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Droht eine Plage?

Was ein milder Winter für die Wespen 2022 bedeutet

Wespen: Eine Wespe auf einem Baumstamm
Für den Bau eines Nestes nagen Wespen mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen oftmals an Holz von Baumstämmen oder GartenmöbelnFoto: Getty Images

Ist der Winter mild, können sich Wespen besser vermehren. Es droht dann im Sommer eine Wespenplage. So ist zumindest die gängige Meinung. Aber stimmt das wirklich?

Wespen können richtig nerven. Im vergangenen Sommer haben sie uns meistens zwar verschont, anders sah es in vorangegangenen Jahren aus. Wespen sind vielerorts regelrecht zu einer Plage geworden. Es schwankt also von Jahr zu Jahr, ob Wespen vermehrt umherschwirren oder nicht. In der Regel stirbt ein Wespenvolk im Winter – bis auf die Königin. Sie hat die Aufgabe, im kommenden Jahr ein neues Volk zu gründen. Spielt also ein milder Winter für die Population der lästigen Insekten eine Rolle?

Gibt es nach einem milden Winter mehr Wespen?

myHOMEBOOK hat bei Laura Breitkreuz nachgefragt. Sie ist Referentin für Biodiversität und Entomologie (Insektenkunde) beim Naturschutzbund (Nabu). Nach ihrer Meinung könne man derzeit noch nicht abschätzen, wie viele Wespen es 2022 geben werde.

Milde Temperaturen im Winter schonen den Bestand von Wespen und anderen Insekten. Im Sommer vermehren sich die Tiere dann umso mehr. Das wird allgemein angenommen. Allerdings stimmt das nicht immer. Breitkreuz erklärt: „Es ist nicht so, dass Insekten unbedingt von milden Wintern profitieren. Es kann auch das Gegenteil passieren, dass ein milder Winter ihnen sogar eher schadet.“

Grund: In milden Wintern können sich wegen der hohen Temperaturen Pilze und Bakterien besser vermehren als bei strengem Frost. „Pilze und Bakterien befallen dann auch häufiger den Körper von Wespenköniginnen in ihrem Winterversteck. Dadurch führt ein milder, feuchter Winter häufig eher zu einer geringen Wespenpopulation im Folgejahr, als ein strenger Winter“, sagt Breitkreuz.

Wetter im Frühling wichtig für Insekten

Bei den „Sozialen Faltenwespen“, also denen, die uns im Sommer die Marmelade vom Brot essen, sind vor allem auch die Wetterverhältnisse im Frühling und Frühsommer ausschlaggebend. Laura Breitkreuz vom Nabu erklärt: „Besonders trockenes Wetter bedeutet, dass sich der Wespenstaat schnell vergrößern kann und dementsprechend zu viel größeren Zahlen im Hochsommer.“

Sind Wespen wie andere Insekten vom Artensterben bedroht?

Laura Breitkreuz sagt: „Soziale Faltenwespen sind Kulturfolger und damit nicht ganz so stark vom Schwund der biologischen Vielfalt betroffen. Es ist aber klar, dass die Faktoren, die andere Insekten bedrohen, auch Wespen beeinflussen. Der Lebensraumverlust macht ihnen nicht ganz so sehr zu schaffen, da sie in den Kommunen ausreichend Lebensraum und oft auch Nahrung finden. Allerdings sind sie durchaus auch von den stark mit Pestiziden belasteten Lebensraum und Nahrungsmitteln beeinflusst.“

Die Insektenforscherin vom Nabu sagt aber auch, dass nur ein ganz kleiner Anteil der Wespenarten in Deutschland Kulturfolger seien. „Im Grunde handelt es sich hierbei nur um die Deutsche Wespe, die Gemeine Wespe und die Hornisse. Alle anderen Arten sind auf naturnahe Lebensräume angewiesen und den Treibern des Insektenschunds somit viel direkter ausgesetzt“, erklärt Breitkreuz. Sie erklärt zudem, dass Unkrautvernichtungsmittel oder Insektizide direkt oder indirekt auf Insekten wirken können. Die Mittel zerstören entweder Lebensraum und Nahrungsquellen der Insekten oder vergiften diese sogar direkt.

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Wespen töten kann richtig teuer werden

Nach dem Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (BNatSchG, Paragraf 39) ist es verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzten oder zu töten. Im Einzelfall folgt eine saftige Strafe. Je nach Bundesland können für das Töten von besonders geschützten Wespenarten zwischen 5.000 und satte 65.000 Euro fällig werden.

Das sind laut Bußgeldkatalog allerdings Maximal-Angaben. Ob und wie viel man tatsächlich an Strafe zahlen muss, hänge vom Einzelfall ab. Es gibt zudem eine Ausnahme: Allergiker, denen durch einen Wespenstich schwere gesundheitliche Gefahren oder gar Lebensgefahr drohen, sind von der Regelung ausgenommen.

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