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Experte ordnet ein

Was taugen die neuen Kaffeekapseln aus Papier?

Kaffeekapseln sind ein Wegwerfprodukt, ob aus Aluminium, Kunststoff oder Papier
Kaffeekapseln sind ein Wegwerfprodukt, ob aus Aluminium, Kunststoff oder Papier. Aber wie nachhaltig sind sie und was taugen vor allem die Kapseln aus Papier? Foto: Getty Images
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Carolin Chytrek
Carolin Chytrek Freie Autorin

5. Juni 2026, 12:45 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Seit Jahrzehnten stehen Kaffeekapseln in der Kritik: zu viel Verpackung, zu wenig Nachhaltigkeit. Neue Varianten aus Papier oder kompostierbaren Materialien versprechen einen besseren ökologischen Fußabdruck. Aber ist das wirklich so? myHOMEBOOK hat dazu mit einem Experten gesprochen.

Wenn der große Kaffeedurst kommt, soll es schnell gehen. Vor allem morgens ist die Zeit vor der Arbeit knapp. Deshalb haben sich Fertigmaschinen etabliert. Kapsel rein, Knopf drücken und fertig ist das Powergetränk, das für einen kraftvollen Start in den Tag sorgt. Die Kapseln für besagte Automatikmaschinen bestanden bislang zum größten Teil aus Aluminium und Kunststoff. Eine Erhebung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) aus dem Jahr 2024 zeigte, dass in Deutschland rund 2,8 Milliarden Kaffeekapseln pro Jahr verbraucht werden. Das entspräche einem Müllberg mit einem Gewicht von rund 10.000 Tonnen. Vergleichbar ist das mit 100 bis 150 voll beladenen Güterwaggons. Die Zahlen verdeutlichen die Dimension des Problems. Deshalb, und weil die Kritik von Umweltschützern immer größer geworden ist, bieten Hersteller jetzt auch Varianten aus Papier an.

Wie nachhaltig sind Papierkapseln wirklich?

Auf den ersten Blick wirken Kaffeekapseln aus Papier wie ein echter Coup. Gut im Handling und ganz nebenbei auch noch nachhaltig – so heißt es seitens der Hersteller. Doch der Schein trügt oft. Denn obwohl gewisse Produkte als kompostierbar oder biologisch abbaubar gekennzeichnet werden, dürfen sie bislang laut Abfall- und Düngerecht nicht in der Biotonne entsorgt werden. „Eine Zertifizierung als biologisch abbaubar garantiert nicht unbedingt einen vollständigen und rückstandsfreien Abbau“, erklärt Thomas Fischer von der DUH auf myHOMEBOOK-Anfrage.

Dafür gäbe es einfache Gründe: „Um das Papier formstabil zu machen – mit Bindemittel – und dem hohen Druck beim Brühvorgang standzuhalten, sind viele Papierkapseln innen mit Kunststoff versiegelt. Es können hierzu auch als biologisch abbaubar zertifizierte Biokunststoffe verwendet werden.“ Diese seien aber ebenfalls in der Biotonne nicht erlaubt, um Rückstände von Mikroplastik im Kompost zu verhindern.

Die Zersetzung des Materials dauert zudem einfach zu lange, was dazu führt, dass Kapselhüllen als Störstoff gekennzeichnet werden. Und weiter noch: „Deshalb werden Kaffeekapseln in vielen Kompostierungsanlagen aussortiert und als Restmüll verbrannt“, so der Experte. Auch im Papiermüll darf man sie übrigens wegen der Benetzung mit Kaffeepulver und der Innenbeschichtung nicht entsorgen. Fischer rät zu einer Entsorgung im Restmüll, um auf Nummer sicher zu gehen.

Einweg bleibt Einweg

Das größte Problem sei nicht das Material an sich, sondern die Tatsache, dass es sich unabhängig davon um ein Einwegprodukt mit einem unausgewogenen Verhältnis handele, wie Fischer betont. „Das Grammweise Verpacken von Kaffee ist per se unökologisch – vollkommen unabhängig vom Material.“ Und weiter: „Je kleinteiliger die Verpackungen, desto mehr Verpackungsmaterial muss eingesetzt werden und desto mehr Müll fällt an.“ Auf 100 Gramm Kaffeepulver kommen nach DUH-Berechnungen bei gewissen Marken etwa 40 Gramm Verpackungsmüll.

Recycling könnte die Bilanz verbessern, allerdings passiert das in der Praxis nur selten, vor allem, weil sich in Kaffeekapseln noch Kaffeereste oder Feuchtigkeit befinden. Viele Produkte kann man weder recyceln noch kompostieren. Sie werden schlichtweg verbrannt. Fischer rät: „Wenn es denn eine Kapsel sein soll, sollte auf eine wiederverwendbare Mehrweg-Variante gesetzt werden, die es von mehreren Anbietern gibt. Das Befüllen geht, anders als viele denken, schnell. Und man kann dabei ein richtig gutes Gewissen haben.“

Auch interessant: Kaffee besser nicht mit Wasser direkt aus der Leitung kochen

Umweltverbände werfen Herstellern Greenwashing vor

Insbesondere Umweltverbände sehen die Marketingversprechen von Herstellern kritisch. Auch die DUH wirft Herstellern Greenwashing vor: Sie würden Kunden mit Versprechen wie „ökologisch“ oder „biologisch abbaubar“ auf eine falsche Fährte locken.

Die meisten Studien von Umweltverbänden kommen zu einem ähnlichen Fazit. Ganz egal, aus welchen Materialien die Kapseln bestehen: Kapseln sind deutlich weniger ökologisch als klassische Kaffeezubereitungsarten.

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Papierbasierte vs. herkömmliche Kapseln

Die DUH rät grundsätzlich von Kaffeekapseln ab, ganz egal, aus welchem Material sie hergestellt sind. Wenn man dennoch Kapseln nutzen möchte, schneiden papierbasierte Varianten zumindest beim Materialeinsatz und der Entsorgung etwas besser ab. Zumindest tendenziell gelten sie als etwas umweltfreundlicher. Allerdings lösen auch sie das Grundproblem nicht: den übermäßig großen Verpackungsmüll und den Ressourcenverbrauch.

„Auch Papier benötigt in der Herstellung Wasser, Energie, Chemikalien und Holz. Da es sich um ein Einwegprodukt handelt, bleibt die Ökobilanz im Vergleich zu anderen Systemen schlecht“, fasst Fischer zusammen. Müsse man sich entscheiden, solle man sich immer gegen Kapseln aus Aluminium entscheiden, da die Umweltauswirkungen hier besonders groß seien. „Häufig bestehen solche Kapseln aus Neumaterial, durch dessen Abbau Naturräume zerstört werden können und giftige Schlacken als Abfallprodukt anfallen.“ Auch der hohe Schmelzpunkt bei über 600 Grad Celsius sei ein Problem und sei nachweislich „energieintensiv und entsprechend klimaschädlich“, so die DUH.

Alternativen im Überblick

Kauft man Kaffee in größeren Mengen, fällt proportional wenig Verpackungsmüll an. Deshalb sind Kaffeevollautomaten, Siebträger- oder Filtermaschinen sowie French Press, in die Kaffeepulver oder -bohnen eingefüllt werden, besser für die Umweltbilanz.

Wer auf seinen Kapselkaffee nicht verzichten möchte, wählt die von der DUH empfohlenen wiederbefüllbaren Hüllen. Die kann man wie herkömmliche Kapseln in den dafür vorgesehenen Maschinen verwenden und für jeden Kaffee neu mit Kaffeepulver auffüllen. Die nachhaltigste Lösung bleibt daher ganz simpel der Kaffee ohne Einwegverpackung. Alles andere ist bestenfalls ein Kompromiss.

Grundsätzlich lassen sich auch in Marken-Kaffeemaschinen Fremdkapseln von anderen Herstellern verwenden. Dennoch kann es zu kleinen Unwegsamkeiten in der Handhabung kommen, weil der Schließmechanismus dadurch weniger gut funktioniert oder die Kapseln nicht optimal aufgestochen werden.

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