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Schräge Böden, hohe Decken

Einrichtungs-Tipps für die typischen Eigenheiten eines Altbaus

Typisch Altbau sind große Räume, hohe Decken und zahlreiche Stuckverzierungen
Typisch Altbau sind große Räumlichkeiten mit hohen Decken und zahlreichen opulenten StuckverzierungenFoto: Getty Images

Die bloße Ankündigung, einen Altbau beziehen zu wollen, ruft im eigenen Umfeld meist romantisierte Wohnvorstellungen oder echte Horrorgeschichten hervor. Die Warnungen vor den Mängeln einer Altbauwohnung bestehen häufig zu Recht, man kann aber auch einiges gegen sie tun.

Knarzende Dielen, Stuckverzierte Decken und ein schier endlos langer Flur – was im ersten Moment nach einem herrlichen Wohnambiente klingt, ruft im zweiten meist schon ambivalente Gefühle hervor: Man liebt das Leben in einer Altbauwohnung oder eben nicht, aber das Einrichten stellt einen gelegentlich vor so manche Herausforderung.

Schiefe Wände mit Überraschungseffekt

Einen rechten Winkel sucht man in einer Altbauwohnung häufig vergeblich. Doch meist fällt dessen Nicht-Existenz erst nach dem Einzug ins neue Zuhause auf. Nämlich genau dann, wenn größere Schrank- oder Regalkonstruktionen aufgestellt werden sollen und auf einmal nicht so recht passen. Stattdessen tun sich Löcher, Abstände und Fugen auf, die für einen unschönen Anblick sorgen. Hier empfiehlt sich im Vorhinein zu einem Aufmaß-Service zu greifen. Mittels moderner Lasertechnik wird der Raum mit all seinen Unebenheiten und Krümmungen exakt erfasst. Die sich daraus ergebenden Maße sind die Grundlage für ein am Ende passendes Möbel – trotz schiefer Wand. Zieht man allerdings mit einem bereits existierenden Möbelbestand in das neue Altbau-Zuhause ein, bedarf es bei krummen Wandflächen alternativer DIY-Lösungen: Mittels Keilen oder Kartonage-Resten lässt sich schnell, aber vor allem erfolgreich nachjustieren. Einfach unter die frei schwebenden Möbelfüße gelegt und schon sind kippelnde Möbel und ungleichmäßige Abstände austariert.

Maßgefertigte Küche für eine Altbauwohnung
Bei schiefen Wänden, deren Beschaffenheit meist unklar ist, empfehlen sich maßgefertigte Möbellösungen, die nicht zwingend an der Wand angebracht werden müssen Foto: Getty Images

Doch nicht nur die Neigung einer Wand erweist sich in einer Altbauwohnung häufig als problematisch, auch deren Beschaffenheit ist nicht selten eine Überraschung. Mal trifft man beim Bohren auf ein altes Mauerwerk aus rotem Backstein, mal auf eine poröse Mischung aus Mörtel und Kies und ein anderes Mal schafft man es keinen Millimeter in die Wand hinein. Alles ist möglich! Sollen also größere Regalkonstruktionen angebracht werden, ist es ratsam vorab eine Bohrprobe zu machen. Wenn es nur darum geht Bilder an der Wand anzubringen, können Poster und Co. gegebenenfalls auch geklebt werden. Größere Exemplare entfalten eine besondere Wirkung, wenn sie wie in einem Künstleratelier lose aufgestellt und  an die Wand gelehnt werden.

Decken beim Einrichten einer (Altbau)Wohnung betonen

Normalerweise wird der Decke eines Raumes nur wenig Beachtung geschenkt. Schlicht und unauffällig gehalten, gilt es, sie nicht weiter zu betonen. Doch in einem Altbau ist das anders. Nicht nur, dass sich die Decken hier in einer außergewöhnlichen Distanz von rund drei Metern Höhe befinden und damit ohnehin – im wörtlichen Sinne – für Aufsehen sorgen, meist sind sie auch noch reichlich mit Stuck verziert. Wie ein horizontaler Bilderrahmen legen sich die Zierprofile einmal um die gesamte Decke und als Krönung findet sich häufig in der Mitte an der Stelle des Lampenanschlusses eine prächtige Stuckrosette. Diese wird mit einer imposanten, tief hängenden Pendelleuchte einmal mehr betont. Alternativ können die Stuckleisten und -elemente auch mittels indirekter Beleuchtung hervorgehoben werden.

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Große Fenster bringen Helligkeit und Offenbarungen

Altbauzimmer mit großen Fenstern, farbigen Wänden und dunklen Möbeln
Durch die großen Fenster einer Altbauwohnung dringt viel Licht, welches durch farbige Wände und dunkle Möbel aufgefangen wirdFoto: Getty Images

Große Fensterfronten sind absolut markant für eine Altbauwohnung, machen das Einrichten mitunter aber komplizierter. Dies äußert sich meist nicht nur in einer ausladenden Breite, sondern auch durch eine niedrige Brüstungshöhe, wodurch sich eine entsprechend große Fensterfläche ergibt. Und wo mehr transparente Eintrittsfläche, da auch mehr Licht im Raum. Ein Umstand, der nicht jedem zusagt, weil er beispielsweise zu Blendungen führt oder Staub und Schmutz schnell unschön offenbart. Doch genau dann ist der perfekte Zeitpunkt gegeben, zu einem kräftigen und großzügigen Farbanstrich in den eigenen vier Altbauwänden zu greifen. Dunkle Massivholzmöbel schlucken ebenfalls reichlich Licht, gleichzeitig verlieren sie so auch etwas von ihrer wuchtigen Schwere. Alles in allem wird der gewaltigen Lichtflut dadurch gezielt etwas entgegengesetzt.

Vor allem Pflanzen freuen sich über eine solch hohe Lichtausbeute und können entsprechend üppig in sämtlichen Räumen einer Altbauwohnung eingesetzt werden. Sie profitieren also nicht nur von reichlichem Licht, sondern haben meist auch noch genügend Platz zum Entfalten.

Altbauwohnung einrichten: hallende Räume mit unschönen Nebeneffekten

Großes, helles Altbauzimmer mit zahlreichen Textilien wie einem Fell,  Teppich, Vorhängen, Decken und Kissen
Besonders in großen Räumen macht sich schnell unangenehm klingender Hall bemerkbar, der sich wiederum mittels zahlreicher Textilien gut regulieren lässtFoto: iStock/in4mal

Bekannt sind Altbauwohnungen für ihre großen, offenen Räume, die sich zwar schön einrichten lassen und das eigene Freiheitsgefühl stärken, jedoch auch den ein oder anderen unschönen Nebeneffekt mit sich bringen. Denn ganz klar neigt ein großer Raum, den man gar nicht mit so vielen Möbeln füllen kann, wie er eigentlich Platz bietet, zu hallenden Geräuschen. Und nicht selten sind die Wände auch noch so beschaffen, dass die Räume entsprechend hellhörig sind. Entgegenwirken kann man beiden Effekten beispielsweise mit reichlich textiler Unterstützung in Form von langen, schweren Vorhängen an den Fenstern,  einem großen, hochflorigen Teppich am Boden und reichlich Kissen auf Bett und Sofa.

Auch übergroße Möbel bieten sich bei hallenden Räumen geradezu an, denn auch sie schlucken viel der unangenehmen Geräuschkulisse. Und weil viel Platz – insbesondere in die Höhe – gegeben ist, sind Überbauten und Aufsätze jeder Art, die bis unter die Decke reichen, ideal für eine Altbauwohnung. So wird nicht nur der gegebene Platz effektiv ausgenutzt, sondern auch enorm viel Stauraum geschaffen.

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Ein Raum für zwei

Großzügige Altbauwohnung mit gläsernen Flügeltüren und Raumteiler-Lösungen dank eines Sofa sowie einer Tisch-Stuhl-Kombination
Der charakteristischen Weitläufigkeit einer Altbauwohnung werden mittels raumteilender Elemente wie Doppelflügeltüren und entsprechend positionierten Möbeln, Grenzen gesetztFoto: iStock/in4mal

Häufig merkt man beim Einrichten, dass Räume in Altbauwohnungen so groß sind, dass es eigentlich zwei Zimmer sein könnten. Auch wenn der Anblick auf eine Art majestätisch wirkt, so zeigt sich spätestens in den Wintermonaten, welche unangenehmen Begleiterscheinungen von einem Raum ohne weitere Abgrenzungen ausgehen. Um also für ein wenig mehr Struktur, aber vor allem Dämmung zu sorgen, empfiehlt es sich, die Raumaufteilung etwas kleinteiliger zu gestalten. Schränke und Regale werden, im 90-Grad-Winkel zur Wand positioniert, zum Raumteiler. Zwischen Ess- und Wohnbereich finden sich häufig offene Durchgänge. Hier greift eine Doppelflügeltür den alten Charme der Wohnung wieder gewinnbringend auf. Von einem schier endlos langen Flur geht zwar eine gewisse Faszination aus, gleichzeitig wirkt er auf eine Art aber auch verloren. Um der leeren Flucht ein wenig Gemütlichkeit zu verleihen, können eine schlichte Konsole als Ablage oder eine großzügige Bildergalerie an der Wand, effektive Maßnahmen sein.

Knarzende, aber auch unebene Dielenböden beim Einrichten der Altbauwohnung beachten

Ebenso typisch für eine Altbauwohnung ist der besondere „Sound“, der von ihr ausgeht, genauer noch von ihren knarzenden Dielenböden. Die charismatische Geräuschkulisse, die bei jedem Gang durch den Raum entsteht, verweist so hörbar auf das Alter, aber auch die Beschaffenheit der Dielen. Wer nicht nach einiger Zeit genervt ist vom Knarzen und dem damit verbundenen „Tänzeln“ über den Dielenboden, ist es spätestens beim Aufstellen der Möbel. Denn hier offenbart sich meist schnell, dass die Dielen alles andere als gerade sind. Dadurch entsteht häufig ein ordentliches Gefälle im Raum, bei dem Schränke, Tische, Stühle und Co. auf unebenen Grund stehen und schnell kippeln. Bezieht man also einen Altbau, sollten Unterlegkeile ein essenzieller Bestandteil des neuen Hausstands sein.