2. September 2025, 13:11 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Die Ambrosia-Pflanze wird zu einem echten Problem, da sie sich immer weiter ausbreitet. Auch in privaten Gärten kann sie vorkommen. Experten warnen vor den Auswirkungen der invasiven Pflanze. Sie kann lebensgefährliche Asthmaanfälle auslösen und ist nicht nur für Allergiker eine Gefahr. Wie sollten Hobbygärtner reagieren, wenn sie die Pflanze im eigenen Garten entdecken?
Bei der Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) – auch Beifußblättriges Traubenkraut genannt – handelt es sich um eine invasive Art, die sich zunehmend in Deutschland ausbreitet. Ambrosia stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde durch verunreinigte Agrarprodukte Mitte des 19. Jahrhunderts nach Frankreich und Deutschland eingeschleppt. Seitdem hat sie sich in ganz Europa ausgebreitet. Umweltexperten warnen wegen möglicher Allergien vor einer weiteren Ausbreitung der wärmeliebenden Ambrosia-Pflanze. Laut Experten wird sie zunehmend zu einem Gesundheitsproblem.
Übersicht
Wie verbreitet ist Ambrosia mittlerweile?
„Die Beifuß-Ambrosie tritt in ganz Deutschland auf“, sagt Dr. Malaika Herbst vom Julius Kühn-Institut (JKI) auf myHOMEBOOK-Anfrage. Besonders betroffen sind der Osten und Teile des Südens, insbesondere der Südwesten. „Grundsätzlich ist von einer weiteren Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie auszugehen“, ergänzt die Expertin.
Da die Pflanze nicht gesetzlich geregelt ist, werden in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Maßnahmen getroffen, teilweise auch auf kommunaler Ebene. Dabei werden auch immer wieder Tilgungen durchgeführt.
Wie gefährlich ist Ambrosia?
Die Ambrosia-Pflanze sei „ein Neubürger mit besonderer Gesundheitsgefahr“, erklärt das Julius-Kühn-Institut. Auch Menschen, die sonst nicht allergisch auf Pollen reagieren, können eine Allergie entwickeln. Dabei reichten schon geringe Konzentrationen von fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft aus, um einen allergischen Anfall auszulösen.
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Woran erkennt man Ambrosia?
Wer die Ambrosia im eigenen Garten entdeckt, sollte schnell handeln. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft lässt sich die Pflanze anhand folgender Merkmale erkennen:
- grüne, fiederteilige Blätter
- stark behaarter, später rötlich gefärbter Stängel
- gelblich-grüne, traubenförmige männliche Blüten
- Wuchshöhe von bis zu 1,5 Metern
Beim Entfernen blühender Pflanzen ist Vorsicht geboten: Wer eine bereits blühende Pflanze ausreißen will, zieht vorher besser eine Atemschutzmaske über Mund und Nase, rät die Landesanstalt. Eine dicht sitzende Schutzbrille und Handschuhe schützen zusätzlich vor Augen- und Hautreizungen.
Wichtig: Die ausgerissene Pflanze gehört übrigens in den Restmüll, nicht auf den Kompost oder in den Biomüll. Denn dort können die Samen weiter ausreifen, warnt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft. Ambrosia-Samen bleiben bis zu 40 Jahre lang keimfähig.
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Besondere Gefahr für Allergiker
Pollenallergiker sind ohnehin vom Frühjahr bis zum Sommer geplagt. Durch die spät blühende Ambrosia verlängert sich die Leidenszeit noch zusätzlich. Sie blüht zwischen August und Oktober – wenn es ganz schlimm kommt, sogar bis in den November. Und sie blüht heftig: Eine Staude kann bis zu einer Milliarde Pollen freisetzen.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die Pflanze löst bei vielen Menschen schwere allergische Reaktionen aus. Schon vergleichsweise kleine Mengen an Pollen in der Luft reichen aus, um eine allergische Reaktion auszulösen, warnt der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB). Ihre Blütezeit zieht sich oft bis in den Herbst hinein. Ein brennender und juckender Hautausschlag, verursacht schon bei kurzem Hautkontakt mit der Pflanze, gehört noch zu den kleineren Übeln.
Wer Symptome wie Juckreiz, tränende Augen oder Husten bemerkt, sollte ärztlichen Rat einholen. Ansprechpartner sind Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Allergologie – in der Regel Haus-, Haut-, HNO- oder Lungenärzte.
Was sollte man bei Ambrosia im Garten tun?
Hobbygärtner sollten ihren Garten regelmäßig auf Befall kontrollieren. „Wer im Privatgarten einige Pflanzen entdeckt, sollte sie vor allem in der Blütezeit unter Verwendung von Schutzkleidung (Maske, Handschuhe) herausreißen, in eine Plastiktüte hüllen und diese im Hausmüll, nicht in der Biotonne, entsorgen“, erklärt Pflanzen-Expertin Herbst.
„In privaten Gärten findet man sie vor allem unter Vogelfutterplätzen“, erläutert das Julius-Kühn-Institut. Das liege daran, dass Vogelfutter mit Ambrosia-Samen verunreinigt sein kann. Deshalb sollte man beim Kauf auf Ambrosia-freie Produkte achten. Zusätzlich sollte man die Futterstellen im Auge behalten.
Wichtig: Im August entwickelt Ambrosia ihre Blüten und bildet die Samen aus. Blühen die Pflanzen, sollte man beim Entfernen aufgrund der Asthma-Gefahr unbedingt Augen- und Atemschutzmasken tragen. Bestenfalls kommt die Ambrosia erst gar nicht zur Samenreife, was gerade bei der Eindämmung auf landwirtschaftlichen Flächen wichtig ist.
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Wie entsorgt man entfernte Ambrosia-Pflanzen?
„Um die Ausbreitung der Pflanze einzudämmen, sind alle gefragt“, heißt es beim Internetauftritt des Umweltbundesamtes. Wer Ambrosia-Bestände sichtet, sollte dies dem örtlichen Grünflächen- oder Pflanzenschutzamt melden. Zudem gibt es auch eigene Ambrosia-Meldestellen. „Wer die Pflanze auf eigenem Grund und Boden antrifft, kann selbst aktiv werden“, erklärt die Behörde.
Die Pflanze sollte am besten noch vor der Blüte samt Wurzel mit Handschuhen ausgerissen werden. Eine blühende Ambrosia gehöre wegen der Gefahr der Weiterverbreitung nicht in Kompost, Biotonne oder Grünabfuhr, sondern, in einem Plastikbeutel verpackt, in den Restmüll.
Weitere Erkenntnisse über Ambrosia
Vorsicht ist auch vor Ambrosia-Pflanzen geboten, die am Straßenrand wachsen. Forscher des Helmholtz-Zentrums München fanden in einer Studie heraus, dass Feinstaub und Autoabgase die Pflanze stressen, wodurch sich die biochemische Zusammensetzung der Pollen verändert. Und zwar zum Nachteil des Menschen: Die an sich schon hochallergene Wirkung der Ambrosia-Pollen wird durch Abgase noch aggressiver.
In einer weiteren Studie des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung werden noch mehr Zahlen genannt: Acht Millionen Menschen in Deutschland könnten an den Belastungen durch Ambrosia-Pollen erkranken – das wären etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung. Und es kommt noch schlimmer: Die Forscher beziffern die Kosten, die durch die Ausbreitung des neuen Allergens entstehen auf bis zu eine Milliarde Euro – pro Jahr.
Mit Material der dpa

