11. April 2026, 14:45 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Schon seit Jahrzehnten gilt Essig als absolute Wunderwaffe im Haushalt. Über Generationen hinweg wird der Reinigungstrick weitergegeben und im Netz gefeiert. Essig gilt als Kalklöser, Allzweckreiniger, Geruchskiller, doch was passiert, wenn man ihn konsequent für die Reinigung von Fliesen einsetzt? Wird alles strahlend sauber oder sorgt es für Glanz mit Nebenwirkungen? myHOMEBOOK hat es ausprobiert.
Als Entkalker und als Geheimtipp für strahlende Fenster hat sich Essig längst einen Namen gemacht. Aber wie sieht es aus, wenn man das säuerliche Mittel für die Reinigung von Fliesen einsetzen möchte? Um zu testen, welches Ergebnis Essig wirklich hinterlässt, wagen wir den Selbstversuch.
Die Vorbereitung
Die Testfläche ist das Badezimmer einer Mietwohnung, das mit klassisch glasierten, weißen Wandfliesen und sichtbaren Fugen ausgestattet ist. Nach ein paar Tagen ohne Putzen sind die Armaturen in der Dusche ein Hotspot für Kalkränder, hinzu kommen Seifenreste und die üblichen Kalk- und Wasserflecken an den Fliesen. Es ist kein Extremfall, aber eine realistische Zone.
Anstatt zu einem handelsüblichen Badreiniger zu greifen, wird eine Lösung aus Wasser und Haushaltsessig gemischt. Für starke Entkalkwirkung wird im Netz ein Verhältnis von 1:1 empfohlen. Was direkt auffällt: Der Geruch ist stechend, fast aggressiv und beißend. Um die Haut und Atemwege zu schonen, werden Putzhandschuhe und eine Maske getragen.
Der erste Eindruck
Zum Auftragen der Lösung auf die Fliesen wird ein haushaltsüblichen Schwamm genutzt, zum Nachwischen ein Mikrofasertuch.
Bereits nach wenigen Minuten zeigt sich, warum Essig so einen guten Ruf hat. Schon nach kurzer Einwirkzeit glänzt die Oberfläche erstaunlich klar. Auch die Bodenfliesen in der Dusche, die durch das Wasser sonst eher matt wirken, zeigen plötzlich ihre volle Strahlkraft und selbst hartnäckige Kalkflecken lassen sich mit moderatem Druck lösen – weniger Polieren, ein besseres Finish. Bei all der positiven Wirkung stört es auch nicht, dass das ganze Badezimmer plötzlich nach Essig riecht. Ein unangenehmer Geruch, der jedoch schnell verfliegt.
Während sich noch über das Ergebnis gefreut wird, fällt ein anderes Detail im Bad ins Auge: Die Fugen.
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Nachteile von Essig
Die Fliesen erstrahlen auch nach etwa 10 Minuten noch in höchstem Glanz, doch die Fugen zeigen bereits erste Veränderungen. Nach dem Trocknen wirken sie minimal aufgehellt und fühlen sich rauer an als vorher. Ein zweiter Putz-Durchgang bestätigt den Eindruck. Der Essig ist unproblematisch für die Fliese, wohl aber nicht für das Material dazwischen.
Ein Blick in die Materialkunde bestätigt, dass zementäre Fugen tatsächlich auf die Zusammensetzung von Essig reagieren. Die enthaltene Essigsäure könne bei regelmäßiger Anwendung zu einer schleichenden Erosion führen, heißt es. Die Fuge würde dann bröckelig werden, an Substanz verlieren und im schlimmsten Fall sogar durchlässig werden. Essig solle deshalb sowohl auf Zement- als auch Silikonfugen nur stark verdünnt angewendet werden. Die getestete Lösung war also schlichtweg zu intensiv.
Übrigens: Auch Natursteinfliesen können nach einer Anwendung mit Essig starke Veränderungen aufweisen. Hier sollte eine Anwendung mit dem Mittel komplett unterlassen werden, um größere Schäden zu verhindern.
Auch beschichtete Armaturen sollten nicht dauerhaft mit der aggressiven Essigsäure geputzt werden. Vor allem lackierte und schwarze Armaturen können Schaden nehmen.
Langzeittest
Wir ziehen ein Learning und verwenden für den Langzeittest nur noch eine Essig-Lösung im Verhältnis 1:5, also weitaus mehr Wasser als Essig. Nach zwei Wochen regelmäßiger Anwendung bleiben die Fliesen sichtbar sauber und kalkfrei. Der Reinigungsaufwand ist gering und an den typischen Essiggeruch hat man sich inzwischen gewöhnt. Die neue, schwächere Lösung ist weniger beißend.
Auch, wenn die Fugen nach wie vor heller sind und etwas stumpfer wirken, scheinen sie die verdünntere Lösung weitaus besser zu vertragen.
Mein Fazit
„Essig kann Fliesen effektiv reinigen, aber nicht ohne Risiko. Für punktuelle Reinigung bei stark verdreckten Stellen ist die 1:1 Lösung durchaus geeignet. Zur regelmäßigen Reinigung sollte sie allerdings nicht angewendet werden. Für langfristig schöne Fliesen UND Fugen sollte eine mildere Alternative gewählt werden.“