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Für viele Früchte

Was man beim Schneiden von Weinreben beachten sollte

Beim Schneiden von Weinreben sollte man ein paar Dinge beachten
Beim Schneiden von Weinreben sollte man ein paar Dinge beachten Foto: GettyImages/Maksim Safaniuk
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Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

10. August 2026, 6:10 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Wo eine Weinrebe wächst, ist die Schere nicht weit. Denn Wein muss man schneiden, um gute Erträge zu erzielen und die ungestüm wachsende Pflanze unter Kontrolle zu halten. myHOMEBOOK verrät, worauf es beim Rebschnitt ankommt und worauf man achten sollte.

Wenn man Weinreben nicht schneidet, bilden sie massenhaft Früchte. Nur taugen sie wenig: Sie werden klein und sauer und nie richtig reif, weil die Rebe weit mehr Trauben ansetzt, als sie versorgen kann. Zu viel auf einmal? Das kennt man im Garten auch anderswo. Tomaten werden ausgegeizt, damit die Kraft in die Früchte geht und nicht in die Seitentriebe. Bei Apfelbäumen gibt es den sogenannten Junifall, bei dem sich der Baum überschüssiger Äpfel von selbst entledigt. Hängen nach dem Junifall noch immer zu viele Früchte am Baum, ist es ratsam, händisch noch ein wenig mehr auszudünnen. Auch bei Weinreben ist Schneiden Pflicht, wenn man qualitativ hochwertige Trauben ernten möchte. Jahr für Jahr müssen jberzählige Triebe und altes Holz weggeschnitten werden.

An welchem Holz die Trauben wachsen

Trauben wachsen an den Trieben, die im selben Jahr frisch austreiben. Diese Triebe kommen aus dem Holz, das im vergangenen Jahr gewachsen ist. Das ältere Holz darunter trägt selbst nichts mehr, es bildet nur das dauerhafte Gerüst. Beim Schnitt im späten Winter nimmt man die Triebe heraus, die im Vorjahr Früchte getragen haben, lässt aber ein Stück junges Holz mit ein paar Knospen stehen. Aus diesen Knospen treiben im Frühjahr die neuen Fruchttriebe. So wird das Fruchtholz Jahr für Jahr erneuert. Wie viel von der Pflanze dauerhaft als Gerüst stehen bleibt, hängt vom Erziehungssystem ab.

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Was passiert, wenn man nicht schneidet

Eine Weinrebe, die sich selbst überlassen bleibt, kippt ins Übermaß. Zu den vielen kleinen, sauren Trauben kommt mit den Jahren ein zweites Problem: Die Rebe versorgt immer ihre obersten Knospen am stärksten und baut von dort aus Stockwerk um Stockwerk nach außen. Das gute Fruchtholz wandert mit, immer weiter vom Stamm weg, während das alte Holz im Inneren verkahlt. Dazu kommt das dichte Laub, das die Luft nicht mehr zirkulieren lässt. Ein ideales Klima für Pilzkrankheiten wie Mehltau.

Der Winterschnitt: Zeitpunkt und Schnittmenge

Im Winter, wenn die Rebe kahl ist und die Pflanze noch nicht im Saft steht, legt man die Struktur für das gesamte kommende Jahr fest. In dem laublosen Zustand lässt sich gut überblicken, welches Holz alt und verbraucht ist, welche der vorjährigen Triebe kräftig genug sind, um in diesem Jahr die Fruchttriebe zu bringen, und welche entfernt werden müssen. Kräftig genug heißt konkret: etwa bleistiftdick, mit hellbrauner Rinde.

Das beste Zeitfenster liegt im Spätwinter, etwa von Februar bis Anfang März, vor dem Austrieb und an einem frostfreien Tag. Schneidet man zu spät, wenn der Saftstrom schon eingesetzt hat, blutet die Rebe an den Schnittstellen.

Bluten von Weinreben
Das sogenannte Bluten beschreibt das Austreten von klarem Pflanzensaft, der überwiegend Wasser enthält und gelöste Mineralstoffe aus den Wurzeln in die Triebe transportiert. Dieses Bluten kann überraschend heftig sein und lange dauern. Meist übersteht die Pflanze das. Trotzdem ist es besser, so früh zu schneiden, dass es gar nicht erst dazu kommt.

Die Menge der Triebe, die beim Winterschnitt entfernt werden, überrascht viele: Bei etablierten Reben werden häufig rund 80 bis 90 Prozent des einjährigen Holzes entfernt. Die Rebe sieht danach erschreckend kahl aus. Die erste eigene Rebe schneidet fast jeder zu zaghaft, aus Sorge, ihr zu schaden und die Ernte zu minimieren. Die Sorge ist aber unbegründet: Der häufigere Fehler ist der umgekehrte, nämlich zu wenig wegzunehmen.

Der Sommerschnitt: Licht und Luft für die Trauben

Im Frühsommer kommt ein zweiter, leichterer Eingriff. Triebe ohne Fruchtansatz werden ausgebrochen, die wachsenden Fruchttriebe am Spalier befestigt und in der Länge begrenzt. Das lenkt die Kraft der Pflanze dorthin, wo sie gebraucht wird, und bringt Licht und Luft an die Trauben.

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Bogen oder Kordon: zwei Schnittsysteme

Fürs Weinreben schneiden gibt es zwei verschiedene Systeme: den Bogen und den Kordon.

Bogen

Bei der Bogenerziehung, klassisch im Weinberg und am Spalier, wird das dauerhafte Gerüst auf ein Minimum reduziert: den Stamm bis zu seinem verdickten oberen Ende, dem Kopf, den man etwa auf Hüfthöhe setzt. Jedes Jahr wählt man beim Winterschnitt ein bis zwei kräftige Triebe, die im Vorjahr gewachsen sind, kürzt sie auf acht bis zwölf Knospen und bindet sie gebogen am Spalierdraht fest. Aus den Knospen des Bogens treiben im Frühjahr die Triebe aus, die dann die Trauben tragen. Danach ist der Bogen verbraucht und wird im nächsten Winter ganz entfernt. Für jeden entfernten Bogen sollte man einen Ersatzzapfen stehen lassen: einen der neuen Triebe, auf zwei Knospen eingekürzt. Alle übrigen Triebe kommen ganz weg. Aus dem Ersatzzapfen wächst das Holz für den neuen Bogen.

Kordon

Beim zweiten System, dem Kordon, typisch für Hauswände oder Pergolen, bleibt mehr stehen als bei der Bogenerziehung. Wie hoch der Stamm dabei wird, richtet sich nach der Fläche: An einem niedrigen Spalier bleibt er ähnlich niedrig wie beim Bogen, an einer Pergola oder hohen Wand führt man ihn deutlich weiter hinauf. Einige waagrechte Äste, die vom Stamm ausgehen, sind dauerhaft und werden von Jahr zu Jahr dicker. Triebe, die an ihnen im Sommer gewachsen sind, kürzt man im Winter auf kurze Stummel mit zwei Knospen ein, die Zapfen. Aus den Knospen treiben im Frühjahr die neuen Triebe, die dann die Trauben tragen. Im Winter darauf schneidet man den jeweils oberen Trieb ganz weg, kürzt den unteren wieder auf zwei Knospen, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Beide Systeme folgen demselben Prinzip. Der Unterschied liegt allein darin, wie viel Gerüst dauerhaft bleibt: Der Kordon deckt mit seinem festen Geäst eine Fläche, eine Wand oder Pergola, und bleibt über Jahre. Der Bogen hält den Stock klein und wird jeden Winter fast ganz erneuert. In beiden Fällen gilt für den Schnitt dasselbe: ein bis zwei Zentimeter über der obersten Knospe, die stehen bleiben soll, leicht schräg und mit der Schnittfläche von ihr weg geneigt.

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Was bedeutet das für den eigenen Garten?

Setzt man eine junge Rebe neu, sollte man in den ersten zwei bis drei Jahren bewusst auf Ertrag verzichten und stattdessen Stamm und Gerüst aufbauen. Eine gut aufgebaute Rebe schneidet sich in den Folgejahren deutlich einfacher und ist zudem ertragreicher.

Übernimmt man eine ältere, ungeschnittene Rebe, sollte man sich zuerst das älteste und dickste Holz suchen. Von dort aus orientiert man sich, was als Gerüst stehen bleibt und was weg kann. Fürs einjährige Holz genügt eine scharfe, saubere Gartenschere. Für altes, dickes Holz braucht es dagegen eine Astschere oder eine kleine Säge.

Ob alte oder neue Rebe, am Ende läuft alles auf eine einzige Frage hinaus: wie viel man wegnimmt. Soll die Rebe eine Wand bedecken, bleibt mehr dauerhaftes Gerüst stehen. Soll sie kompakt bleiben und große Trauben tragen, nimmt man jeden Winter fast alles bis auf den Kopf zurück. Das System wird einmalig gewählt und jedes Jahr entsprechend geschnitten.

Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

Mein essbares Dach

„In meinem alten Reihenhausgarten hatte ich links und rechts an den Trennwänden zu den Nachbarn je eine Weinrebe. Ich habe sie nie so stark geschnitten, wie es für den optimalen Ertrag nötig gewesen wäre. Stattdessen habe ich die Triebe von beiden Seiten über Drähte zur Mitte geführt, bis sie gemeinsam ein Dach bildeten. Die Trauben blieben daher vermutlich weit unter ihren Möglichkeiten, aber das Dach hat diesen Verlust mehr als ausgeglichen.“

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