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Experte klärt auf

Warum sind Pflanzen eigentlich grün?

Pflanzenfarbe
Pflanzen verbindet man meist mit grün. Mit doe wichtigste Rolle spielt dabei Chlorophyl Foto: Getty Images/Westend61

27. September 2026, 12:48 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Wenn man an die freie Natur denkt, hat man meist Grün vor Augen. Grüne Wälder, grüne Blumenwiesen oder auch grasbewachsene grüne Hügel. Aber warum sind Pflanzen eigentlich grün? Die Antwort darauf steckt unter anderem in einem Farbstoff, den wohl jeder schon einmal im Biologieunterricht gehört hat: Chlorophyll. Doch hinter der grünen Farbe von Pflanzen steckt deutlich mehr. myHOMEBOOK hat dazu mit einem Experten gesprochen.

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Darum sehen wir Pflanzen grün

Dass uns die meisten Pflanzen grün erscheinen, hängt damit zusammen, wie sie Sonnenlicht aufnehmen. Denn das für uns sichtbare Licht besteht aus verschiedenen Farben beziehungsweise Wellenlängen. „Die in den Chloroplasten der Pflanzen enthaltenen Chlorophyllmoleküle absorbieren energiereiches blaues und energieärmeres rotes Licht“, erklärt Pflanzenphysiologe Prof. Dr. Reimund Goss von der Universität Leipzig. Grünes Licht werde vom Chlorophyll hingegen nur sehr schwach absorbiert. Die Pflanze nimmt also vor allem blaues und rotes Licht auf, während ein großer Teil des grünen Lichts zurückgeworfen beziehungsweise reflektiert wird. Genau dieses Licht gelangt anschließend in unsere Augen und lässt die Pflanze grün erscheinen. Hinzu kommt laut Goss ein weiterer Effekt. Das menschliche Auge nimmt die verschiedenen Farben des Lichts nicht gleich gut wahr. Für grünes Licht ist es besonders empfindlich.

Pflanzen brauchen Chlorophyll

Chlorophyll sorgt aber keineswegs nur dafür, dass Pflanzen grün aussehen. Der Farbstoff erfüllt eine entscheidende Aufgabe bei der Photosynthese. Die Chlorophyllmoleküle können Lichtenergie aufnehmen und innerhalb des Photosyntheseapparates weiterleiten. Möglich macht das ihre besondere chemische Struktur. Chlorophyll besitzt laut Goss ein Ringsystem, das dem des Hämoglobins ähnelt. In dessen Zentrum befindet sich allerdings kein Eisen, sondern Magnesium. Besondere Chlorophyll-a-Moleküle können die aufgenommene Lichtenergie schließlich dazu nutzen, ein Elektron abzugeben. Die darauf folgenden Prozesse helfen der Pflanze dabei, die für die Photosynthese notwendige Energie bereitzustellen und Kohlendioxid in Zucker umzuwandeln. Außerdem wird Wasser dabei gespalten und Sauerstoff entsteht.

Wären schwarze Pflanzen nicht viel effizienter?

Es stellt sich allerdings die Frage: Wenn Pflanzen Licht als Energiequelle benötigen, warum absorbieren sie dann nicht einfach möglichst viel davon? Müssten schwarze Pflanzen nicht eigentlich einen Vorteil haben? Tatsächlich nicht unbedingt, denn eine Pflanze muss laut Goss gar nicht jedes bisschen Licht aufnehmen, um effizient Photosynthese betreiben zu können. Die Aufnahme von blauem und rotem Licht ist dafür im Normalfall ausreichend.

Tatsächlich kann zu viel Licht sogar zum Problem werden. Nimmt eine Pflanze mehr Lichtenergie auf, als sie verarbeiten kann, können sogenannte reaktive Sauerstoffspezies, kurz ROS, entstehen. Diese können die Pflanze schädigen. Pflanzen besitzen deshalb verschiedene Schutzmechanismen. Ganz abwegig ist die Vorstellung sehr dunkler Blätter trotzdem nicht. Sie kommen tatsächlich in der Natur vor. Sonnenblätter im äußeren Bereich einer Baumkrone können beispielsweise sehr dunkelgrün sein. Dort können besonders viele Chlorophyllmoleküle dicht gepackt vorkommen, wodurch schließlich auch mehr grünes Licht absorbiert wird.

Warum ist nicht jedes Blatt gleich grün?

Wer verschiedene Pflanzen miteinander vergleicht, stellt schnell fest, dass Grün nicht gleich Grün ist. Manche Blätter wirken fast gelblich, andere dagegen ausgesprochen dunkel. Dafür gibt es mehrere Gründe. Pflanzen besitzen unter anderem Chlorophyll a und Chlorophyll b. Chlorophyll a ist laut dem Experten blaugrün, Chlorophyll b dagegen olivgrün. Auch die Menge und Verteilung des Chlorophylls beeinflussen die Blattfarbe. Besonders deutlich wird das bei Sonnen- und Schattenblättern. Sonnenblätter können große Mengen Chlorophyll enthalten, die dicht gepackt sind, und dadurch dunkelgrün erscheinen. Schattenblätter weisen dagegen geringere Chlorophyllkonzentrationen auf und können heller wirken.

Die Blattfarbe kann etwas über die Pflanze verraten

Verändert sich das gewohnte Grün plötzlich, lohnt sich daher ein genauerer Blick. Gelbe Blattstellen können beispielsweise entstehen, wenn Chlorophyll durch Stress geschädigt wird. Auch ein Mangel an bestimmten Nährstoffen kann eine Rolle spielen. Fehlen etwa Stickstoff, Magnesium, Schwefel oder Eisen, kann die Bildung von Chlorophyll beeinträchtigt werden. Gelbe Blattbereiche bezeichnet man als Chlorosen. Braune Stellen können wiederum entstehen, wenn Blattbereiche oder ganze Blätter absterben. Die Farbe eines Blattes kann somit durchaus Hinweise darauf geben, dass mit der Pflanze etwas nicht stimmt.

Warum werden die Blätter im Herbst gelb und rot?

Im Herbst verschwindet das Grün schließlich bei vielen Pflanzen. Dabei wird das Chlorophyll gezielt abgebaut. Zum Vorschein kommen dann Farbstoffe, die zum Teil bereits die ganze Zeit im Blatt versteckt waren. Dazu gehören die gelben und orangefarbenen Carotinoide. Im grünen Sommerblatt werden sie durch die höhere Konzentration des Chlorophylls optisch überdeckt. Sie erfüllen ebenfalls wichtige Aufgaben, beispielsweise beim Schutz des Blattes. Hinzu kommen rote oder bläuliche Anthocyane. Diese können bereits vorhanden sein, im Herbst aber auch neu beziehungsweise in höheren Konzentrationen gebildet werden. Deshalb können sich Blätter im Herbst nicht nur gelb, sondern auch orange, rot oder sogar violett verfärben, erklärt Goss.

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Wie betreiben rote Pflanzen dann Photosynthese?

Es gibt zahlreiche Pflanzen mit roten oder violetten Blättern, bei denen auf den ersten Blick kaum Grün zu erkennen ist. „Für die Photosynthese ist somit immer Chlorophyll nötig und es ist immer vorhanden, auch wenn man es in manchen Fällen durch die Überdeckung durch andere Pigmente nicht sieht“, erklärt der Pflanzenphysiologe. Bei roten oder violetten Pflanzen handelt es sich dabei häufig um Anthocyane. Das Chlorophyll ist also weiterhin vorhanden und kann Licht für die Photosynthese aufnehmen.

Es gibt auch Pflanzen völlig ohne Chlorophyll

Es gibt allerdings bemerkenswerte Ausnahmen. Manche Pflanzen haben im Laufe der Evolution eine Lebensweise entwickelt, bei der sie nicht mehr selbst per Photosynthese organische Verbindungen herstellen müssen, so etwa der Fichtenspargel, der vollständig weiß sein kann. Er erhält organische Verbindungen über Pilze. Ähnliche Strategien finden sich etwa beim Rotbraunen Stendelwurz sowie beim Kleewürger, der Wirtspflanzen parasitiert. Goss erklärt, dass solche Pflanzen kein Chlorophyll zur Photosynthese benötigen und deshalb tatsächlich ohne das typische Grün auskommen können.

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