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Tipps zum Kleben mit Holzleim

Holzleim ist der Klebstoff der Wahl, wenn es um Holz gehtFoto: iStock / TTStock

Holzleim darf in keiner Werkstatt fehlen und kann auch im Haushalt gute Dienste leisten. Das Zusammenfügen oder auch Reparieren von Holzteilen ist die Hauptaufgabe des milchigen Klebstoffs. Wie man Leimverbindungen herstellt, die auch halten, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Holzleime sorgen dafür, dass Werkstücke aus Holz sicher miteinander verklebt werden. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dafür mitunter Knochenleime auf tierischer Basis verwendet. Heutzutage findet man im Handel eine Vielzahl an Dispersionsleimen, die auf Polyvinylacetat (PVAc) basieren. Sie unterteilen sich in verschiedene Klassen von D1 bis D4, die in verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommen.

Was steckt hinter den Klassen?

„Holzleime werden – je nach Verwendung und Beanspruchung – in unterschiedliche Gruppen eingeteilt“, erklärt Vera Haye vom Industrieverband Klebstoffe auf myHOMEBOOK-Anfrage. Konkret geht es bei den Beanspruchungsgruppen um die jeweilige Festigkeit und das Verhalten unter Feuchtigkeits- und Wassereinwirkung. Die Klassen unterteilen sich laut Haye wie folgt:

  • D1: Geeignet für den Innenbereich, wobei die Holzfeuchte unter 15 Prozent bleiben muss.
  • D2: Geeignet für den Innenbereich mit gelegentlicher kurzzeitiger Wasser- bzw. Kondenswasser-Einwirkung, wobei die Holzfeuchte maximal 18 Prozent erreichen darf.
  • D3: Geeignet für den Innenbereich mit häufig kurzzeitiger Wassereinwirkung oder höherer Luftfeuchte. Geeignet für den Außenbereich ohne Aussetzung einer direkten Bewitterung.
  • D4: Geeignet für den Innenbereich mit häufig und lang anhaltender Einwirkung von abfließendem Wasser bzw. Kondenswasser. Im Außenbereich und der Witterung ausgesetzt mit angemessenem Oberflächenschutz.

Hinweis: Holz wird für die meisten Anwendungen auf eine Feuchtigkeit zwischen 8 und 12 Prozent getrocknet.

Wie klebt Holzleim?

„Holzleim gehört in die Gruppe der Dispersionsklebstoffe“, sagt Haye. Sie sind wasserbasiert, weisen deshalb eine gute Umweltverträglichkeit auf sowie ein geringes Gefahrenpotenzial für den Anwender. Im flüssigen Klebstoff verhindert das Wasser, dass die eigentlich klebrigen Moleküle bereits in der Tube verkleben. Trägt man den Klebstoff nun auf, erfolgt das Abbinden, indem das Wasser langsam verdunstet oder vom Holz aufgenommen wird. Die klebrigen Moleküle haften am Fügeteil und aneinander und bilden voll ausgehärtet die Klebverbindung.

Der ausgehärtete Klebstoff ist vergleichsweise flexibel. Daher eignet er sich bestens für Holz, da dieses als natürlicher Werkstoff „arbeitet“. Haye rät: „Für die Verarbeitung von Holzleim bitte immer auf die Herstellerangaben achten.“ Der Industrieverband Klebstoffe bietet detaillierte Informationen dazu auch in einem kostenlosen Merkblatt.

Passend dazu: Welchen Klebstoff braucht man wofür?

Wie trägt man Holzleim richtig auf?

„Die Holzteile müssen frei von Staub, Sägemehl und anderen Verunreinigungen sein“, sagt Haye. Je nach Saugfähigkeit der zu leimenden Flächen trägt man den Leim ein- oder beidseitig und unbedingt gleichmäßig auf. Erst dann verbindet man die Fügeteile miteinander. Dafür hat man in der Regel rund acht bis zehn Minuten Zeit. „Es ist außerdem wichtig zu beachten, dass Dispersionsklebstoffe eine Mindesttemperatur zum Abbinden benötigen“, erklärt Haye und empiehlt eine Mindesttemperatur von 15 Grad.

Wichtig: Die Teile muss man mit einem hohen Anpressdruck zusammenfügen und auch danach so lange unter Druck fixieren, bis die Endfestigkeit des Holzleims erreicht ist.

Wie lange braucht Holzleim zum Aushärten?

„Verglichen mit reaktiven Klebstoffen wie dem Sekundenklebstoff braucht der Holzleim relativ lange zum vollständigen Aushärten“, meint Haye. Dabei kann die Zeit variieren, da sie unter anderem von folgenden Faktoren abhängt:

  • Zusammensetzung des Klebstoffs
  • Material (poröses oder dichtes Holz)
  • Feuchtigkeit im Holz
  • Umgebungstemperatur
  • Menge des aufgetragenen Klebstoffs

Woran kann es liegen, dass sich Verbindungen wieder lösen?

Die Holzfeuchte sowie die Prozesse des Quellens und Schwindens wirken sich direkt auf die Beständigkeit der Klebeverbindung aus oder können sie sogar zerstören. Dabei kommt es auch auf die entsprechende Holzart an. Bei schwankenden Holzfeuchten, etwa bei Küchen- oder Badmöbeln, sollte man einen Klebstoff verwenden, der die auftretenden Quell- und Schwindungsspannungen kompensieren kann. Auch bei höheren Feuchten sollte er eine hinreichende Festigkeit behalten (siehe Klassen D1 bis D4).

Der Klebstoff muss unbedingt in der vorgegebenen Verarbeitungszeit verarbeitet werden, da sonst die Adhäsion (Haftung) nicht mehr ausreichend ausgebildet werden kann.

Dazu passend: Holzleim lösen – welche Möglichkeiten gibt es?

Worauf kommt es beim Holz an?

„Auch die Klebbarkeit der verschiedenen Holzarten ist unterschiedlich“, erklärt Haye. So sind Laubhölzer generell schwieriger zu kleben als Nadelhölzer. Aber auch bei stark fetthaltigen oder harzhaltigen Hölzern kann es zu Problemen kommen. Gut zu verkleben sind beispielsweise Tannenholz und Kastanienholz, schwieriger wird es bei Birkenholz.

Sollte man Leimverbindungen immer fixieren?

„Ja! Mit Zwingen oder Pressen, um die Fügeteile in der vorgesehenen Lage zu halten“, rät Haye. Der Pressdruck kann je nach Holzart variieren. Teile aus Weichholz benötigen einen geringeren Druck als solche aus Hartholz. Dabei empfiehlt Haye eine Mindestpresszeit von acht bis 15 Minuten bei Montageverleimung, bei Brettfugen- und Blockverleimung sind es 20 bis 40 Minuten.

Wie kann man die Trockenzeit beschleunigen?

Hier sollten Heimwerker die nötige Geduld aufbringen, die der Holzleim zum Aushärten benötigt. „Man soll immer nach Herstellerangaben vorgehen, um eine optimale Klebung zu erreichen“, meint Haye. Sonst könne es sein, dass sich die Fügeteile wieder lösen.

Hat Holzleim ein Ablaufdatum?

Teilweise steht eine Flasche mit Leim über Jahre hinweg im Regal. Allerdings haben sie ein Ablaufdatum, das auf der Verpackung steht. Ist dieses erreicht, sollte man den Klebstoff nicht mehr verwenden.

Quelle:
Industrieverband Klebstoffe e.V.