Geschirrtücher feucht liegen lassen gehört in vielen Küchen zum Alltag. Nach dem Abwasch bleiben sie oft auf der Arbeitsplatte oder am Spülbecken liegen, statt direkt zum Trocknen aufgehängt zu werden. Doch macht das aus hygienischer Sicht einen Unterschied? Ein Mikrobiologe erklärt, welche Rolle Feuchtigkeit tatsächlich spielt und worauf es im Alltag ankommt.
Geschirrtuch bitte nicht feucht liegen lassen
Nach dem Abwasch landet das Geschirrtuch oft zusammengerollt auf der Arbeitsplatte oder achtlos an den Griff des Backofens geklemmt. Doch aus hygienischer Sicht ist das keine gute Idee. Lieber sollte man darauf achten, dass es schnell trocknet. Tatsächlich können sich auf Geschirrtüchern zahlreiche Mikroorganismen ansiedeln. Wie groß die Gefahr dadurch wirklich ist, lässt sich wissenschaftlich bislang allerdings nur eingeschränkt beurteilen, erklärt Prof. Dr. Dr. Andreas Podbielski im Gespräch mit myHOMEBOOK. Die meisten Studien hätten lediglich untersucht, ob Keime vorhanden sind. Ob diese tatsächlich Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben, sei dagegen kaum erforscht.
Dass sich Mikroorganismen auf Geschirrtüchern ansiedeln können, zeigt eine aktuelle Studie aus China. Die Forscher untersuchten Küchentücher, die zwölf Testpersonen über zehn Wochen im Alltag nutzten. Auf allen Tüchern fanden sie sogenannte Biofilme – Gemeinschaften von Mikroorganismen, die sich auf den Fasern festsetzen und von einer selbst produzierten Schutzschicht umgeben sind.
Feuchtigkeit spielt aus hygienischer Sicht durchaus eine Rolle. „Feuchte Handtücher oder Geschirrtücher sind aus hygienischer Sicht problematisch, weil feuchte Keime darin überleben können“, sagt Podbielski. Für eine Vermehrung der Mikroorganismen sei Feuchtigkeit allein jedoch nicht ausreichend. Für das Wachstum von Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen genüge Feuchtigkeit allein nicht. Die Mikroorganismen benötigen auch Nährstoffe.
„Wichtig ist, welche Nährstoffe da sind“, erklärt der Mikrobiologe. Besonders problematisch können daher Speisereste sein, die über Geschirr oder beim Abwischen von Flächen ins Tuch gelangen. Wer sein Geschirrtuch gleichzeitig als Putzlappen verwendet, schafft Keimen deshalb deutlich bessere Bedingungen. Das Tuch nimmt dabei nicht nur Feuchtigkeit, sondern auch Lebensmittelreste auf, die Mikroorganismen als Nahrung dienen können.
Geschirrtücher sollten nur für sauberes Geschirr genutzt werden
Aus hygienischer Sicht empfiehlt der Fachmann eine klare Trennung der Einsatzbereiche. „Ein Geschirrtuch sollte, um möglichst keimarm zu bleiben, tatsächlich wirklich auch nur für das Abtrocknen von möglichst sauberem Geschirr genutzt werden.“ Für Arbeitsflächen oder verschüttete Lebensmittelreste seien dagegen separate Reinigungstücher die bessere Wahl. Diese sollten regelmäßig gewechselt und gewaschen werden. Auch das Trocknen der Hände mit dem Geschirrtuch erhöht die Keimzahl auf dem Stoff zusätzlich.
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