Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Baumarktpartner
von myHOMEBOOK

Hauskauf mit Hindernissen

„Journelles“-Gründerin Jessie Weiß über ihr Eigenheim-Projekt: »Ich habe die absurdesten Tipps bekommen

Jessie Weiß von Maison Journelles
Jessie Weiß spricht im Podcast „Maison Journelles“ gemeinsam mit ihrem Mann Johan über die Achterbahnfahrt zum EigenheimFoto: Jessie Weiß

Den Traum vom Eigenheim haben viele – so auch die Bloggerin und Podcasterin Jessie Weiß. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren drei Kindern hat sie in Berlin nach einem Haus mit Garten gesucht. Der Weg glich dabei einer wilden Achterbahnfahrt.

Ein eigenes Haus mit Garten – davon träumen viele Menschen. Doch der Weg dorthin ist steinig. Wie schwer es wirklich sein kann, heutzutage ein passendes Eigenheim zu finden, davon könnten „Journelles“-Bloggerin und Autorin Jessie Weiß und ihr Mann Johan nicht nur ein Lied singen, sondern haben es gleich in einem ganzen Podcast erzählt. In „Maison Journelles“ sprechen die beiden über die Achterbahnfahrt bei der Haussuche. Im myHOMEBOOK-Interview erzählt Jessie Weiß, warum die Suche teilweise wie ein schlechter Film war, wie es ist ein Haus blind zu kaufen und worauf sie sich jetzt am meisten freut.

»Ich habe die absurdesten Tipps bekommen

myHOMEBOOK: Ihr habt euer Haus über eine Zwangsversteigerung bekommen – für mich ist das eher ein negativ behafteter Begriff. Wie kam es denn dazu?
Jessie Weiß: „Ja, das war bei mir tatsächlich auch so. ‚Zwang‘ ist ja nichts unbedingt Positives. Wenn man sich ein bisschen einliest, kommt man schnell drauf, dass oftmals nur aus zwei Gründen zwangsversteigert wird. Erstens, man kann die Rechnung nicht mehr bezahlen, den Kredit nicht mehr bedienen oder hat schlichtweg kein Geld mehr, seine Immobilie zu halten. Oder zweitens, ein Streit muss irgendwo zwischen diversen Parteien aufgetreten sein, sodass ein Haus oder eine Immobilie versteigert wird.“

Passend dazu: Zwangsversteigerung – Schnäppchen oder Kostenfalle?


„Ich habe eines Tages, nachdem wir ein Jahr lang sehr erfolglos die Häusersuche in Berlin bestritten haben, einfach mal überlegt, mir diese Möglichkeit der Zwangsversteigerung genauer anzusehen. Vielleicht kommt ja tatsächlich mal ein Haus rein, was für uns interessant sein könnte. Offensichtlich bekommen wir es ja nicht auf dem normalen Weg hin. Ich bin sowohl auf den ganzen Immobilien-Portalen unterwegs gewesen und habe auch privaten Kontakt zu Maklern gehabt, mich in jedem Newsletter angemeldet. Ich habe sogar mein gesamtes Netzwerk eingespannt – ich habe ja auch Reichweite – und immer wieder gedroppt, dass wir suchen.“


„Und selbst, wenn wir dann mal eine Immobilie gefunden haben, die toll war, dann war sie entweder zu teuer oder wir haben nicht mal einen Besichtigungstermin bekommen. Man muss ja direkt seine Liquidität nachweisen, sprich von der Bank eine Kreditbescheinigung vorlegen. Sowas stellt eigentlich eine legitime Bank überhaupt nicht aus, bevor sie die Immobilie überprüft hat. Der Markt ist so gesättigt, es gibt zu viele Familien, die einfach gerade suchen und den Traum vom Eigenheim haben, gerade auch aufgrund der Corona-Krise.“

„Ich habe da auch die absurdesten Tipps bekommen. Einige Follower meinten, du musst dich auch mit den Kirchengemeinden in der Stadt anfreunden, weil die wissen immer, wer in der Gemeinde verstirbt. Ziemlich krass! Wir haben auch Briefe eingeworfen in Vierteln, die wir toll fanden. Ich habe wirklich alles probiert und dann irgendwann die Zwangsversteigerung hinzugenommen, um einfach wirklich alles abzudecken.“

Instagram Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

»Die Suche muss man als Hobby sehen, mit dem man sich mehrmals die Woche aktiv beschäftigt

Überraschung, es hat geklappt! Hast du einen Tipp, wenn man selber damit anfängt, ein Haus zu suchen und vielleicht das Traumhaus eben nicht beim ersten, zweiten oder dritten Mal direkt bekommt?
„Man braucht auf jeden Fall starke Nerven und muss dranbleiben. Wenn ich mir was in den Kopf setze, dann will ich es auch umso mehr. Das hat aber zwischendurch zu echter Verzweiflung geführt. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und selbst ich hatte oftmals den Moment, in dem ich dachte, das wird nie funktionieren. Wie arrangierst du dich mit der deiner jetzigen Situation? Was machen wir jetzt mit unserer Wohnung? Wie teilen wir das auf? De facto hatten wir ein Zimmer zu wenig für unser drittes Baby, was überraschenderweise noch kam. Aber letzten Endes nie aufzugeben und immer wieder weiterzusuchen, das ist der beste Tipp, den ich geben kann. Und nur das führt ans Ziel. Man sollte die Suche wirklich als Hobby sehen, wo du dich wirklich drei-, viermal die Woche aktiv damit beschäftigst.“

Zwangsversteigerung, Planung – und der Abriss

Nach der Zwangsversteigerung ging es ja erst so richtig los. Ihr hattet schon alles geplant – und dann kam der Holzbock. Ein bisschen wie im schlechten Film, oder?
„Ja, schon. Langweilig wird es auf jeden Fall nicht auf unserer Reise. Wäre auch schön gewesen, wenn es dann irgendwie einfach gewesen wäre. Als wir endlich im Haus drin waren, haben wir den Anbau geplant, weil die Wohnfläche ja nicht ausreichend war. Das wussten wir im Vorfeld. Dann haben wir die ganzen Gutachter durchgeschickt. Es stellte sich heraus, dass der Holzbockkäfer im Dach die Holzbalken durchgefuttert hat. Die waren ganz porös und halten nicht mehr langfristig. Wir hätten also das gesamte Dach abnehmen und die ganzen Balken erneuern müssen. Ziegel sind im Moment Mangelware, nicht zuletzt auch durch den Krieg. Da haben sich dann Kosten aufgetan, sodass wir uns gefragt haben: Was kostet eine Sanierung plus Anbau? Was würde ein Neubau kosten? Und siehe da – ein Neubau war günstiger als die Sanierung mit all diesen ganzen Baustellen, die wir da hatten.“


„Schweren Herzens haben wir uns dafür entschieden, neu zu bauen. Ich wollte eigentlich nicht das ganze von vorne aufziehen und mag den Charme von alten Gebäuden. Unseres ist aus dem Jahr 1927. Sobald wir aber die Entscheidung gefällt hatten, war ich sehr dankbar und freue mich auch sehr auf das, was auf uns zukommt. Mein Lieblingstipp dazu: nicht für selbstverständlich nehmen, dass es reibungslos funktioniert – weil es wird auf keinen Fall reibungslos klappen.“

Cover vom Podcast Maison Journelles
Im Pocdast „Maison Journelles“ erzählen Jessie Weiß und ihr Mann Johan von ihrem steinigen Weg zum EigenheimFoto: Jessie Weiß

Ihr habt euer Haus „blind“ gekauft und konntet vorher nicht rein. Glaubst du, dass das auch Vorteile hatte?
„Ja und nein. Wir sind davon ausgegangen, dass wir ohnehin kernsanieren müssen. Und da wir das schon mit unserer Eigentumswohnung gemacht hatten, wussten wir, wie es wirklich ist, alles neu zu machen. Und wir hatten da auch Bock drauf. Tatsächlich habe ich das als Herausforderung angenommen, deswegen war der Zustand auch gar nicht so wichtig. Für uns war es sogar eine positive Überraschung, weil der Grundriss als solcher ja ganz gut war. Auch die schöne alte Treppe, die da drin war, und ein großzügiger Flurbereich. Das konnte man von außen tatsächlich nicht sehen. So ein „Überraschungsei“ zu haben ist natürlich ein besonderer Thrill, das hast du ja auch nur einmal im Leben.“

Eure Wohnung hattet ihr ja auch schon kernsaniert. Das hat wahrscheinlich einige Vorteile, wenn man sowas in kleinerem Rahmen schon mal gemacht hat, oder?
„Ja, du kannst es vielleicht nicht mit einem ganzen Haus vergleichen, aber wir hatten exakt dieselben Probleme bei der Sanierung, die jetzt wahrscheinlich auch kommen werden. Das war dann doch auch ein sehr umfassendes Projekt. Wir haben über neun Monate gebaut und alles in Eigenregie gemacht. Nicht selber ausgeführt, aber die Bauleitung übernommen. Ich stand jeden Tag auf der Baustelle, auch mit meinem kleinen Sohn, der war da gerade ein paar Monate alt oder kam gerade auf die Welt, als wir gekauft haben. Dementsprechend wusste ich schon ein bisschen, was uns erwartet.“


„Ich habe das eher als Herausforderungen gesehen. Für mich ist es auch schöner, tatsächlich etwas ganz neu zu machen, meinen Vorstellungen entsprechend, als auf was aufzubauen, was mir ohnehin nicht perfekt gefällt.“

Auch interessant: Wie man mit der Muskelhypothek beim Hausbau Geld sparen kann

Was war bisher die größte Herausforderung?
„Den Kredit zu bekommen. Das war sehr nervenzehrend und anstrengend. Und mit sehr, sehr vielen Behördengängen verbunden, Telefonaten, E-Mails und Überzeugungsarbeit. Dann gab es noch die Unsicherheiten, ob wir überhaupt den Schlüssel bekommen, um dann Gutachter reinzubekommen. Da gab es so viele unklare Positionen zu dem Zeitpunkt, das war für mich schon die größte Herausforderung.“

Gab es denn auch Punkte, die leichter waren als gedacht?
„Es ist immer ein Prozess. Man setzt sich nicht hin und sagt: Wir entscheiden das jetzt so. Nein, du musst immer ein paar Tage darüber nachdenken – und irgendwann erscheint es dir völlig logisch. Es ist sehr schön, dass es sich immer irgendwie fügt und man nicht alles auf Termin machen kann.“

Würdest du sagen, dass jetzt der schöne Teil beginnt, da entschieden ist, dass abgerissen und neu gebaut wird?
„Ich hoffe es. Ich würde jetzt gerne die 3D-Visualisierungen sehen, darauf warte ich wirklich seit Tag eins. Dann kann ich endlich die für mich wichtigsten Entscheidungen treffen. Beim nächsten Meeting geht es darum, welche Baumaterialien sowohl außen als auch innen verwendet werden. Der Statiker fängt jetzt an zu rechnen, für mich beginnt jetzt auf jeden Fall der schönste Part. Und danach kommt – glaube ich – wieder eine lange Durststrecke, in der man sehr lange keine Ergebnisse sieht. Davor habe ich schon ein bisschen Sorge.“

Instagram Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Du hast ein gutes Händchen für Einrichtung – was ist denn dein ultimativer Interior-Tipp?
„Ich achte viel auf Materialität und mag es nicht, wenn der Raum kalt wirkt. Ich lasse das Zusammenspiel aus Materialien, Farbe und Charakter immer sehr lange auf mich wirken. Man muss ja irgendwie spüren, dass da auch eine Familie wohnt.“

„Ich habe das Gefühl, vieles, was man auf Instagram sieht und ansprechend aussieht, ist nicht unbedingt das, wo man auch wirklich drin leben kann. Die Mischung aus „sieht toll aus“ und „fühlt sich wohnlich“ an macht mich am glücklichsten. Und das schafft man nicht nur durch die Kinderklamotten, die überall rumfliegen, sondern durch ein bisschen Mut zur Farbe. In unserer Wohnung ist alles in unterschiedlichen Tönen, aber vorwiegend in hellen Farben aufeinander abgestimmt. Das Farbkonzept ist grundlegend gewesen. Generell lass ich mich da aber immer von meinem Bauchgefühl leiten.“

»Der Hausbau ist kein Zuckerschlecken

Würdest du sagen, dass es früher leichter war, ein Haus zu bauen als heute?
„Es war auf jeden Fall günstiger. Nicht nur durch die Inflation oder auch die ganzen Umstände wie Corona und Krieg ist es aktuell heftig, was die Preise angeht. Wir haben da mit deutlichen Steigerungen zu kämpfen. Das ist kein Zuckerschlecken, denn es kann sich fast keiner mehr leisten heutzutage zu bauen. Wir werden auch unsere Wohnung verkaufen, weil es sonst finanziell nicht möglich wäre, das zu stemmen.“

„Ich könnte mir vorstellen, dass es heute viel mehr Möglichkeiten gibt, coole Sachen zu bauen. Der Zeitpunkt mag vielleicht nicht perfekt sein. Aber auch Baumaterialien und aktuelle Entwicklungen, diese ganzen Solarenergie-Themen, deine eigene Wärmepumpe – das ist einfach toll, langfristig und sehr nachhaltig.“

„Ich freue mich schon sehr darüber, dass das inzwischen möglich ist. Und dass man nicht mehr einem Klischee entsprechen muss – also dem des typischen Häuslebauers – bei dem jeder sein kleines quadratisches Häuschen mit einem Spitzdach hat. Das ist nicht mehr so – man kann einfach machen, worauf man Lust hat – und das ist eine tolle Sache.“

Was hättest du gerne vorher gewusst, bevor ihr angefangen habt?
„Vieles wusste ich tatsächlich schon durch unsere Sanierungen im Vorfeld, das hat durchaus geholfen. Ich würde sagen, es ist wieder einmal ein Reminder, dass man viel Geduld mitbringen muss. Ich bin nicht der geduldigste Mensch, aber das muss man einfach immer wieder sich verinnerlichen. Gut Ding will Weile haben – das ist mein größtes Learning. Lieber wohldurchdacht und jeden Punkt möglichst perfekt abgeklärt. Zeit einzuplanen, ist sehr wichtig – für alle, die da draußen irgendwas in die Richtung vorhaben, sowohl für die Suche als auch für den Bau. Es ist immer Zeit, Zeit, Zeit.“


Deine Datensicherheit bei der Nutzung der Teilen-Funktion
Um diesen Artikel oder andere Inhalte über Soziale-Netzwerke zu teilen, brauchen wir deine Zustimmung für