18. Oktober 2026, 14:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Metallischer Geschmack im Mund kann ziemlich unangenehm sein, tritt aber gelegentlich beim Verzehr von Speisen auf, wenn Metallbesteck verwendet wird. myHOMEBOOK verrät, woran genau das liegt und was den Effekt verstärkt.
Es ist ein Phänomen, das hinlänglich bekannt ist: Wer schon einmal von Metallbesteck gegessen hat, könnte einen metallischen Geschmack wahrgenommen haben, der sich auf das Essen zu übertragen scheint. Säuerliche Speisen, Getränke oder besonders aromatische Lebensmittel können den Effekt verstärken. Doch handelt es sich dabei wirklich um einen Geschmack? Tatsächlich ist das Thema aus wissenschaftlicher Sicht komplexer als gedacht. Hinter dem Metallgeschmack steckt nämlich eine Kombination aus chemischen Reaktionen in der Mundhöhle (z.B. durch Speichel), Geruchswahrnehmungen und Metallionen.
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Geschmack oder wirklicher Geruch?
Süß, sauer, salzig, bitter und herzhaft – diese fünf Geschmacksrichtungen kann der menschliche Körper wahrnehmen. Metallische Nuancen lassen sich in keine dieser Kategorien einordnen und stehen genau deshalb seit Jahren im Fokus der Forschung.
Tatsächlich weisen Studien darauf hin, dass es sich bei Metallgeschmack um eine multimodale Wahrnehmung des Körpers handelt. Hierbei spielen Geschmack, Geruch und Empfindungen im Mundraum zusammen.
Das beste Beispiel dafür ist Eisen. Kaum jemand kennt dieses Phänomen nicht: Das Zahnfleisch oder die Wange ist leicht verletzt und der bittere Geschmack von Blut verteilt sich im Mundraum. Oftmals geht das mit einer Geruchswahrnehmung und einem undefinierbaren Gefühl einher. Blut enthält rote Blutkörperchen, in denen das eisenhaltige Protein Hämoglobin für den Sauerstofftransport verantwortlich ist. In Experimenten des Instituts für Lebensmittelwissenschaften der US-amerikanischen Cornell University in Ithaka gaben Probanden an, beim Verzehr von Eisensalzen eine metallische Empfindung zu verspüren. Erst, als sich die Testpersonen die Nase zuhielten, nahm das Gefühl spürbar ab.
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Die Rolle des Speichels
Vor allem der menschliche Speichel spielt eine Rolle bei der multimodalen Wahrnehmung von metallischen Nuancen. Speichel besteht zwar zu einem Großteil aus Wasser, es sind aber auch Proteine, Lipide und Elektrolyte enthalten, die für eine chemisch aktive Umgebung im Mund sorgen. Wenn bestimmte Metallionen auf diese Bestandteile treffen, kann das zu chemischen Reaktionen führen. In einer Studie von Pinar Omür-Özbek und Kollegen aus dem Jahr 2012 wurde dieser Mechanismus im Mund untersucht. Nach der Aufnahme von Eisen- und Kupferlösungen nahm die Oxidation von Fetten (Lipiden) im Speichel deutlich zu. Zudem wurden bei diesem Prozess geruchsaktive Aldehyde gebildet, die dann durch die Nase wahrgenommen werden konnten.
Man kann also davon ausgehen, dass ein Teil dessen, was wir als metallischen Geschmack wahrnehmen, über den retronasalen Geruch entsteht, wobei Moleküle durch den Rachenraum in die Nase und zur Riechschleimhaut gelangen. Das Gehirn integriert Geschmacks-, Geruchs- und orale Signale zu einer gemeinsamen Wahrnehmung.
Großer Einfluss auf Geschmacksrezeptoren
Der retronasale Geruch ist ein wichtiger Teil des Metallgeschmacks. Weitere Untersuchungen zeigten allerdings, dass Metallionen auch direkt mit den Geschmacksrezeptoren im Mund interagieren können. In einer Studie aus dem Jahr 2019 wurde vor allem der menschliche Bitterrezeptor TAS2R7 betrachtet. Zellversuche ergaben, dass der Rezeptor auf zwei- und dreiwertige Metallionen reagiert, darunter Zink, Calcium, Magnesium, Kupfer und weitere. In Folge könne das verschiedene Geschmacksempfindungen hervorrufen.
Wichtig dabei: Man muss zwischen Metallionen in einer Lösung und festen Metallgegenständen wie Besteck unterscheiden. Oben genannte Studien wurden allesamt mit Lösungen von Metallsalzen durchgeführt. Feste Metalle setzen hingegen weitaus weniger Metallionen frei.
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Welche Rolle spielt die Qualität des Bestecks?
Wenn auch wesentlich schwächer, kann durchaus auch Metallbesteck die Wahrnehmung von Lebensmitteln beeinflussen. Dabei spielt vor allem die Legierung eine wichtige Rolle.
In einem Experiment der Oxford University mussten Probanden Cremes unterschiedlicher Geschmacksrichtungen von verschiedenen Löffeln probieren. Verwendet wurden unter anderem Löffel mit Legierungen aus Gold, Kupfer, Zink und Edelstahl. Das Ergebnis war verblüffend. Insbesondere die Cremes auf den Kupfer- und Zinklöffeln wurden als weitaus metallischer wahrgenommen als die auf Edelstahl- oder Goldlöffeln. Besteck ist also sensorisch nicht völlig neutral.
Interessant ist auch, dass Kupfer und Zink auch den Geschmack der Lebensmittelproben deutlich verstärkten. Cremes, die ohnehin bitter schmeckten, wurden mit diesen beiden Löffeln noch bitterer wahrgenommen. Auch die Interaktion zwischen Material, Lebensmittel und Mundumgebung kann also einen Unterschied machen, wie die Untersuchungen bestätigten.
Dass minderwertiges Besteck im Alltag zwangsläufig einen metallischen Geschmack verursacht, konnte die Studie übrigens nicht beweisen.
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Welche Auswirkungen hat Spülmittel?
Häufig wird speziell nach dem Spülen von Besteck ein metallischer Geschmack wahrgenommen. Wenn das passiert, kommen neben dem Material aber auch Rückstände von Reinigungsmitteln infrage.
Vor allem Klarspüler kann im Geschirrspüler Rückstände (z.B. Alkoholethoxylate) auf Geschirr und Besteck hinterlassen, wie eine Untersuchung beweisen konnte. Möglicherweise können diese Rückstände ebenfalls für einen chemischen oder bitteren Nachgeschmack sorgen, der mit dem metallischen Geschmack von Besteck verwechselt wird. Dass Klarspülerreste den typischen Metallgeschmack auslösen, konnte nämlich in der Untersuchung nicht belegt werden.