11. Mai 2026, 10:43 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Eine Zusammensetzung der Wörter „Waschen“ und „Benzin“ ergibt nicht das, was man vermuten könnte. Um Fahrzeuge damit anzutreiben? Dafür wird Waschbenzin nicht verwendet. Tatsächlich handelt es sich um eine Art Waschmittel. Warum vor allem Heimwerker und Haushaltsexperten auf Waschbenzin schwören, erklärt myHOMEBOOK in diesem Artikel.
Wofür sich Waschbenzin besonders gut eignet
Waschbenzin ist farblos, wasserunlöslich und leichter als Wasser. Es schwimmt also auf der Wasseroberfläche. Genau diese Eigenschaften machen es zu einer alternativen Wunderwaffe, wenn es darum geht, schwierigen Schmutz von Oberflächen oder aus Stoffen zu entfernen.
Ein Blick in das Chemikalien-Lexikon Römpp bestätigt: Aufgrund seiner fettlösenden Eigenschaften handelt es sich um eine Art Fleckenentferner und kommt häufig auch bei der chemischen Reinigung zum Einsatz. Es wirkt bei der Entfettung von Lederwaren, Handschuhen, Kleidern, Metallwaren, Schmuckgegenständen, Seidengarn oder Wolle. Viele Heimwerker kennen vermutlich Terpentinöl. Waschbenzin wirkt ähnlich.
Mit Waschbenzin lassen sich zudem Klebstoffreste entfernen, etwa nach dem Abziehen von Aufklebern oder Etiketten. Auch Schmierfettreste auf Metallteilen, Fahrradketten oder Werkzeug löst es zuverlässig. Maler und Restauratorinnen reinigen damit ihre Pinsel oder nutzen es als Mittel, um bestimmte Lacke zu verdünnen.
Wofür sich Waschbenzin nicht eignet
Es gibt kaum Restriktionen beim Einsatz von Waschbenzin. Dennoch ist Vorsicht geboten, beispielsweise bei Kunststoffen. Hier kann es zu Verfärbungen oder Verformungen kommen. Auch lackierte Flächen am Auto oder Oberflächen von Möbeln reagieren möglicherweise empfindlich auf den Kontakt mit Waschbenzin.
Stoffliche Zusammensetzung
Um mehr über die genaue stoffliche Zusammensetzung von Waschbenzin zu erfahren, hat myHOMEBOOK beim Umweltbundesamt in Dessau nachgefragt. Dort arbeitet Manja Wachsmuth im Bereich Chemikaliensicherheit. „Das Chemikalien-Lexikon Römpp ordnet Waschbenzin der Stoffklasse der Benzine zu, also Gemischen aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen. Es handelt sich um ein Erdölprodukt.“
Waschbenzin entsteht bei der Verarbeitung von Rohöl in der Raffinerie. Hier wird das Öl in verschiedenen Anlagen erhitzt. Je nach Temperatur entstehen verschiedene Fraktionen odeoder, anders ausgedrückt, Stoffgruppen, unter anderem Benzin. „Waschbenzin hat einen Siedepunkt zwischen 80 und 110 Grad Celsius und zählt damit zu den sogenannten Siedegrenzenbenzinen“, erläutert Wachsmuth.
Deswegen eignet sich Waschbenzin als Verdünnungs- oder Lösungsmittel und nicht als Antriebsenergie für Fahrzeuge. Aufgrund der geringen Oktanzahl von 70 bis 88 würde es den Motor massiv schädigen. Zudem verdampft Waschbenzin leichter als Benzin und verdunstet sehr schnell. In der Nase riecht es wie Benzin von der Tankstelle.
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Mögliche Risiken beim Einsatz von Waschbenzin
Waschbenzin ist leicht entzündlich. Ein einzelner Funke reicht aus und die Dämpfe, die der Stoff ausdünstet, entflammen sich. Laut Datenbank ChemInfo des Umweltbundesamts können die Dämpfe beim intensiven Einatmen zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen. Außerdem ist niedrigsiedendes Benzin nach der europäischen Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen als krebserzeugend und erbgutverändernd eingestuft. Das bedeutet, es kann Krebs verursachen und genetische Schäden hervorrufen. Daher sollten bei der regelmäßigen Verwendung Schutzhandschuhe, eine dicht schließende Schutzbrille und Schutzkleidung getragen werden.
Es erklärt sich von selbst: Offene Flammen, Funken oder elektrische Geräte ohne Explosionsschutz haben in der Nähe von Waschbenzin nichts zu suchen. Wer versehentlich Waschbenzin verschluckt, sollte umgehend eine Giftnotrufzentrale anrufen.
Lagerung & Entsorgung
Da Waschbenzin schnell verdunstet, gehört es in einen gut verschlossenen, rostfreien Stahlbehälter. Dieser sollte gut sichtbar beschriftet werden. Es empfiehlt sich eine Lagertemperatur von 20 Grad Celsius. Aufgrund der Entzündungsgefahr sollte der Behälter fernab von Wärme- und Zündquellen gelagert werden.
Gemäß der Datenbank ChemInfo sollten überschüssige Reste an Waschbenzin nicht in die Kanalisation oder in die Umwelt gelangen, da es giftig für Organismen ist und das Grundwasser schädigt. Restbestände werden korrekt bei der kommunalen Schadstoffsammelstelle entsorgt. Auskünfte über die nächsten Sammeltermine erteilt die örtliche Abfallbehörde.