14. Oktober 2025, 16:42 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Wie sieht das Wohnen der Zukunft aus? Die Antwort darauf liefert ein außergewöhnliches Holzhaus, das sich nicht nur architektonisch, sondern auch sozial als Labor für neue Wohnformen versteht – und nun als „Haus des Jahres 2025“ vom Callwey-Verlag ausgezeichnet wurde. Was macht das Siegerprojekt so besonders?
Preisgekröntes Wohnkonzept! Das ist das Haus des Jahres 2025
Der Callwey-Verlag hat auch in diesem Jahr das „Haus des Jahres“ gekürt – bereits zum fünfzehnten Mal. Aus zahlreichen Einreichungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählte die Jury Projekte aus, die durch herausragende Gestaltung und innovative Wohnkonzepte überzeugen. Neben dem Hauptpreis wurde zudem erneut die Auszeichnung „Häuser des Jahres – Architects’ Choice“ vergeben, die Unternehmen würdigt, deren Produkte maßgeblich zur Qualität zeitgenössischer Einfamilienhäuser beitragen.
Als „Haus des Jahres 2025“ setzte sich ein Projekt der Kuntscher Tscherning Architekten und Stadtplaner PartGmbB aus München durch. Ihr Zweifamilienhaus aus Holz überzeugte mit einem raffinierten Zusammenspiel aus Raumkonzept, Materialität und architektonischer Haltung.
Die Jury lobte insbesondere die Wandelbarkeit der Räume: „Dieses Haus ermöglicht den Bewohnern eine räumliche Durchlässigkeit und wenige Augenblicke später durch einfachste Mittel Abgrenzungen innerhalb einer Fläche. Diese Flexibilität für Veränderung erschafft eine unerwartete Wohnqualität“, so Michael Schuster, Teil der Jury und Chefredakteur der „DBZ Deutsche BauZeitschrift“.
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Zwei Konzepte unter einem Dach
Das prämierte „Haus des Jahres 2025“ steht in der Gemeinde Feldkirchen bei München – komplett in Holzbauweise mit vorgefertigten Brettsperrholzelementen. Bemerkenswert: Die beiden Haushälften folgen unterschiedlichen architektonischen Prinzipien.
Die eine Hälfte ist klar strukturiert, funktional und ruhig – ganz im Sinne klassischer Holzarchitektur. Die andere Hälfte hingegen bricht bewusst mit Konventionen. Hier versteht sich Wohnen als offener, flexibler Prozess: Räume gehen ineinander über, Ebenen verschmelzen, Grenzen zwischen innen und außen sowie zwischen privaten und gemeinschaftlichen Bereichen lösen sich auf.
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Fassade als Spiel mit Perspektiven und Jahreszeiten
Die äußere Gestaltung des Hauses unterstreicht das gestalterische Gesamtkonzept. Während die Längsseiten mit einer klassischen Riegelschalung versehen sind, setzen die Querseiten mit einer Leisten-Brett-Schalung bewusst Kontraste. Diese erzeugen je nach Perspektive ein wechselndes Erscheinungsbild – verstärkt durch eine differenzierte Farbgestaltung: Die Bodenschalung bleibt unbehandelt und zeigt das Holz in seiner natürlichen Form, die Leisten sind mit einer hellen Aluminiumlasur versehen.
Eine weitere gestalterische Ebene eröffnet das diagonal verlaufende Rankgerüst an der Gartenseite. Hier bringt die Natur selbst Farbe ins Spiel: Blühende Pflanzen verändern das Erscheinungsbild der Fassade im Laufe der Jahreszeiten und verankern das Gebäude sichtbar in seiner Umgebung.
Reduktion im Inneren, Nachhaltigkeit im Kern
Auch im Innenraum bleibt das Gestaltungskonzept konsequent. Sichtbare Wände und Decken aus Brettsperrholz prägen das Raumgefühl, während Zementestrichböden in Sichtqualität einen kühl-kontrastreichen Gegenpol bilden. Das Ergebnis ist eine reduzierte, klare Innenraumgestaltung mit hoher Präzision.
Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil des Projekts: Das Dach ist mit einer Solaranlage ausgestattet, die zur Energieversorgung beiträgt. Geheizt wird komplett mit Fernwärme. Gleichzeitig steht Holz nicht nur als Baumaterial, sondern auch als gestalterisches Element im Mittelpunkt. Es macht die ökologische Ausrichtung des Hauses nicht nur sichtbar, sondern unmittelbar erlebbar.