

Hobbygärtner neigen dazu, im eigenen Garten aufzuräumen. „Falllaub, Reisig, Totholz, Wildkräuter im Rasen und verblühte Pflanzen sollte man jedoch für einen vogelfreundlichen Garten stehen oder liegen lassen.“ Hier tummeln und laben sich Insekten und schließlich auch Vögel. Rümmel fordert auf, Unordnung im Garten auch mal zuzulassen.

Weitere Tipps: Wie kann man den Garten vogelfreundlich gestalten?

Weitere vogelfreundliche Maßnahmen sind zum Beispiel:

  • Nisthilfen
  • Vogeltränke
  • große Fensterfronten gegen Vogelschlag bekleben
  • Sandstellen für Insekten und Vogel-Sandbäder
  • Lehmpfützen (für Schwalben)
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